Ende eines Familienbetriebs: Die Metzgerei Kullmann an der Hauptstraße in Erbstadt schließt zum Jahresende. Foto: Jan-Otto Weber

Nidderau

Familie Kullmann bestätigt Schließung der Metzgerei

Nidderau. Was seit einigen Tagen als Gerücht durch Nidderau geistert, ist nun offiziell bestätigt: „Ja, es stimmt, wir werden zum Ende des Jahres unseren Betrieb schließen“, sagt Jannis Kullmann, Junior-Chef der Metzgerei Kullmann, auf Anfrage unserer Zeitung.

Von Jan-Otto Weber

Damit endet eine fast 120-jährige Familientradition. Denn Ralf Kullmann und sein Sohn Jannis führen die Fleischerei mit eigener Schlachtung an der Erbstädter Hauptstraße inzwischen in vierter und fünfter Generation. Die Nachricht kommt für viele Erbstädter umso überraschender, da die Zukunft des Familienbetriebs gesichert schien. Junior-Chef Jannis Kullmann begann nach seinem Abitur im Jahr 2014 eine Lehre als Fleischer, die er schon anderthalb Jahre später sehr erfolgreich abschloss.

Gleich im Anschluss an seine Ausbildung besuchte er die Meisterschule des Fleischerhandwerks und legte die Meisterprüfung als bester Jungmeister in Hessen ab. Danach nahm er an einem kaufmännischen Fortbildungskurs teil und darf sich seither auch noch Betriebswirt nennen. Er bringt also alle nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten aus der Theorie und Praxis mit.

Keine Äußerung zu den Gründen

Da ihm die Organisation von Veranstaltungen und das Grillen schon immer sehr viel Freude bereiteten, beschloss er, sich selbstständig zu machen, und gründete im Mai 2017 „Kulle's Grillservice“.

Zu den Ursachen für die Schließung des im Jahr 1902 gegründeten Betriebs, wollte sich die Familie zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Die Gründe lägen im persönlichen Bereich. Die Zahlen stimmen also offenbar, denn der Laden läuft gut und die Metzgerei ist für die Qualität ihrer Produkte weithin beliebt, was auch die Reaktionen auf die Schließung in den sozialen Netzwerken widerspiegeln.

Auch die Allgemeinmedizinerin schließt ihre Praxis

Es ist ein weiterer schmerzlicher Verlust für den kleinsten Nidderauer Stadtteil. Vor genau einem Jahr schloss der Lebensmittelladen Rupp an der Wetterauer Straße. Nun also die Metzgerei Kullmann, das letzte ortsansässige Geschäft.

Doch damit nicht genug. Auch die Allgemeinmedizinerin Ursula Ronner-Gockert gibt nach 26 Jahren ihre Praxis auf. Wie berichtet, wäre die beliebte Hausärztin aufgrund der Kündigung ihrer jetzigen Praxisräume gezwungen gewesen, mit Unterstützung der Stadt in den Erbstädter Pfaffenhof umzuziehen. Diesen Umzug wollte die 66-Jährige jedoch nur auf sich nehmen, wenn es zugleich eine Perspektive zur Übernahme der Praxis gegeben hätte. Doch trotz intensiver Suche hatte sich bislang kein Nachfolger gefunden.

Mehrzweckhalle wird neu verpachtet

Immerhin scheint es jedoch noch einen Hoffnungsschimmer zu geben, wie Bürgermeister Gerhard Schultheiß am Mittwochabend in einer Sonderausschusssitzung im städtischen Familienzentrum mitteilte. „Es gibt einen Interessenten, den wir an die Kassenärztliche Vereinigung vermittelt haben“, so der Verwaltungschef. Sollte die KV dem Nachbesetzungsantrag nachkommen, könnte der Arztsitz für die Stadt erhalten bleiben. Grundsätzlich besteht laut KV allerdings eine Überversorgung an Hausärzten in Nidderau. Schultheiß dämpfte deshalb am Mittwoch die Erwartungen: „Wir können es nicht erzwingen.“

Gute Nachrichten gibt es immerhin über die Neuverpachtung der Mehrzweckhalle. Denn auch hier steht ein Wechsel an, da Pächterin Marijana Kocunic-Kling nach beinahe 20 Jahren den Kochlöffel niederlegt. „Nachdem zwischenzeitlich ein anderer Interessent abgesprungen war, ist nun ein neuer Pächter für die Gaststätte gefunden“, so Schultheiß am Donnerstagabend. „Der Übergang wird dann zum neuen Jahr stattfinden.“

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