Ein junger Mann und „sein“ Schiff: Hendrik Heiser fühlt sich als Nautischer Offiziersassistent an Bord der Aidablu so richtig wohl. Foto: Geiselhart

Nidderau

Hendrik Heiser aus Nidderau will Kapitän werden

Nidderau. „Ja, ich will Kapitän eines großen Kreuzfahrtschiffes werden.“ Dieser Satz geht Hendrik Heiser aus Nidderau mit dem nötigen Selbstbewusstsein und einem gewinnenden Lächeln von den Lippen. Dass er „kein Küstenkind, sondern eher eine Landratte“ ist, darin sieht der 19-Jährige jetzt kein Problem mehr.

Von Brigitte Geiselhart

Dass man als professioneller Seemann sein Handwerk von der Pike auf lernen muss, das ist ihm allerdings schon bewusst. Und er hat sichtlich Spaß daran. Also nichts wie den Blaumann anziehen und zunächst einmal das Deck ordentlich schrubben – auch auf Hoher See.

Es ist Mitte November 2018. Die Aidablu hat mit rund 2100 Passagieren und 600 Besatzungsmitgliedern vom östlichen Mittelmeer kommend Haifa hinter sich gelassen, ist in Richtung Suez-Kanal unterwegs, nimmt in ein paar Tagen im Roten Meer Jordanien, später den Oman in den Blick, um dann im Indischen Ozean Kurs auf die Seychellen, Madagaskar und Mauritius zu nehmen.An Bord trifft man auch auf Heiser. Er ist gut drauf – und das nicht nur, weil die klimatischen Bedingungen dazu einladen, mit der Sonne um die Wette zu strahlen. Ein Traumjob – und das trotz jeder Menge Arbeit? „Check – zehn Punkte“, sagt er ohne lang überlegen zu müssen.

Praktikum als Nautischer Offizierassistent

„Ich genieße mein viermonatiges Praktikum als Nautischer Offiziersassistent in vollen Zügen – als Vorbereitung für das Nautik-Studium, das ich im kommenden Herbst in Warnemünde beginnen werde.“ Vor wenigen Monaten hat Heiser sein Abitur am Lichtenberg Oberstufengymnasium in Bruchköbel gemacht. Bei der SKG Erbstadt „just for fun“ Fußball zu spielen oder beim Karnevalsverein „Erschter Noachteulen“ närrisch zu sein, das ist für den heimatverbundenen jungen Mann Ehrensache. Woher aber diese Affinität zum Wasser? „Ich war mit meiner Familie oder mit Kumpels schon sechsmal als Urlauber an Bord eines Aida-Schiffes. Gerade das An- und Ablegen an den verschiedenen Häfen war für mich immer ein großer Höhepunkt“, erzählt er.

Schon seit der elften Klasse habe er sich mit dem Berufsziel eines nautischen Offiziers auseinandergesetzt und sich immer wieder gefragt, ob er als Bewerber überhaupt eine Chance habe. „Wenn du es jetzt nicht versuchst, dann ist der Zug irgendwann mal abgefahren.“ Diesen Rat eines Freundes nahm er sich zu Herzen – bewarb sich im Juli 2017, wurde im Oktober zum Vorstellungsgespräch eingeladen und hatte im Dezember die Zusage in der Tasche.Als Vorbereitung für sein Praktikum absolvierte er auf dem Schulsegelschiff Großherzogin Elisabeth einen dreiwöchigen Lehrgang zur nautischen Grundausbildung.Derzeit arbeitet Heiser im „Deckdepartment“ der Aidablu. Dazu gehören zum Beispiel auch das Schleifen, Streichen und Lackieren der Schiffsgeländer oder Tischlerarbeiten. „Der große Handwerker war ich bisher noch nie“, räumt er lachend ein.

Hilfe an der "Mooring-Station"

Auf der „Mooring-Station“ zu helfen – dort, wo die großen Seile und Taue beim An- und Ablegen zum Einsatz kommen, auch das gefällt ihm sehr. „Das kann auch mal nachts um drei Uhr sein“, erklärt Heiser. Dass alle im selben Boot sitzen, und sich jeder auf den anderen verlassen können muss, das ist für ihn längst zur Selbstverständlichkeit geworden – auch die Tatsache, dass man sich innerhalb der internationalen Crew auf Englisch verständigt.An Bord des Kreuzfahrtschiffes ging es für Heiser am 23. September in Venedig, nach Hause gehts für ihn erst wieder Ende Januar 2019. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass er Weihnachten und den Jahreswechsel nicht im winterlichen Hessen, sondern unter subtropischen Bedingungen verbringen wird.

„Am Heiligen Abend sind wir zwischen Madagaskar und Mauritius. Und Silvester wird auf den Seychellen gefeiert“, blickt er schon mal ein wenig voraus. „Der geniale Weihnachtssalat am Heiligen Abend nach dem Rezept von Oma und Mama und der traditionelle Braten am ersten Weihnachtsfeiertag werden mir schon fehlen – auch die 15 Sorten Weihnachtsplätzchen, die meine Mutter immer backt“, ist Heiser natürlich jetzt schon klar. Und dass das Weihnachtsfeeling bei 30 Grad Außentemperaturen etwas anders ausfallen wird, als im Familienkreis oder beim Bummeln über den Frankfurter Weihnachtsmarkt. „Ich habe aber auch schon erfahren, dass die Crew an Weihnachten noch enger zusammenwächst, dass der Kapitän seine Ansprache hält, die ganze Mannschaft Weihnachtslieder in verschiedenen Sprachen für die Gäste singt und dass es an Bord auch sehr bewegende Momente geben wird“, sagt er.

Viel Spaß beim Bowling oder Volleyballspielen mit Freunden in Nidderau zu haben, von der Hohen Straße aus die Skyline von „Mainhattan“ zu genießen oder sich beim Radfahren am Main entlang von Hanau nach Frankfurt so richtig auszupowern, darauf muss Heiser also noch eine Weile warten. Sein Nautik-Studium behält er jedenfalls fest im Blick. Und danach will er weiter zur See fahren, soviel ist für ihn jetzt schon klar. „Aber nicht auf Frachtschiffen. Ich will mit Leuten zu tun haben“, sagt er. „Und mit Mitte 30 will ich die ganze Offizierslaufbahn absolviert haben.“ Hendrik Heiser, 19 Jahre, aus Nidderau. Ein junger Mann, der genau weiß, was er will.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema