Kostbares Gut: Eichenstämme wie diese aus dem Nidderauer Wald lassen sich noch gut vermarkten. Dennoch bleibt am Ende des Jahres nicht viel Gewinn. Foto: Rainer Habermann

Nidderau

Forstwirtschaft: Grüne stellen Ideen zur Nutzung vor

Nidderau. „Der Wald ist nicht nur dazu da, um mit dem Holz Geld zu machen. Er bildet einen Lebensraum für Tiere, Pflanzen, Pilze und dient den Menschen als Ort der Erholung, der Gesundheit und der Freizeit.“ Diese Feststellung legte BUND- und Grünen-Mitglied Helmut Gockert seiner Führung durch den Windecker Bürgerwald zugrunde.

Von Rainer Habermann

Der Ortsverband der Partei hatte dazu aufgerufen und gut 20 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt, um sich vor Ort ein Bild vom Zustand der etwa 1000 Hektar Forstflächen Nidderaus zu machen, über deren künftige Bewirtschaftung die politischen Gremien derzeit beraten.

Altersstruktur im Wald nicht optimal

Ausgangspunkt der Waldbegehung war der Parkplatz „Hirscheck“, unmittelbar am Bestattungswald zwischen Ostheim und Eichen. Gockerts zentrale Aussage: Die Altersstruktur im Wald sei nicht optimal, es fehle eine mittlere Baumgeneration. Insbesondere in den fünf „Prozessschutzflächen“, die auf Initiative der Grünen vor einigen Jahren angelegt worden seien, sei das Prinzip der Waldnutzung und Beforstung durch Holzeinschlag jedoch durchbrochen. Und hier bilde sich ganz allmählich auch wieder ein natürliches Gleichgewicht alter und junger Bäume, wichtig für eine gesunde Waldstruktur, die auf Nachhaltigkeit setze. Ein Begriff, der übrigens ursprünglich aus der Forstwirtschaft vergangener Jahrhunderte stammt.

Heute gibt es „Öko-Punkte“ für derartige Schutzflächen, die sich in Form von Förderung durch Bund und Land auch in bare Münze umsetzen lassen. Doch von Nachhaltigkeit im modernen, ökologischen Sinn könne durch die stattgefundene „Übernutzung“ im 20. und 21. Jahrhundert keine Rede mehr sein, so Gockert.

Kosten in Forstwirtschaft steigen drastisch

Umweltdezernent Rainer Vogel (Grüne) konnte dies auch an Zahlen belegen. So blieben bei Umsätzen von etwa 350 000 Euro jährlich nur etwa 10 000 Euro an Gewinn für die Stadt Nidderau hängen. Drastisch gestiegene Kosten in der Forstwirtschaft würden durch noch mehr Holzeinschlag ausgeglichen, wodurch aber die Holzpreise stetig sinken würden. Dieses Prinzip gelte es, jetzt zu durchbrechen, ist die Auffassung der Grünen in der laufenden Diskussion um die Beförsterung und Beforstung im Stadtwald.

Der Vertrag mit dem Staatsbetrieb Hessen Forst, der diese Leistungen bisher erbringt, wurde zum Jahresende gekündigt. Nicht zuletzt, weil eine gleichzeitige Vermarktung des eingeschlagenen Holzes durch Hessen Forst aus kartellrechtlichen Gründen von den Gerichten bundesweit untersagt wurde. Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen könne sich durchaus eine Waldbewirtschaftung aus eigener, städtischer Kraft vorstellen, so der Nidderauer Grünen-Parteivorsitzende Walter Heidrich. Ein vorliegendes Gutachten über die Zukunft der Nidderauer Forstwirtschaft berücksichtigt diese Möglichkeit ausdrücklich.

Trockenheit und Hitze führt zum Baumsterben

Der Wald an sich hat vielfältige Funktionen, nicht nur ökonomische. Dies wurde vor allem deutlich, als sich die Teilnehmer der Begehung den geschädigten Forstbereichen näherten. Auch im Nidderauer Forst haben die lange Trockenheit und die heißen Temperaturen über Monate des vorigen Jahres hinweg deutliche Spuren hinterlassen, insbesondere bei den Fichten. Abgeblätterte Rinde, unter der der Borkenkäfer wütet, und abgestorbene Äste sprechen eine deutliche Sprache. Viele Fichten sind sozusagen „klinisch tot“.

Generell gilt für den Wald, so wie ihn die Grünen sehen, aber eine der wichtigsten Funktionen, neben der des größten Grundwasserspeichers überhaupt: die der Gesundheitsvorsorge. „Ganzheitlich betrachtet“, so Gockert, „tritt der Wald als Gesundheitsfaktor bei uns erst allmählich in den Fokus, anders als beispielsweise in Japan. Dort gehört er zum Gesundheitssystem. Und niemand sollte sich wundern, warum Japaner in der Regel sehr alt werden.“

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