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Flüchtlinge beziehen Häuser in Erbstadt und Windecken

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Bürgermeister Gerhard Schultheiß, Architektin Miriam Semmerau, vier der künftigen Bewohnerinnen und Erster Stadtrat Rainer Vogel (von links) haben am Montag das Haus mit vier Wohneinheiten an der Windecker Odenwaldstraße besichtigt. Foto: Seifert
Bürgermeister Gerhard Schultheiß, Architektin Miriam Semmerau, vier der künftigen Bewohnerinnen und Erster Stadtrat Rainer Vogel (von links) haben am Montag das Haus mit vier Wohneinheiten an der Windecker Odenwaldstraße besichtigt. Foto: Seifert

Nidderau. Noch fehlte bei der Begehung das Mobiliar, doch bereits am Mittwoch werden die ersten der künftig zwölf Bewohner ihre neuen Wohnungen in einem von der Stadt errichteten Gebäude an der Odenwaldstraße in Windecken beziehen. Ein baugleiches Haus in Erbstadt hinter der Mehrzweckhalle ist ebenfalls fertiggestellt worden.

Von Thomas Seifert

Mit dem Bau von einfachen, aber voll ausgestatteten Häusern auf kommunalen Grundstücken verfolgt die Stadt einen neuen Ansatz. Diese Gebäude können auch Anspruchsberechtigten für verbilligten Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, sobald sie nicht mehr für die Unterbringung von Asylbewerbern oder Flüchtlingen benötigt werden.

„Die KfW-Kredite wurden uns von der Kommunalaufsicht zunächst ausnahmsweise aufgrund der Flüchtlingskrise genehmigt“, erläutert Stadtrat Rainer Vogel (Grüne). „Auf unser Ersuchen hin, haben wir aber vergangene Woche zumindest für das Erbstädter Gebäude die Genehmigung der Aufsichtsbehörde bekommen, die Wohnungen bei Bedarf auch als geförderten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sind in den kommenden beiden Jahren je 650 000 Euro für den Bau zusätzlicher geförderter Wohnungen in den Haushalt eingestellt.“

Mit bedürftigen deutschen Familien unter einem Dach

In welcher Art und Weise die Finanzierung dieses städtisch geförderten und im Haushalt verankerten Wohnungsprogramms letztlich realisiert werden, hänge im Einzelfall von den zur Verfügung stehenden Förderprogrammen ab, so Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD). Zunächst sei es wichtig, die Containeranlagen Zug um Zug auflösen und abbauen zu können und vor allem diejenigen Asylbewerber, die bereits anerkannt sind oder deren Aussichten auf Anerkennung sehr gut seien, in richtigen Häusern unterzubringen.

Schultheiß wies aber auch darauf hin, dass man in der Erbstädter Winnerstraße eine Mischung anstrebe. Dort sollen künftig Flüchtlinge und bedürftige deutsche Familien unter einem Dach wohnen. Diese Marschrichtung wolle man in Zukunft verfolgen, um auch den vielen deutschen Bewerbern um günstigen Wohnraum solchen anbieten zu können: „Damit senden wir ein eindeutiges Signal, dass alle in Nidderau lebenden Menschen, die Anspruch auf Hilfe haben – egal ob Flüchtlinge oder Deutsche – gleichberechtigt behandelt werden.“

Die veranschlagten Baukosten unterschritten

In Windecken und Erbstadt seien nach Plänen der Nidderauer Architekten Semmerau baugleiche Häuser mit jeweils vier Wohneinheiten in nur neun Monaten „aus dem Boden gestampft worden“, lobte der Bürgermeister. Die am Bau beteiligten Firmen hätten gute und unfallfreie Arbeit abgeliefert.

Trotz der „überhitzten Preise beim Baugewerbe“ habe man die veranschlagten Baukosten unterschritten, man rechne jetzt mit 580 000 Euro pro Bau inklusive Erschließung- und Nebenkosten, „da kostet manches Einfamilienhaus mehr“, betonte Schultheiß. Die Häuser bieten auf 268 Quadratmetern Platz für vier Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit Größen von 50 bis 67 Quadratmetern. Zusätzlich steht im ersten Stock ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung, der später bei Bedarf einer der beiden Wohnungen zugeordnet werden kann. Im Erdgeschoss gibt es einen Abstellraum und einen Raum, indem Waschmaschinen aufgestellt werden können.

Kleines Fest geplant

In Windecken werden von Mittwoch an vier Frauen mit ihren sechs Kindern und zwei Männer einziehen, die entweder bereits anerkannt sind oder gute Aussichten haben, als Flüchtlinge anerkannt zu werden, stellte Vogel beim Besichtigungstermin fest. „Ich habe das Projekt mit Dienstbeginn geerbt, stehe aber voll hinter dem Konzept. Damit sich künftige Bewohner und Nachbarschaft kennenlernen können, planen wir ein kleines Fest, sobald es die Witterung zulässt“, kündigte Vogel an.

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