Die Treppe, die zum Grab seiner Frau führt, kann Walter Lotz nur mit Hilfe seiner Tochter bewältigen. Für eine Rollator-gerechte Rampe ist kein Geld da. Foto: Jan-Otto Weber.

Nidderau

Kritik an Treppe und engen Grabreihen auf dem Friedhof

Nidderau. Walter Lotz steht mit seinem Rollator vor einer Treppe auf dem Windecker Friedhof. Direkt hinter dem Eingangstor führen die beiden Stufen rechts in einen Weg, an dessen Ende das Grab liegt, in dem Walter Lotz' Frau im Jahr 2015 bestattet wurde.

Von Jan-Otto Weber

Einen Handlauf gibt es nicht. Mit Hilfe seiner Tochter steigt der 87-Jährige die beiden Stufen hinauf und stützt sich auf seine Krücke, während seine Tochter den Rollator zusammenklappt. Denn der 80 Zentimeter breite Weg zwischen den Reihen der Einzelgräber am nordöstlichen Rand des Friedhofs ist ohnehin zu schmal, um sich mit der sonst so praktischen Gehhilfe frei zu bewegen.

"Es ist einfach zu eng"

„Als mein Vater nach seiner Hüftoperation im Rollstuhl saß, konnten wir gar nicht bis ans Grab fahren“, berichtet Lotz' Tochter. „Es ist einfach zu eng.“ Auch die lose geschotterten Wege seien für gehbehinderte Menschen nicht einfach zu bewältigen.

„Im Gegensatz zum Friedwald in Eichen ist der Win‧decker Friedhof keine Erfolgsgeschichte“, meint Werner Schättler. „An Platz mangelt es nicht. Aber trotzdem wurden die Sargreihengräber so eng aneinandergequetscht.“

Schättler ist selbst betroffen. Das Grab seines Vaters liegt genau neben dem von Lotz' Frau. „Nach den DIN-Vorgaben für barrierefreie öffentliche Grünanlagen müssten die Wege mindestens 1,20 Meter breit sein“, so Schättler, der der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung angehört. Doch anstatt sich an diesen zeitgemäßen Vorgaben zu orientieren, habe der Magistrat die schon seit Jahrzehnten bestehende Friedhofsordnung einfach fortgeschrieben.

Nichtachtung auf Friedhof

„Wir bauen in allen Bürgerhäusern behindertengerechte Toiletten. Und ausgerechnet hier auf dem Friedhof, der überwiegend von älteren Menschen besucht wird, wird auf so etwas nicht geachtet.“

Der Elektromeister kritisiert zudem, dass die Grabsteine nicht Rücken an Rücken angeordnet sind. So stoße man beim Hantieren mit Werkzeugen bei der Grabpflege schon mal hinten an. „Bei den Doppelgräbern ist das seltsamerweise anders. Dort gibt es auch breitere Wege.“

Auch der fehlende Handlauf an den beiden Stufen im Eingangsbereich oder die Risse in den asphaltierten Wegen stören ihn. „Am besten wäre eine Friedhofskommission, die sich mit solchen Dingen ernsthaft befasst“, schlägt der SPD-Abgeordnete vor. „Stattdessen will der Ortsbeirat zigtausend Euro für die Sanierung der Friedhofsmauer ausgeben. Dabei könnte man die mit relativ kleinem Geld instand setzen. Denn die Substanz ist noch in Ordnung.“

Bekannte Vorschläge für Friedhofsverwaltung

Regina Wilke von der Friedhofsverwaltung sind Schättlers Vorschläge bekannt. „Wir haben bereits darüber gesprochen“, berichtet Wilke, als sie sich mit dem HA-Reporter extra vor Ort zu einer Friedhofsbegehung trifft. „Am Abstand zwischen den Reihen können wir bei den bestehenden Gräbern nichts mehr ändern“, erklärt sie. „Aber wir werden bei der nächsten Reihe mehr Platz lassen.“

Auch der Vorschlag, die Grabsteine Rücken an Rücken auszurichten, findet bei Wilke Gefallen. „Dadurch, dass dann zwischen den Grabsteinreihen der Weg wegfallen würde, hätten wir auch insgesamt keinen Platzverlust.“ Auf den weitgehend freien Grasflächen an der Nordwestseite des Friedhofs sollen perspektivisch Bäume gepflanzt werden, die dann als Bestattungsbäume dienen könnten. Flächen zur Einsaat von Blumen im Rahmen des Programms „Nidderau blüht“ seien hingegen vorerst nicht vorgesehen. „Da wollen wir erst mal abwarten, wie das Projekt auf dem Ostheimer Friedhof angenommen wird.“

Änderungen und Sanierungen vorgesehen

Mittel für die Sanierung der asphaltierten Hauptwege sind laut Wilke bereits im aktuellen Haushalt vorgesehen. Also alles in Ordnung, könnte man meinen. Allerdings hat Wilke in einem Punkt keinen Erfolg beim Magistrat gehabt.

„Einen Handlauf an der kleinen Treppe im Eingangsbereich des Friedhofs wird es nicht geben“, so die Verwaltungsmitarbeiterin. „Der ist erst ab drei Stufen vorgeschrieben.“ Und auch der Errichtung einer ebenirdischen Rampe hat der Magistrat laut Wilke eine Absage erteilt. „Dafür ist momentan kein Geld da.“

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