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Kreative Unterstützung für den Papa: Die achtjährige Noémy hat sich mit diesem Plakat ein ganz besonderes Dankeschön an alle Lkw-Fahrer und sonstige Berufsgruppen ausgedacht, die der Corona-Pandemie trotzen und die Versorgung für die Bevölkerung sicherstellen.

Lob für die Helden des Alltags

Danke, Papa, und allen Lkw-Fahrern: In der Corona-Krise halten Björn Levy und seine Kollegen die Versorgung stabil

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 „Papa, was bedeutet Kurzarbeit?“ Es ist diese Frage seiner achtjährigen Tochter, die Björn Levy einen Schauer über den Rücken laufen lässt. „Wie erkläre ich meinem Kind, dass ich demnächst weniger verdiene? Ja, dass meine Arbeitsstelle und die meiner Kollegen in Gefahr ist?“

Björn Levy ist Berufskraftfahrer, seit bereits 20 Jahren. Seit neun Jahren ist der 42-Jährige für das Logistik- und Transportunternehmen Maintaler Group mit Sitz in Bruchköbel auf Achse. Die Spedition ist breit aufgestellt: von Gefahrgut- und kurzfristigen Notfalltransporten über Thermotransporte – zum Beispiel von Arzneimitteln – bis hin zu Messe- und Eventlogistik sowie Fahrzeugtransporten. Doch trotz des breiten Spektrums bekommt auch das Bruchköbeler Unternehmen die Corona-Krise mit voller Wucht zu spüren. 

„Gerade im Bereich Messebau und Events sind uns alle Aufträge weggebrochen, weil alles abgesagt wurde“, erläutert Levy. „Wir übernehmen zwar den ein oder anderen zusätzlichen Auftrag im Lebensmitteltransport, aber trotzdem sind schon einige der normalerweise 70 bis 80 Fahrerstellen bei uns gekürzt worden. Für alle anderen gilt ab 1. April Kurzarbeit. Doch unser Chef versucht alles, um niemanden entlassen zu müssen.“ 

Die Arbeit der Kraftfahrer ist wichtig für die Gesellschaft

Björn Levy ist Lkw-Fahrer aus Ostheim

Kurzarbeit. Für den Ostheimer Björn Levy, dessen Arbeitstag üblicherweise gegen 3.30 Uhr in der Nacht beginnt und nachmittags um 16 Uhr endet, kommen da immer noch jede Menge Stunden zusammen. Wenn nur die Lohneinbußen nicht wären. „Klar, ich habe mir den Beruf ausgesucht und mache ihn auch gerne“, sagt der Nidderauer. „Aber bei unserem sowieso schon geringen Gehalt im Transportgewerbe, haben wir nun noch mehr Sorgen. Trotzdem tun wir alles uns Mögliche, um den Mitbürgern bestmöglich zu helfen, diese Ausnahmesituation zu überstehen und schnell die Waren zu erhalten, die dringend für die Grundversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aber auch Medikamenten oder Material für die Wirtschaft benötigt werden.“ 

Leider werde der Job des Kraftfahrers in Deutschland immer nur belächelt und als selbstverständlich angesehen, meint Levy. Doch gerade jetzt in der Krise werde deutlich, dass die Kraftfahrbranche trotz ihres schlechten Rufs ebenso wichtig sei wie die Arbeit der Ärzte, Pfleger, Apotheker, Rettungskräfte, Polizisten oder Verkäufer. „Sonst geraten wir nur in negativen Zusammenhängen in die Schlagzeilen“, ärgert sich Levy, „zum Beispiel, wenn es Unfälle mit Fahrradfahrern gibt, die Autobahnen verstopft sind oder über CO2 diskutiert wird. Es ist mir ein Anliegen, in der Krise auf die Bedeutung unserer Branche hinzuweisen.“ Dabei lässt sich auch für Levy und seine Kollegen beim Be- und Entladen der Lkw eine gewisse Nähe zu anderen Menschen und damit die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus nicht vermeiden. „Wir transportieren Fracht aus der ganzen Welt“, schildert Levy. „Keiner weiß, was der Ware anhaftet.“ 

Achtjährige Tochter hat ein buntes Plakat gestaltet

Natürlich tragen er und seine Kollegen Handschuhe. Eigentlich seien vom Arbeitgeber auch Schutzmasken vorgesehen, aber die sind ja bekanntlich schwer zu bekommen. „Ansonsten benutze ich Desinfektionsmittel und nehme auch nur meinen eigenen Kugelschreiber beim Unterschreiben und Ausfüllen von Formularen. Aber einige Lageristen meinen immer noch, sie müssten Small-Talk halten und einem auf die Pelle rücken.“ Kraftquelle ist für Björn Levy in dieser Situation seine Familie. Eine besondere Überraschung hatten seine Tochter Noémy und seine Frau vor einigen Tagen für ihn vorbereitet. Die Achtjährige hatte ein großes Plakat mit Fotos und einer bunten aufmunternden Botschaft gestaltet: „Danke Papa und allen anderen Lkw-Fahrern. Ohne Euch wären im Supermarkt alle Regale leer. Und danke an alle, die noch so wichtige Arbeit in dieser Zeit leisten.“ 

Die Aktion hat auch Levys Kollegen und seinen Chef so berührt, dass sie ein Foto auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht haben. „Es ist schon beeindruckend, dass sich Kinder bereits darum sorgen, was Kurzarbeit bedeutet“, sagt Levy. „Denn unterm Strich sind ja auch sie von der Situation betroffen.“

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