Kampf gegen Plastik: Die Windecker Landfrauen regten mit ihrem Infostand zum Nachdenken an. Foto: Rainer Habermann

Nidderau

Klima-Aktionstag auf dem Hof Buchwald

Nidderau. „Wie bekommen wir uns alle satt?“ So lautet eine zentrale Zukunftsfrage der Menschheit. So titelte auch Benedikt Haerlin, Journalist und Leiter des Berliner Büros von „Save our Seeds“ (etwa: „schützt unsere Samen“) am Pfingstmontag seinen Vortrag beim Klima-Aktionstag der Ökumene auf Hof Buchwald.

Von Rainer Habermann

Gut 100 Gäste informierten sich unter dem Motto „Nidder‧au is(s)t im Klimawandel“, das die Organisatoren gewählt hatten: Helmut Törner-Roos, Referent für den „Kirchlichen Entwicklungsdienst Zentrum Ökumene“ der beiden evangelischen Landeskirchen Hessens, die Nidderauer Kirchengemeinden, Pfarrer Otto Löber für den Freundeskreis Hof Buchwald sowie Familie Vogel als Gastgeber.

Kirche fordert Agrar- und Ernährungsrevolution

Haerlins Eingangsreferat hatte es in sich. Nach seinen Worten sei, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, nämlich „eine agrarökonomische, ernährungs- und verteilungstechnische Revolution“ erforderlich. Anhand etlicher Diagramme, Karikaturen und Fotografien zeigte er in seinem rund einstündigen Vortrag Wege aus der Krise auf, in der sich sowohl das Weltklima als auch insbesondere die internationale Landwirtschaft befinde. Alles belegt und unterlegt mit statistischen Daten von renommierten staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen. Wobei eigentlich die Menge der weltweit produzierten Lebensmittel bereits heute ausreiche, den globalen Bedarf mehr als zu decken: eine für viele Zuhörer etwas verblüffende Äußerung, wie an den Reaktionen zu spüren war

Das Problem von Mangelernährung oder gar Hunger einerseits und von Übergewichtigkeit sowie Adiposität andererseits ist laut Haerlin einzig eine Frage der Verteilung und Produktionsweise von Lebensmitteln. Obwohl eine teilweise krasse Überproduktion in vielen Regionen der Welt stattfinde, sei die Versorgung in anderen Gebieten durch Kriege, Bürgerkriege und klimatische Katastrophen gefährdet oder unmöglich, so der Experte. Rund zwei Milliarden übergewichtige Menschen stehen 821 Millionen gegenüber, die hungern: Das sind immerhin rund elf Prozent der Menschheit. Dennoch kommt der Chef des Zentrums Ökumene der Landeskirchen zu dem Schluss: „Es ist genug für alle da.“

Ausreichend Ackerland für Weltbevölkerung vorhanden

Die Rechnung scheint einfach: Für die derzeit rund 7,5 Milliarden Menschen auf der Welt stehen rund 1,5 Milliarden Hektar an Ackerfläche zur Verfügung. Das ergibt rechnerisch eine Größe von 2000 Quadratmetern Ackerland für jeden einzelnen Menschen. Genau das ist auch die Größe des „Weltackers“, der tatsächlich existiert: bei „Save our seeds“ in Berlin mitten im Stadtteil Marzahn. Die Botschaft Haerlins: „Es wächst auf diesen 2000 Quadratmetern im Jahr mehr, als ein Mensch je essen kann.“

Die Philosophie der Kirchen, um den Herausforderungen des Klimawandels und der Welternährungslage zu begegnen, laute sinngemäß: „Kleiner als bisher wachsen, nicht immer größer; anstatt auf Geschwindigkeit auf Rechtzeitigkeit setzen (ein Naturprinzip); statt Standardisierung Vielfalt, statt Perfektion Fehlertoleranz; statt Mehrwert Nährwert, statt Monokulturen Gärten, und schließlich: statt Reichtum Wohlstand.“

Teilnehmer diskutieren über Klimawandel

In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer später Themen wie „Landwirtschaft und Klimawandel“, „Unser Boden – bewahrenswert“ oder auch „Mensch, Krone der Schöpfung“. Auch um das körperliche Wohl der Gäste zeigten sich die Veranstalter besorgt. Kaffee, Kuchen und Hofbesichtigungen boten Gelegenheit, neben Informationen auch pfingstgemäße Entspannung zu tanken. Stände zahlreicher Naturschutzorganisationen sowie der Windecker Landfrauen ergänzten die Veranstaltung in der Scheune des Biohofs Buchwald.

Das könnte Sie auch interessieren