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Main-Kinzig-Kreis will Ostheimer Gemeindehaus mieten und Geflüchtete unterbringen

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Bei einer Gemeindeversammlung in der evangelischen Kirche Ostheim wurden die Pläne zur langfristigen Vermietung des Gemeindehauses an den Main-Kinzig-Kreis vorgestellt. Das Interesse war groß.
Bei einer Gemeindeversammlung in der evangelischen Kirche Ostheim wurden die Pläne zur langfristigen Vermietung des Gemeindehauses an den Main-Kinzig-Kreis vorgestellt. Das Interesse war groß. © Ulrike Pongratz

Der Main-Kinzig-Kreis will das evangelische Gemeindehaus in Ostheim übernehmen und Flüchtlinge darin unterbringen. Die Pläne wurden bei einer Gemeindeversammlung am Donnerstag erläutert.

Nidderau – Seit mehr als sechs Jahren ringt die Kirchengemeinde in Ostheim um eine Nachfolgenutzung für ihr Gemeindehaus. Nun zeichnet sich eine Lösung ab: Der Main-Kinzig-Kreis ist daran interessiert, das Gebäude als Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen umzubauen und langfristig zu nutzen. Ob und wie sich diese Idee vor Ort umsetzen ließe, darüber konnten Anwohner und Nachbarn in einer ersten Informationsveranstaltung rege und offen mit Architekt und Stadtplaner Klaus Heim sowie Silvio Franke-Kißner, Amtsleiter Amt 32 Sicherheit, Ordnung, Migration und Integration beim Main-Kinzig-Kreis, diskutieren.

Zunächst stellte Architekt Heim vor, wie ein Umbau des Hauses zu einer Gemeinschaftsunterkunft aussehen könnte. Eigentlich sei das Gebäude zu klein, aber nach vielen intensiven Gesprächen mit Vertretern der Kirche und des Kreises sei er der Ansicht, die Unterkunft habe das Zeug für eine vorbildliche Integrationsmaßnahme.

Mit Miete könnte ein Gemeindesaal finanziert werden

Das Gebäude würde an den Kreis vermietet, der die Kosten für die Umbaumaßnahmen übernimmt. Aus den Mieteinnahmen könnte die Kirchengemeinde den Neubau eines kleineren Gemeindesaals mit Küche und Sanitärräumen finanzieren. In einer ersten Skizze stellte Klaus Heim vor, wie Umbau und Erweiterung sich darstellen könnten.

Auf drei Stockwerken – das Dachgeschoss wird zusätzlich ausgebaut – würden in Zimmern und Appartements mit Gemeinschaftsküchen und Sanitärräumen bis zu 50 Personen leben. „Eigentlich ist das Haus als Gemeinschaftsunterkunft zu klein“, räumte auch Franke-Kißner ein. „In diesem Objekt wollen wir besonders vulnerable Gruppen unterbringen. Beispielsweise Menschen, die traumatisiert sind.“

Der Amtsleiter berichtete von einer Frau, die zwangsverheiratet wurde, einer Familie mit behinderten Zwillingen oder einem jungen Mann, der schwul ist und in einer Männer-Sammelunterkunft nicht glücklich würde. Das wären Menschen, die in Ostheim besser untergebracht wären als in großen Sammelunterkünften.

Menschen, die besondere Begleitung brauchen

„Wir glauben, dass wir diese Zielgruppe der besonders vulnerablen Menschen hier gut versorgen können.“ Das Objekt würde langfristig vom Kreis genutzt werden. Sozialarbeiter des Kreises würden die geflüchteten Menschen begleiten.

Sie warben für die Unterbringung von Flüchtlingen: Architekt Klaus Heim, Amtsleiter Silvio Franke-Kißner, Heidrun Brodt-Koller vom Kirchenvorstand und Pfarrer Lukas Ohly.
Sie warben für die Unterbringung von Flüchtlingen: Architekt Klaus Heim, Amtsleiter Silvio Franke-Kißner, Heidrun Brodt-Koller vom Kirchenvorstand und Pfarrer Lukas Ohly. © Ulrike Pongratz

Pfarrer Ohly ergänzte, er habe in den vergangenen Jahren sicher 30-mal mit diversen Interessenten verhandelt, mit seriösen wie unseriösen, und nie sei ein Verkauf zustande gekommen. Das Gebäude für besonders vulnerable Gruppen umzunutzen, entspreche der christlichen Idee der Barmherzigkeit ganz besonders. Als Pfarrer arbeite und lebe er in der Kirchgasse und er teile das Interesse mit allen, dies weiterhin in guter Nachbarschaft zu tun. Der Kirchenvorstand habe die Bereitschaft, einen Beschluss für die Umnutzung herbeizuführen. Das andere Szenario sei, das Gebäude über kurz oder lang stillzulegen. „Wenn morgen die Heizung ausfällt, dann ist es vorbei.“

Zum geplanten Vorhaben stellten Bürgerinnen und Bürger viele Fragen zu sehr unterschiedlichen Themen. Etwa, welche Menschen kämen und wie schnell das Haus bezogen würde. Es ging um das Zusammenleben, um Schäden, die verursacht werden könnten, um nächtliche Ruhe, um Sicherheit und Kontrolle.

Anwohner haben Sorge um Integration und Verkehr

„50 Menschen – die Kirchgasse explodiert“, hieß es beispielsweise. Es ging aber auch um Fragen des zusätzlichen Verkehrs, um Parkplätze, um die Dauer der Umbaumaßnahmen und außerdem ein wenig um die Frage nach dem neuen Gemeindesaal.

Nicht alles konnten Pfarrer Lukas Ohly, Silvio Franke-Kißner und Klaus Heim beantworten. „Ich kann Ihre Befürchtungen verstehen“, sagten Heim und Franke-Kißner. Oder: „Veränderungen – ob Spielplatz, Kita oder Windrad – lösen oft Ängste aus. Ja, es wird Veränderungen geben. Begreifen wir es als Chance. Wir alle werden lernen, mit dem Thema Flucht und geflüchtete Menschen umzugehen.“

Von schlechten Erfahrungen mit den anderen Unterkünften in Nidderau berichtete niemand und auch Franke-Kißner sagte, der Kreis mache gute Erfahrungen in Sammelunterkünften mit Gemeinschaftsküchen.

Sozialarbeiter sollen Geflüchtete begleiten

„Es kann und es wird Konflikte geben. Das ist dann Aufgabe der Sozialarbeiter, hier zu deeskalieren. Es kommen normale Menschen, – gute, schlechte, kranke, gesunde.“

Eine neue Unterkunft werde allmählich, zusammen mit einem Team von Sozialarbeitern, die sich ebenfalls einarbeiten würden, belebt. Wer hier einziehe, entscheide das Amt 32 des Kreises. Ziel sei die Integration der geflüchteten Menschen.

Nach einem zweistündigen intensiven Austausch werden die Beteiligten wohl weiter im Gespräch bleiben. „Das Projekt ist eine gute Sache. Ich komme, so es nötig ist. Menschen, die hier wohnen, sind uns wichtig.“ Pfarrer Ohly lud die Bewohner aus der Kirchgasse ein, an den weiteren Gesprächen teilzunehmen. „Ich fände es gut, wenn sich Personen aus der Kirchgasse am Prozess beteiligten und daran mitarbeiten, unter welchen Umständen das Vorhaben denkbar wäre.“ (Von Ulrike Pongratz)

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