Sie machen Geschichte anschaulich: Der Nidderauer Historiker Erhard Bus und die beiden Dioramen-Bauer Dirk Klitsch und Rainer Stephan (von links) vor einem Modell der Hanauer Marienkirche. Foto: Jan-Otto Weber

Nidderau

Geschichte anschaulich gemacht: Modelle auf Lamboyfest zu sehen

Nidderau. Es waren zwei Kanonenschüsse und ein großes Feuer, die in der Nacht zum 11. Juni 1636 den Hanauer Bürgern die baldige Befreiung der belagerten Stadt ankündigten.

Von Jan-Otto Weber

Ein hessisch-schwedisches Entsatzheer unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel hatte sich zu diesem Zweck mit 8500 bis 13 000 Mann unterhalb des Höhenrückens bei Windecken gesammelt. „Vom Wartbaum her waren das Feuer und die Schüsse weithin wahrnehmbar“, erklärt der Windecker Historiker Erhard Bus die geschichtlichen Hintergründe der Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges.

Die zahlenmäßig unterlegenen Blockierer unter Führung des Generals Guillaume de Lamboy aus den Spanischen Niederlanden (heute: Belgien) wurden am 13. und 14. Juni (nach heutigem Kalender 23. und 24. Juni) vertrieben, woraufhin sowohl in der Wallonisch-Niederländischen Kirche für die Bürger der Neustadt als auch in der Reformierten Kirche – der heutigen Marienkirche – für die Bewohner der Altstadt Dankgottesdienste abgehalten wurden.

Motive für die Ausstellung

Aus diesem Grund haben sich die beiden Dioramen-Bauer Rainer Stephan aus Windecken und sein Freund Dirk Klitsch in Absprache mit Bus den Wartbaum und die Marienkirche als Motive für die Ausstellung ausgesucht, die in diesem Jahr während des Lamboy-Festes vom 14. bis 16. Juni in der Marienkirche zu sehen sein wird.

„Wir haben festgestellt, dass vor allem Buben von den Dioramen sehr beeindruckt sind“, beschreibt Bus den besonderen geschichtlichen Zugang. Dahinter stecken unzählige Arbeitsstunden und eine fundierte Recherche. So hat sich Stephan im Hanauer Medienarchiv historische Aufnahmen der Marienkirche besorgt, um sie originalgetreu nachzubilden.

Weitgehend per Hand gemacht

„Das größte Problem waren die gotischen Fenster“, schildert Stephan. „Die haben wir im 3-D-Druck hergestellt.“ Doch auch die rund 70 Figuren, die es so nicht zu kaufen gibt, wurden weitgehend per Hand ummodelliert und bemalt, um die damaligen Uniformen nachzubilden. „Ein Besuch der Ausstellung wird sich auf jeden Fall wieder lohnen“, so Bus.

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