Das Gemälde „Der ungläubige Thomas“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio (um 1600) zeigt den Apostel, wie er seinen Finger in die Wundmale von Jesus legt, die dieser während seiner Kreuzigung erlitten hat. Thomas, der das erste Erscheinen Jesu vor den Jüngern verpasst hatte, hatte gesagt, er werde nicht an die Auferstehung glauben, bevor er nicht Jesu Wunden berührt habe. Foto: Wikipedia (gemeinfrei)

Nidderau

Kirchengemeinde Ostheim legt mit Thomasmesse Finger in die Wunde

Nidderau. Die Doppelbelastung durch Job und Familie fordert ihren Tribut: Burn-out, Depression und Angstzustände sind auf dem Vormarsch. Aber auch körperliche Beschwerden gehören selbst schon für viele jüngere Menschen zum Alltag.

Von Ulrike Pongratz

Das Team der Thomasmesse der Evangelischen Kirchengemeinde Ostheim bietet seit einigen Jahren Gottesdienste an, der Menschen angesichts von Stress, Einschränkungen und Schwächen stärken soll. Mit ihren Themen legen Pfarrer Lukas Ohly und sein Team quasi den Finger in die Wunden der Gesellschaft – jedoch mit einem heilsamen Ansatz.

„Am stärksten belastet scheinen Menschen im Berufsleben zu sein“, sagt Pfarrer Ohly. „Die Hauptkrankheiten unserer Gesellschaft sind Rückenprobleme und psychische Belastungen, also Probleme, die im Berufsalltag auftreten. Dagegen gelten Menschen ab 70 Jahren als so glücklich wie 20-Jährige. Dazwischen tritt eine lange Delle ein, in der Menschen unzufrieden, ängstlich und vom Alltag stark belastet sind.“

Messe nicht nur als Gottesdienst

Im Gottesdienst am kommenden Sonntag um 18 Uhr will die Gemeinde nach einem heilsamen Umgang mit diesen typisch menschlichen Herausforderungen suchen. Die Messe will Menschen jeden Alters in ihren jeweiligen Lebenssituationen mit ihren individuellen Belastungen ansprechen.

Der Begriff „Messe“ ist in diesem Zusammenhang doppeldeutig zu verstehen: im Sinne von Gottesdienst und von Ausstellung. Anfangs- und Schlusszeremonie werden gemeinsam gefeiert, die Zeit dazwischen ist offen. Die Besucher können frei zwischen verschiedenen Stationen wählen – oder auch einfach sitzenbleiben. Die Stationen sprechen Menschen an, die gerne probieren, die Lust am zweckfreien Genuss haben.

Helfer aus allen Teilen Nidderaus

Namensgeber der Messe ist Thomas, der Jünger Jesu. Im Johannesevangelium wird er als Zweifelnder erwähnt, als einer, der nicht glauben wollte, dass die Jünger den auferstandenen Jesus gesehen hatten. Acht Tage später erschien Jesus erneut und forderte Thomas auf, die Hände in seine Wunden zu legen.

„Für mich ist Thomas nicht so sehr der Zweifelnde, sondern die biblische Geschichte beschreibt Thomas als sinnlich suchend, nicht als Intellektuellen“, sagt Pfarrer Ohly. Entsprechend setzen die Thomasmessen in der Ost‧heimer Kirche weniger auf Diskussion, sondern sprechen vor allem das sinnliche, spirituelle Erleben an. Die Schwerpunkte werden in den Kirchengemeinden, die solche Messen anbieten, aber unterschiedlich gesetzt. Ursprünglich geht das Konzept der Thomasmesse auf Gottesdienste zurück, die in Finnland Anfang der 1980er gefeiert wurden. Das Thomasmesse-Team Ostheim besteht aus etwa einem Dutzend Mitgliedern. Die Teamer kommen gemeindeübergreifend auch aus anderen Ortsteilen von Nidderau.

Es sollen mehrere Bedürfnisse befriedigt werden

In Ostheim wird die Thomasmesse etwa seit dem Jahr 2003 gefeiert. Das Team bietet in den Wintermonaten drei Gottesdienste an. Mit dem jetzigen Thema „Heilsamen Umgang mit sich selbst einüben“ sollen Menschen angesichts von Stress, Einschränkungen und Dauerbelastung Stärkung erfahren. „Wir brauchen Zuwendung auf der emotionalen, sinnlichen Ebene, um mit Rückschlägen umgehen zu können und Grenzen zu deuten“, analysiert Ohly.

Mit den Stationen der Thomasmesse versucht das Team nach Möglichkeit, vier Bedürfnisse abzudecken: der Wunsch nach Wiedererkennbarem und Neuem, der Wunsch, für sich sein zu wollen oder Beziehung aufzunehmen. Mitfeiernde bekommen ein vielfältiges Angebot an Stationen, aus dem sie aus-wählen können. An der Salbungsstation beispielsweise wird man berührt. „Menschen, die hierherkommen, schildern mir ihre Situation und äußern Gebetswünsche. Das geht sehr nahe. Das müssen nicht alle machen“, erklärt Ohly das Konzept. In der Thomasmesse werde nichts aufgezwungen, es gehe mehr um einen kompetenten Umgang mit Unwägbarkeiten.

Die nächsten TermineDie nächste Thomasmesse „Heilsamen Umgang mit sich selbst einüben“ findet am Sonntag, 16. Februar, um 18 Uhr in der Ostheiner Kirche an der Vorderstraße statt. Zum Thema „Mut“ bietet das Team am Sonntag, 15. März, die letzte Thomasmesse in diesem Kirchenjahr.

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