Sie stellen mit ihrem neuen Angebot in Nidderau die Angehörigen in den Mittelpunkt: Melanie Jung und Marcello Cofone von der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig im Essraum der Tagespflegeeinrichtung auf Burg Wonnecken in Win‧decken. Foto: Ulrike Pongratz

Nidderau

Familienzentrum: Angebot für Familien mit Demenzerkranten

Nidderau. Etwa drei Viertel der Menschen, Pflege im Alltag benötigen, werden im Kreis zu Hause versorgt. Die Angehörigen der von Demenz betroffenen Menschen weiterzubilden, zu beraten und zu entlasten, ist ein wichtiges Element im Pflegekonzept der Alzheimer Gesellschaft, die das Selbsthilfepotenzial in Familien stärken möchte.

Von Ulrike Pongratz

Die Gesellschaft ergänzt ihr Angebot nun durch ein monatliches Gruppentreffen, das die Angehörigen in den Mittelpunkt stellt. Moderieren und begleiten wird das Angehörigentreffen Diplom-Psycho‧gerontologe Marcello Cofone. Das offene und kostenfreie Gruppentreffen ist nach dem Prinzip einer moderierten Selbsthilfegruppe organisiert. Cofone wird in der Abendveranstaltung kurze Impulse geben oder auch auf einzelne Personen eingehen.

Im Mittelpunkt des Treffens stehen die Erfahrungen und Belastungen der Angehörigen. „Von einem offenen Austausch verschiedener Verläufe – leichter wie schwerer Demenzerkrankungen – können Pflegende sehr oft profitieren“, sagt Cofone. Manchmal seien Familienkonstellationen oder Verläufe übertragbar. Das monatliche Treffen der Angehörigen helfe bei Einordnung und Verarbeitung, es diene dem Austausch, dem Gespräch, einer ersten Kontaktaufnahme oder auch der Beratung. Willkommen seien pflegende Angehörige und alle Familienmitglieder, die eine Demenzerkrankung vermuten und sich unverbindlich, aber vertraulich austauschen wollten.

Gruppen zum Knüpfen von Kontakten

„Das Angehörigentreffen ist ein weiterer, ergänzender Baustein unseres Beratungs- und Betreuungskonzeptes“, freut sich Melanie Jung, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft. Entlastung für pflegende Angehörige bieten zum Beispiel die „SO wie Daheim-Häuser“ (SODA). Hier öffnen Bürger ihre Wohnhäuser oder Wohnungen für Menschen mit und ohne Demenz, die hier betreute Stunden möglichst in der Nachbarschaft erleben können. Wir suchen vor allem im östlichen Main-Kinzig-Kreis Ehrenamtliche, die ihren Haushalt öffnen“, sagt Jung.

Neben der Unterstützung bei SODA bieten etwa 90 ehrenamtliche Mitarbeiter der Alzheimer Gesellschaft ein breites ambulantes Setting in der Gruppen- und Einzelbetreuung: Hausbesuche mit Vorlesen oder Spazierengehen, Unterstützung beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen, um die Angehörigen bei der häuslichen Pflege zu entlasten. Die „Gruppen in Bewegung“, die auch dem Knüpfen sozialer Kontakte dienen, werden von Ehrenamtlichen geleitet. „Für Angehörige und Ehrenamtliche, die wir immer suchen, bieten wir ab März und April in Hanau und Schlüchtern Weiterbildungskurse an“, sagt Jung. Die Bewegungsgruppen hätten einen doppelten Effekt: Der Demenzerkrankte wird aktiviert, der pflegende Angehörige entlastet.

80 Prozent der Demenzerkranten ließen sich gut begleiten

„Oft gibt es in den Familien eine Hauptpflegeperson“, sagt Cofone, „weshalb bei Fortschreiten der Krankheit, bei großer Unruhe oder Weglauftendenzen, unsere 'Oase' eine weitere Entlastung bietet. Das Tageszentrum auf der Burg Wonnecken in Windecken ist die einzige spezialisierte Tagespflege im Kreis. Wir können die Tagesstruktur sehr wirkungsvoll auf die Bedürfnisse einer weitgehend homogenen Gruppe ausrichten.“

80 Prozent der an Demenzerkrankten lasse sich gut begleiten, erläutert Cofone das Konzept der Alzheimer Gesellschaft. Wichtig sei, dass man erste Anzeichen wahrnehme. Oft werde erst sehr viel später, wenn sich eine Demenz nicht mehr durch „Fassadenverhalten“ kompensieren lasse, um Unterstützung nachgefragt. „Auslöser sind meist Schlüsselsituationen wie ein Krankenhausaufenthalt, in denen sich Klienten nicht mehr zurechtfinden. Dann ist oft plötzlich, von heute auf morgen, Hilfe nötig.“

Alzheimer-Demenz beginne schleichend

Aufklärung über Risikofaktoren, über Prävention, aber auch über die verschiedenen Formen von Demenz und ihre Ursachen sei angesichts einer zunehmenden Anzahl an Patienten wichtig und nötig. Angst verschlimmere die Situation, so Cofone. Beispielsweise sei eine vaskuläre Demenz wie ein kleiner Schlaganfall, sie entstehe bei Durchblutungsstörungen im Gehirn. Je nachdem, welche Gehirnregionen betroffen seien, käme es zu akuten oder dauerhaften Einschränkungen der motorischen Fähigkeiten oder zu Gefühlsschwankungen. Häufig komme es infolge dieser Demenzform zu Stürzen.

Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz, die schleichend beginnt. „So früh wie möglich sollten sich Angehörige beraten lassen, sich ehrlich fragen: 'Was kann ich, was kann das Umfeld leisten?' und entsprechende Unterstützung annehmen“, rät Gerontologe Cofone. Man gerate als pflegender Angehöriger schnell in eine Überlastungssituation. Soziale Kontakte würden oft wegbrechen, viele zögen sich zurück, aus Scham oder Angst, es fehle an sozialer Akzeptanz. Für heute Abend hofft Cofone auf eine „bunte Mischung“ an Teilnehmern und auf viele Fragen.

Erstes TreffenAm Donnerstag, 27. Februar, startet das Treffen für pflegende Angehörige im Familienzentrum Nidderau, Gehrener Ring 5 (Zugang über den Stadtplatz). Das Angebot ist ein offenes Forum für alle Angehörigen, die mit Menschen mit Demenz in der Familie zu tun haben.Sei es einfach als Verwandter oder auch als pflegender Angehöriger. Der Angehörigenabend der Alzheimer Gesellschaft findet in der Regel jeden vierten Donnerstag im Monat jeweils von 16.30 bis 18.30 Uhr kostenfrei im Familienzentrum statt. Interessierte können sich bei Fragen an Marcello Cofone wenden, Telefon: 0 61 87/2 03 25 15.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema