Frontalzusammenstoß: Am Donnerstag hat es bereits zum dritten Mal in diesem Jahr an dieser Stelle gekracht. Auch in der Vergangenheit kam es hier immer wieder zu Unfällen. Foto: Feuerwehr Nidderau

Nidderau

Immer wieder kracht es: Ratlosigkeit über Unfallserie auf B45

Nidderau. Schon wieder hat es am Donnerstagvormittag gekracht. Schon wieder auf der Ortsumgehung am Abzweig Karben. Bereits zum dritten Mal in diesem noch jungen Jahr.

Von Thomas Seifert

Bei der Verkehrsbehörde der Stadt ist man ratlos und hat keine Erklärung, weshalb gerade an dieser Stelle ständig Unfälle passieren. Und nicht nur das: Auch diesmal haben unverantwortliche Verkehrsteilnehmer versucht, die Unfallstelle trotz Absperrungen zu umfahren.

Übersichtliche Straßensituation

Eigentlich sei die Straßensituation recht übersichtlich und eindeutig, so die Beurteilung im Rathaus. Zudem passierten die Unfälle ja nicht immer bei widrigen Wetterbedingungen mit glatten Straßen oder Sichtbehinderungen durch Nebel, so die Mitarbeiter. Am Donnerstag hätten beste Bedingungen geherrscht und trotzdem habe es am Vormittag wieder einen Frontalcrash gegeben.

Im Amt präferiere man die Annahmen, dass die Verkehrsteilnehmer Geschwindigkeiten falsch einschätzen, einfach unaufmerksam sind oder abgelenkt werden. Eine andere Erklärung für die Unfallhäufigkeit fällt den Mitarbeiter nicht ein. Auch die Straßenverkehrsbehörde des Main-Kinzig-Kreises beobachtet die Entwicklung. „Wir haben ein Auge darauf“, sagt eine Sprecherin. „Das wird ein Thema für die Unfallkommission.“

Jeder Landkreis sowie alle kreisfreien Städte verfügen über eine Unfallkommission, bestehend aus Vertretern von Hessen Mobil, der zuständigen Straßenverkehrsbehörde und der Polizei, die regelmäßig über den Sicherheitszustand des Streckennetzes berät. Für „Risikopunkte“ beschließt die Unfallkommission geeignete Gegenmaßnahmen – baulicher, verkehrstechnischer oder rechtlicher Art.

Tempolimit 70

Doch trotz Tempolimits von 70 Kilometern pro Stunde und einer optisch abgetrennten Abbiegespur, die den Verkehrsteilnehmern helfen soll, den Verkehrsfluss besser einzuordnen, kommt es beim Linksabbiegen am Abzweig Karben immer wieder zu solchen Unfällen wie am Donnerstag.

Im Polizeibericht liest sich der Unfallhergang so: „Gegen 9.20 Uhr wollte eine 31 Jahre alte Frau aus Bad Vilbel auf der Umgehungsstraße mit ihrem braunen Hyundai nach links in Richtung Karben einbiegen. Dabei prallte sie mit einem entgegenkommenden VW Passat zusammen, der von einem 69 Jahre alten Mann aus Niddatal gesteuert wurde. Beide Fahrer sowie ein Kleinkind im Wagen der Frau kamen mit Verdacht auf ein Schleudertrauma in Krankenhäuser. Die Polizei geht aktuell davon aus, dass die 31-Jährige den Unfall verschuldet hat, da sie den Gegenverkehr nicht beachtete.“

Schon die Unfälle zuvor waren nach fast demselben Schema abgelaufen, meist übersahen oder mißachteten die Abbieger Richtung Karben den Gegenverkehr und schon kracht es mit mehr oder minder schweren Folgen. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzung in diesem Bereich hat offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung erzielt, die Zahl der Unfälle ist seither nicht zurückgegangen.

Kein Blinken beim Abbiegen

„Am Mittwoch wurde in diesem Bereich geblitzt, da ist kein Unfall passiert“, stellt Stadtbrandinspektor Volker Reis fest, der aber auch keine tragfähige Erklärung für die Unfallhäufigkeit an dieser Stelle hat. Man könne nur Vermutungen anstellen, das zum Beispiel beim Abbiegen nicht geblinkt wird.

„In den vergangenen vier Wochen mussten wir dreimal zu Unfällen ausrücken“, bilanziert der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Heldenbergen, Torsten Seifried. Im Kameradenkreis habe man sich natürlich auch gefragt, was wohl der Auslöser für diese Unfallserie sein könnte.

„Es könnte daran liegen, dass die Abbiegespur in einer leichten Rechtskurve liegt und die Abbiegenden deshalb beim Gegenverkehr unsicher sind, ob die Verkehrsteilnehmer Richtung Hanau auch geradeaus weiterfahren oder doch nach Karben abbiegen“, bringt Seifried diese Überlegungen auf den Punkt. Wenn dann auch noch die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten wird, dann werde das Abbiegen aus Richtung Hanau nach Karben zum Vabanquespiel.

Rücksichtslosigkeit der Autofahrer

Was den Wehrführer aber richtig sauer macht ist die Rücksichtslosigkeit, mit der Autofahrer versuchen, trotz Absperrungen diese zu umfahren, um sich an der Unfallstelle vorbeimogeln zu können. „Bislang kannte ich solches egoistisches Verhalten vor allem von meiner Arbeit bei der Frankfurter Feuerwehr, aber diese Rücksichtslosigkeit macht sich immer mehr auch im ländlichen Raum breit“, betont Seifried.

Im Bericht über den Einsatz am Donnerstag auf der Internetseite der Wehr steht: „Während die Einsatzmaßnahmen liefen, wurden unsere Einsatzkräfte zum wiederholten Mal vermehrt von rücksichtslosen Fahrzeughaltern gefährdet, da sie trotz Einsatzstellenabsicherung der Feuerwehr in die Einsatzstelle hineinfuhren – unsere Ausrüstungsgegenstände für die Verkehrssicherung stehen nicht ohne Grund an einer Unfallstelle. Denkt also Bitte daran, wir sind für Euch im Einsatz und möchten auch gesund und unverletzt zu unseren Familien aus dem Einsatz zurückkehren.“

Um hier gegenzusteuern und durch schnell umsetzbare Maßnahmen mehr Sicherheit für die Einsatzkräfte zu schaffen, werden die Ortsteilwehren schnellstmöglich mit großen Leitkegeln, wie sie auf den Autobahnen im Einsatz sind, ausgerüstet, berichten Reis und Seifried unisono. „Damit können wir die Einsatzstelle noch besser und vor allem eindeutig sichtbar abgrenzen“, hofft der Heldenberger Wehrführer. Und er appelliert noch einmal an die Autofahrer, nicht die Retter vor Ort in Gefahr zu bringen, „denn das Engagement bei der Feuerwehr ist ein Ehrenamt und dient dem Schutz der Allgemeinheit“.

Das könnte Sie auch interessieren