Ralf Vollmer am Steuer seines Käfers "Karl Herbert". Gemeinsam werden sie die 2000-Kilometer-Tour antreten. Foto: Privat

Nidderau

Hobbyfotograf plant Reise zu jeder Ortschaft namens "Ostheim"

Nidderau. Schon von Weitem fällt „Karl Herbert“ auf. In seinen 20 Jahren hat er bereits viel erlebt. Bald stehteine große Tour an – 2000 Kilometer wird er reisen, zu sämtlichen Ortschaften namens Ostheim. „Karl Herbert“ ist nicht irgendwer – er ist ein VW Käfer und für seinen Fahrer Ralf Vollmer ein zuverlässiger Begleiter.

Von Sebastian Zeh

Vollmer ist kein Ostheimer Urgewächs, sondern in Bad Hersfeld geboren und erst 1993 nach Nidderau gezogen. Seitdem fühlt er sich hier jedoch zu Hause, genießt die Geselligkeit der Bürger und engagiert sich im Geschichtsverein sowie im Kulturbeirat.

Die Idee zu der ausgedehnten Tour, die Vollmer in elf Ortschaften in Deutschland und Frankreich führen wird, kam eher zufällig auf. „Ich habe für den Geschichtsverein etwas recherchiert und einfach mal nach Ostheim gegoogelt. Da war ich dann doch sehr erstaunt, dass so viele Ergebnisse kamen“, sagt Vollmer. Schnell wurde klar, dass er diese Ostheims näher kennenlernen wollte.

Von Butzbach bis in den ElsassWährend Ostheim vor der Rhön und der gleichnamige Stadtteil in Butzbach nur einen Katzensprung entfernt sind, wird ihn seine Reise auch ins Elsass führen. Das dortige Ostheim ist zeitgleich der am weitesten entfernte Ort der Tour und liegt 312 Kilometer südwestlich von Nidderau.

Für die Reise hatte er sämtliche Ortschaften kontaktiert und von seinen Plänen berichtet. „Die Leute waren begeistert“, sagt der 60-Jährige. Etliche Bürgermeister hatten sogar angekündigt, ihn persönlich empfangen und durch die Ortschaften begleiten zu wollen.

Kontakt nach Frankreich über UmwegeEine besondere Hilfe war Ulrich Waldsachs, Bürgermeister von Ostheim vor der Rhön. „Ich hatte aus dem Elsass zunächst keine Antwort erhalten. Das hatte ich Herrn Waldsachs zufällig mitgeteilt. Und wie sich herausstellte, kennt er den Bürgermeister von Ostheim im Elsass sehr gut und hat mir sofort seine private E-Mail-Adresse gegeben. Keine zwei Stunden später kam eine erfreute Nachricht aus Frankreich“, berichtet der Hobbyfotograf lachend.

Mit der Reise kann er zwei seiner großen Leidenschaften verbinden. Die eine ist die Reise in seinem VW Käfer. Dabei handelt es ich um ein mexikanisches Fabrikat, denn in Mittelamerika ging der rundliche Kleinwagen noch bis 2003 vom Band. Er hat ihn „Karl Herbert“ getauft. Das „Herbert“ im Namen hat er vom berühmten Film-Käfer „Herbie“. Aber: „Einen 'Herbie' hat ja jeder und mein Auto ist erwachsen – also heißt es 'Herbert'.“

Den „Karl“ wiederum erhielt das Auto von Ralf Vollmers Vater, ebenfalls ein begeisterter Käfer-Fahrer. „Dadurch war bereits das erste Auto, das ich jemals gefahren habe, ein VW Käfer.“ Und die Faszination setzt sich fort: Auch Vollmers Enkelkinder sind Fans, hatten ihrem Großvater sogar den Verkauf des schwarz-roten Flitzers verboten. Und überhaupt punkte das Auto mit seinem Sympathie-Faktor: „Man kommt immer sofort mit Leuten ins Gespräch, die den Käfer sehen.“

Von der Spurensicherung zum HobbyfotografenDie andere Komponente, die in Vollmers Reise eine essenzielle Rolle spielt, ist die Fotografie, der er sich seit Jahren widmet. Als ehemaliger Kriminalpolizist hat er das Handwerk von der Pike auf gelernt: „Ich habe in Frankfurt für die Spurensicherung gearbeitet, da hat das Fotografieren immer eine große Rolle gespielt. So konnte ich mei-ne Leidenschaft quasi zum Beruf machen“, sagt er. Authentizität spielt für ihn eine große Rolle. Bilderbearbeitungen mit Photoshop sind tabu.

Seit 13 Jahren zeigt der Rentner seine Bilder auch in Ausstellungen. Seine Lieblingsmotive? „Ganz klar die Architektur. Frankfurt ist nicht nur eine Stadt, in der ich mich gut auskenne, sondern auch eine, die viele tolle Motive bereithält“, schwärmt er. Mit einer Bergsteigerausrüstung gesichert hat er in den vergangenen Jahren beinahe sämtliche Wolkenkratzer der Frankfurter Skyline von oben gesehen und fotografiert.

„Ich möchte gerne ein Buch darüber verfassen“In den elf Ostheims wird die Architektur ebenfalls eine Rolle spielen. „Ich werde versuchen, gemeinsame Motive aufzunehmen“, sagt er. In Frage kämen dabei neben Orts- und Straßenschildern auch Kirchen oder Rathäuser.Am Ende soll aus der Rundreise nicht nur eine Fotoausstellung werden. „Ich möchte gerne ein Buch darüber verfassen“, sagt Vollmer. Ob es eine Fotoreportage oder aber ein Reisebericht wird, weiß er bis dato noch nicht. Gänzlich dem Schreiben abgeneigt ist er zumindest nicht, denn für die Aktion „Nidderau schreibt ein Buch“ für die anstehende 20. Buchmesse hat er bereits eine Geschichte eingereicht. „Ein Krimi. Was soll man als Polizist auch sonst schreiben“, sagt er schmunzelnd.

Vermutlich wird er seine Reise im April starten. Dann soll auch die Finanzierung geklärt sein. „Momentan bin ich noch mit einigen Sponsoren im Gespräch.“ Und bis dahin wird auch die Route stehen, die er fahren wird. Nur eines weiß er bereits: „Ich werde Autobahnen nach Möglichkeit meiden.“ Über Land- und Bundesstraßen fahre es sich mit dem Käfer einfach besser.

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