Mein Baum, meine Fahne, meine Kerb: Kerbausschussvorsitzender Markus Dillmann (Fünfter von rechts) und die Ostheimer Kerbburschen wollen sich künftig verstärkt für das Gelingen des viertägigen Dorffestes einbringen. Foto: PM

Nidderau

Kerbburschen wollen sich stärker für die Kerb engagieren

Nidderau. Seit 50 Jahren gibt es die Tradition der Kerbburschen in Ostheim. Entstanden aus einem Kneipenrundgang am Kerbmontag sind sie bis heute für den Weckruf zum Frühschoppen zuständig. Doch nun wollen die jungen Männer ihr Engagement für das Dorffest ausweiten.

Von Jan-Otto Weber

„Früher wurde die Kerb in Ostheim – wie in vielen anderen Ortschaften auch – nicht an einem zentralen Platz, sondern in den verschiedenen Wirtschaften gefeiert“, erzählt Markus Dillmann. „Damals zogen die Junggesellen des Dorfes vor allem am Kerbmontag durch den Ort von Kneipe zu Kneipe und weckten die Leute zum Frühschoppen. So wurden die Kerbburschen geboren.“Auch Dillmann gehörte früher zu diesen „Junggesellen“ zwischen 17 und 30 Jahren. Mittlerweile gelte er eher als „Kerbpapa“, witzelt der 46-Jährige. Doch aus alter Verbundenheit und als Kerbausschussvorsitzender der Vereinsgemeinschaft trommelte er im Mai die Burschen zusammen. Sie berieten sich mit anderen Kerbburschengemeinschaften, organisierten sich Polo-Shirts und gestalteten sogar eine eigene Fahne.Kerbbaum ist sicher verwahrtErste gemeinsame Aktion war das Schlagen des Kerbbaums am vergangenen Samstag. „Der Baum wurde sonst von den Mitarbeitern des Bauhofs besorgt und uns zum Schmücken zur Verfügung gestellt“, so Dillmann. „Diesmal haben wir uns selbst mit Traktor und Wagen in den Wald aufgemacht und eine Neun-Meter-Fichte gefällt.“Der Baum liegt nun sicher verwahrt in einer Halle auf dem Gelände, wohin Dillmann seinen Garten- und Landschaftsbaubetrieb vom jetzigen Standort Eichen verlegen möchte. „Sicher ist sicher“, so der „Ober-Kerbbursch“, „schließlich könnten ja Kerbburschen aus anderen Ortschaften versuchen, unseren Baum zu klauen.“Viele verrückte IdeenDoch der Baum allein, der am Samstagabend beim traditionellen Umzug mit dem Ostheimer Posaunenchor am Bürgerhaus gestellt wird, ist nicht die einzige Aktion der Kerbburschen. „Am Samstagabend ist uns von der Vereinsgemeinschaft ein Dienst ausgefallen“, berichtet Dillmann. „Da sind die Jungs kurzfristig eingesprungen. Auch sonst wollen wir an allen Tagen einheitlich mit unseren Polo-Shirts bei den Veranstaltungen auftreten.“

 

Für einen eigenen Beitrag zum Programm an den vier Festtagen habe es in diesem Jahr noch nicht gereicht, erklärt Dillmann. „Aber die Jungs hatten schon viele verrückte Ideen, von denen sie die ein oder andere sicher im kommenden Jahr umsetzen werden.“Alte Sitte wird beibeihaltenSelbstverständlich ist jedoch, dass die Burschen nach alter Sitte auch an diesem Kerbmontag wieder durch den Ort ziehen und mit lauter Musik die Bevölkerung zum Frühschoppen wecken werden. „Bis vor etwa sieben Jahren hatten wir noch eine Kapelle auf dem Wagen dabei, die anschließend im Zweitausend-Mann-Zelt auf dem Festplatz aufgespielt hat. Doch dieser Aufwand mit dem Auf- und Abbau des Zelts war personell nicht länger zu stemmen. Also hat die Vereinsgemeinschaft damals die Organisation der Kerb übernommen und ins Bürgerhaus verlegt.“Den Frühschoppen gibt es freilich immer noch. In diesem Jahr startet der Weckruf der Kerbburschen, die mit einer Musikanlage auf einem Wagen unterwegs sein werden, gegen 11 Uhr. Ab 13 Uhr sorgen dann die Neuberger Buam für Stimmung im Bürgerhaus.Neue Kerbburschen sind willkommen„Bei unserem Weckruf werden wir auch wieder die ortsansässigen Bäcker und Metzger anfahren und Eier und Speck einsammeln“, so Dillmann. Bisher wurden die Naturalien nach dem Weckruf direkt von den Burschen gebacken. „Da die Metzger und Bäcker sich aber nicht lumpen lassen und die Kerbburschen schon vor Ort verköstigt werden, haben die Jungs beschlossen, dass sie die Lebensmittel in diesem Jahr bis zum Samstag nach der Kerb aufbewahren. Dann sollen sie beim Abbau und Verbrennen des Kerbbaums zubereitet und verspeist werden.“Neue Kerbburschen sind willkommen. Voraussetzung ist, dass sie aus Ostheim stammen oder zumindest dort heimisch sind. Für dieses Jahr ist die Aufnahme jedoch abgeschlossen. „Die Burschen müssen schon erst was leisten und sich bei den Vorbereitungstreffen übers Jahr einbringen.“ Ein Einstieg ist mit den Planungen für die Kerb 2017 möglich.

Das könnte Sie auch interessieren