Die „Dicken Steine“ im Wald bei Eichen sollen der Sage nach der Märchenfigur Frau Holle als Bett beziehungsweise Haus gedient haben. Foto: J. Weber

Nidderau

Lokalhistoriker Heinrich Quillmann über Ostheim und Umgebung

Nidderau. Zwar kann der Windecker Lokalhistoriker Heinrich Quillmann aus gesundheitlichen Gründen keine Stadtführungen mehr anbieten, was ihn nicht daran hindert, Vorträge zu halten. So wird er am 22. März im Bürgerhaus Ostheim „Wissenswertes“ über den Ort und die Umgebung preisgeben. Etwa, wo das Haus der Frau Holle stand.

Von Jan-Otto Weber

Zugegeben: Nicht alles, was Quillmann bei seinem Vortrag ausführt, ist auch wissenschaftlich belegt. Und nicht alles ist streng auf die Ostheimer Gemarkung begrenzt. „Es ist kaleidoskopartig, was ich machen will“,erklärt der 85-Jährige. Unterhaltsam ist es allemal.

Schon die Einleitung Quillmanns ist mit einem Augenzwinkern versehen, wenn er die Entstehung Nidderaus über die Kontinentalplattenverschiebung herleitet. „So verlief vor 360 Millionen Jahren der Äquator zwischen Windecken und Heldenbergen“, verkündet der Lokalhistoriker. „Ostheim und Windecken waren auf der südlichen Halbkugel, dort wo heute Uganda liegt. Daher das Kennzeichen HU, heute noch die Abkürzung für Hessisch-Uganda.“ In 70 Millionen Jahren werde man Oslo erreicht haben, so Quillmann weiter. „Spätestens dann ist den Einwohnern von Eichen der Sprung über die B521 gelungen.“

Von lustig zu ernstErnsthafter kommt er dann auf die Grauwacke am Fuß der Naumburger Höhe im Krebsbachtal zwischen Heldenbergen und Erbstadt zu sprechen, eines der ältesten Gesteine der Erdgeschichte. Weiter geht esüber das Flurstück Kalkofen am Ohlenberg in Windecken und eine Reihe von Findlingen, die dort und anderswo aus der Erde ragten.

Und so kommt Quillmann auch auf die „Dicken Steine“ zu sprechen, die im Wald bei Eichen, unweit der Bahnlinie des „Stockheimer Lieschens“, auf einer Fläche von etwa 200 Quadratmetern zu finden sind. Nach Quillmanns Informationen soll es sich um Braunkohle-Quarzite handeln, die etwa fünf Millionen Jahre alt sind.„Der Sage nach hat hier das Bett der Frau Holle gestanden“, berichtet der Lokalhistoriker. Der 1808 in Niedergründau geborene und später an der Hanauer Marienkirche als Pfarrer tätige Anton Calaminus habe 1867 berichtet, dass die Wetterauer bei solchen vermutlich vor- und frühgeschichtlichen Grabhügeln, von denen es im Eichener und Windecker Bürgerwald noch einige gibt, auch von „Steinhäusern“ sprachen.

Frau Holles HausCalaminus schreibt: „Schon bei jener ersten Ausgrabung erfuhren wir, daß unten im Nidderthale zwei auffallende Steinhäuser, wie das Volk sie nennt, vorhanden seien, eins nahe bei Eichen, das andere weiter abwärts im sogenannten Junkernwalde. Das Volk hält sie für Einsiedlerhütten und hat allerhand Sagen davon. Jenes im Junkernwalde nennt man der Frau Holle Haus.“

Und so kommt Quillmann noch auf allerhand weitere Kuriositäten zu sprechen, sinniert über die Zusammenhänge von Flurnamen, über Knochenfunde des „Mädchens aus dem Lehm“, die Verbindung des Ostheimers Hans Lindt zur berühmten Schweizer Schokoladenmanufaktur und den Braunkohleabbau in dem Nidderauer Stadtteil. Und er zitiert den früheren Pfarrer Friedrich Fink mit den Worten: „Ostheim gehört zu den freundlichsten Orten des Landkreises Hanau.“ Wer sollte ihm da widersprechen?!

Der Windecker Lokalhistoriker Heinrich Quillmann hält seinen Vortrag „Wissenwertes über Ostheim“ auf Einladung des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins am Donnerstag, 22. März, um 20 Uhr im Bürgerhaus Ostheim. Der Eintritt ist frei. Gäste sind willkommen.

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