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Keine Trampelpfade mehr

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Durch die Verbesserung der Rundwege könnten Erholungssuchende über mehrere unterschiedliche Wegschleifen in unterschiedlichen Weglängen aktiv um das Landschaftsschutzgebiet in Heldenbergen und Windecken gelenkt werden.
Durch die Verbesserung der Rundwege könnten Erholungssuchende über mehrere unterschiedliche Wegschleifen in unterschiedlichen Weglängen aktiv um das Landschaftsschutzgebiet in Heldenbergen und Windecken gelenkt werden. © PM

Nidderau – Gleich in zwei Ausschüssen, am Montag im Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz und am Dienstag im Ausschuss für Umwelt, Jugend und Soziales, stand das „Konzept zur Aufwertung und Beruhigung der Nidderaue“ zwischen Windecken und Heldenbergen auf der Tagesordnung. Erster Stadtrat Rainer Vogel (B90/Die Grünen) stellte das von der Firma Pronatour im Auftrag der Stadt Nidderau ausgearbeitete Konzept den Ausschussmitgliedern am Dienstagabend ausführlich vor.

Neben Vorschlägen zur Aufwertung und Beruhigung der Nidderaue, beinhaltet das Konzept auch Pläne, die zu einer deutlichen Verbesserung der Nahmobilität, durch eine Fuß- und Radwegbrücke über die Nidder und deren Landschaftsschutzgebiet führen sollen. Die Kosten der geplanten Maßnahmen belaufen sich nach aktueller Planung auf 4,3 Millionen Euro netto, davon entfallen 2,5 Millionen Euro auf den Bau einer drei bis vier Meter breiten Rad- und Fußgängerbrücke.

Stadt muss für Planungskosten aufkommen

Die Schlangenbrücke „Natrix“ besteht aus einer leichten Metallkonstruktion, die sich in drei bis vier Metern Höhe über das Landschaftsschutzgebiet schlängelt. Sie soll die Stadtteile, den „Hauptbahnhof“ und die großflächigen Streuobstwiesen mit dem Schulzentrum und der neuen Stadtmitte verbinden und im Zusammenspiel mit einem Wegenetz außerhalb des Landschaftsschutzgebietes zum Herzstück für die Beruhigung des Landschaftsschutzgebietes beitragen.

Aufkommen muss die Stadt für rund eine Million Planungskosten, die in den Haushalt 2023/24 eingestellt werden müssen. Die Haushaltseinbringung ist auf den 22. September terminiert.

Von den Planungskosten entfallen allein 500 000 Euro auf die Brücke. Der größte Teil der Kosten, im besten Fall bis zu 80 Prozent, soll mit Hilfe von Fördermitteln finanziert werden. Nach der Sommerpause hofft der Stadtrat genau mitteilen zu können, welche Fördermitteltöpfe die Kommune in Anspruch nehmen könnte.

Doch nicht die Finanzierung, sondern die Beurteilung des vorläufigen Grobkonzeptes, fällt in den Zuständigkeitsbereich des Ausschusses für Umwelt, Jugend und Soziales. Und die fiel positiv aus. Ausschussmitglieder und Katja Adams, Fach-bereichsleiterin Abfall, Umwelt, ÖPNV & Wald, lobten das Projekt als zukunftsfähig. „Das ist ein Meilenstein für Nidderau, es werden die Interessen aller Altersklassen der Bürgerschaft berücksichtigt“, sagte die grüne Stadtverordnete Beate Kanzler.

Viele Besucher verursachen viele Probleme

Mit sechs Stimmen bei drei Enthaltungen der CDU befürwortete der Ausschuss das in der ersten Lesung vorgestellte Konzept und bittet die Verwaltung, es wie vorgelegt weiterzuverfolgen, zu detaillieren und die Höhe der Fördermittel zu konkretisieren.

Eine Querung über die Nidder ist in der Stadt seit 25 Jahren im Gespräch. Auch die Anbindung der neuen Stadtmitte an den Bahnhof und die Renaturierung des Nidder-Altarms mit dem Ziel, den Zustand des Landschaftsschutzgebietes zu verbessern, ist nicht neu. Der Fokus des Grobkonzepts liegt in der Verbesserung und aktiven Lenkung, Steuerung und Entzerrung der aktuell extrem intensiven Freizeit- und Erholungsnutzung des Landschaftsschutzgebietes durch unterschiedlichste Interessensgruppen.

„Aktuell gibt es durch den enormen Besucherdruck auf das Landschaftsschutzgebiet, auch auf den Randstreifen, zahlreiche ungelöste Probleme“, betonte Stadtrat Vogel. Zu den Nutzern gehörten Erholung suchende Einheimische und Gäste, Pendler, Hundebesitzer mit frei laufenden Hunden, Schüler am Schulweg und weitere Gruppen. Da es zurzeit keine Lenkung der Besucher im und rund um das Landschaftsschutzgebiet gebe, führten zahlreiche Trampelpfade quer durch alle Teile des Landschaftsschutzgebietes.

Sie alle stören massiv die Lebensräume von Insekten und Tieren allen voran Bodenbrütern, zerstörten Pflanzen. Zudem gibt es keine attraktiven Wegführungen außerhalb des Landschaftsschutzgebietes, die Wegbeläge sind bei feuchter Witterung für Radfahrer, Kinderwagen und Rollatoren ungeeignet und die Anbindung der neuen Stadtmitte ist schlecht.

Viele Ideen für eine Nutzung

Mit dem im Konzept unterbreiteten Vorschlägen und zahlreichen und umfangreichen Begleitmaßnahmen wie ein Outdoor-Klassenzimmer oder -Forschungslabor oder einem Abenteuerspielplatz sowie einer Hundewiese auf einem Teil der Feldchenwiese könnten der Schutz der Natur vor der eigenen Haustüre und die Verbesserung der Nahmobilität erfolgen.

Dem Grobkonzept voraus ging der Flurbereinigungsbeschluss vom September 2018, der die Flächenbereitstellung für die Renaturierung, Querung und Beruhigung der Nidder ermöglichen soll wie Stadtrat Vogel informierte.

(Von Christine Fauerbach)

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