Landwirtin Silke Vogel und Imker Holger Weiß haben das Projekt gemeinsam initiiert und erhalten nach eigener Aussage großen Zuspruch aus der Bevölkerung. Foto: Heschek

Nidderau

Hühnerstall auf Rädern: Hof Buchwald erwirbt zweites Hühnermobil

Nidderau. Familie Vogel, Eigentümer des Biohofs Buchwald, hat sich gemeinsam mit Imker Holger Weiß zwei Hühnermobile zugelegt. Dabei handelt es sich um fahrbare Ställe, die verschoben werden, sobald die Hühner eine Wiese abgegrast haben.

Von Carolin HeschekSilke Vogel und der Inhaber des Heldenberger Saft- und Honigbetriebs „Apfelbiene“, Holger Weiß, haben im August 2016 das erste Hühnermobil angeschafft (wir berichteten). „Ich esse selbst gerne Eier-Speisen, debshalb war der Wunsch nach eigenen Hühnern sehr groß“, so Vogel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit Weiß hatte sie einen passenden Partner für das Projekt gefunden. Von Anfang an sei für die beiden Naturbegeisterten klar gewesen, dass ein standfester Stall nicht in Frage kommt. „Wir möchten erreichen, dass die Leute ihr Handeln langfristig umstellen“, sagt Vogel. Dank des Hühnermobils könnten Bürger die Haltung der Tiere beobachten – und dabei vor Ort eine Alternative zur Massentierhaltung kennenlernen.Doch was ist eigentlich ein Hühnermobil?Das ursprünglich angeschaffte Modell „Wördekemper“ bietet Unterschlupf für 190 Hühner. Mittlerweile haben sich die Eigentümer noch ein weiteres Hühnermobil zugelegt, da sich das erste so gut bewährt hat. „Wir sind froh, dass wir vom ersten Mobil lernen konnten“, so Weiß. Das zweite, größere Modell „Ober-bayern“ wird von 280 Hühnern und erstmals auch fünf Hähnen bewohnt – die alte Behausung war eine reine „Frauen-WG“. Die Männchen sorgen unter den Weibchen für Ordnung und schlagen bei Bedrohung Alarm.

Das neue Hühnermobil wiegt rund sechs Tonnen und besteht aus Holz. Es ist damit fast doppelt so schwer wie das Vorgängermodell. Und doch sei das Gewicht deutlich geringer als bei einem festen Stall. Das bedeute gleichzeitig auch weniger Belastung für den Boden, so die Landwirte. Unter dem alten tragbaren Stall befinden sich Kufen, die es ermöglichen, es fortzubewegen. Die neuere Variante ist hierzu sogar mit einer Anhängerkupplung und zwei Rädern ausgestattet.80 000 für beide HühnermobileIm Inneren ist der Lebensraum klar aufgeteilt. Im unteren Bereich haben die Tiere Platz zum Scharren, im oberen Bereich sind Nist- und Schlafplätze. „Durch Solarlicht im Inneren wird Sommer simuliert, sodass die Hühner brüten. Morgens um 5 Uhr schaltet sich das Licht automatisch ein. Ihre Eier legen sie in die dunklen Nester, die über Nacht geschlossen werden, damit sie nicht verdrecken“, so Weiß.

Die Hühner schlafen auf ihren Sitzstangen, bei denen die Rangstärksten, nämlich die Hähne, ganz oben, und die -schwächsten unten schlafen. Beide Hühnermobile werden nicht beheizt, die Wände sind isoliert. Rund 80 000 Euro mussten die Besitzer dafür aufbringen, die unter anderem dank öffentlicher Zuschüsse finanziert werden konnten. Vogel und Weiß achten darauf, dass sich kein Kondenswasser im Stall entwickelt und die Tiere nachts keine kalte Zugluft abbekommen.Auch im Winter wird auf guter Wiese gegrastAbends werden die Hühner mit Licht oder von den Hähnen in das Mobil gelockt. „Manchmal müssen wir die Tiere auch einfangen“, sagt Weiß lachend. Als Junghennen im Alter von drei Monaten kommen sie zu den Eigentümern und wohnen insgesamt zwölf bis 15 Monate bei ihnen. Danach werden sie als Suppenhühner verkauft. Eine Woche lang steht das Mobil anschließend leer und wird ohne Chemikalien gesäubert, bevor die nächsten Junghennen einziehen.

Ein großer Vorteil des Hühnermobils sei es, dass die Tiere auch im Winter oder nach Niederschlag auf guter Wiese grasen könnten. Wann die Heime verschoben werden, ist vor allem jahreszeitabhängig. Der letzte Umzug, bei dem die Mobile etwa 30 Meter wegbewegt werden, erfolgte vor rund drei Wochen. Im Sommer kann es bis zu acht Wochen dauern, da das Gras schneller nachwächst und die Tiere somit länger Nahrung an einer Stelle finden.„Die Kunden motivieren uns“Drei Komponenten stünden bei der Haltung im Vordergrund: „Futter, Wasser, Zaunkontrolle“. Jedes Huhn brauche genügend Auslauffläche. Zudem seien kleine, auf dem Gelände verteilte Dächer Pflicht, die den Tieren Schutz vor Angreifern wie beispielsweise Habichten bieten. Außerdem nehme das Futterangebot eine große Rolle ein. Bei zu wenig Nahrung fingen die Hühner an, sich gegenseitig zu picken.

Vogel und Weiß haben Freude an der Arbeit, die von den Kunden, die direkt am Hof Eier aus einem Automaten erwerben können, sehr geschätzt werde. „Die Kunden motivieren uns. Für viele sind die Eier aus unserer Haltung wie der Sonntagsbraten“, so Vogel.

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