Denise Jost und ihr Sohn Yannik (Mitte) freuen sich über den starken Rückhalt und die Hilfsbereitschaft in Nidderau. Stellvertretend hierfür stehen Katrin Wessel und Rita Maxheim von den Aascher Schnooke (von rechts), Klaus Heß, Markus Dillmann, die Nidderau Borussen um den Vorsitzenden Peter Schmitt (Siebter von links), Pfarrerin Stephanie Stracke, Bürgermeister Gerhard Schultheiß und Apothekerin Bianca Burghardt (Vierte von links). Foto: J. Weber

Nidderau

Familie Jost ist von Hilfe nach dem Brand überwältigt

Nidderau. Seit dem Brand am 23. Januar in Erbstadt sind die sechs Wohnungen an der Hauptstraße auf längere Zeit unbewohnbar. Die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen für die Mieter ist groß. Auch Denise Jost und ihr Sohn Yannik sind betroffen. Stellvertretend berichteten sie nun über ihre Situation und dankten allen Unterstützern.

Von Jan-Otto Weber

Es ist ein Abend wie viele andere: Yannik Jost sitzt an diesem Dienstag gegen 18.30 Uhr entspannt zu Hause vor der Playstation, als plötzlich jemand Sturm klingelt und an die Wohnungstür hämmert. „Zuerst dachte ich, es sei ein Freund. Der macht öfter mal solche Scherze“, erklärt der 22-Jährige am Donnerstag im Sitzungsraum des Magistrats im Nidderauer Rathaus. „Doch als ich die Tür aufgemacht habe, stand da eine Nachbarin und sagte: 'Yannik, Du musst sofort raus hier. Das Haus brennt!'“

Die folgenden Minuten und Stunden laufen ab wie ein Film. Ein Horrorfilm. „Ich lief in den Hof. Obwohl dort kein Rauch war, bekam ich trotzdem nur schwer Luft. Ich rannte schnell wieder zurück, fing noch unsere Katze unter dem Bett ein und sperrte sie draußen ins Auto. Kurze Zeit später sind schon die Flammen über dem Dachstuhl zusammengeschlagen und alles war voller Feuerwehr.“

"Mama, unser Haus brennt."Yannik ruft seine Mutter an. Die sitzt gerade auf dem Nachhauseweg von der Arbeit in der Bahn. „Er hat gesagt: 'Mama, unser Haus brennt'“, schildert Denise Jost. „Das kann ja vieles heißen, hab ich mir erst gedacht. Doch je länger die Bahnfahrt dauerte, malte ich mir im Kopf Bilder aus. Meine schlimmsten Erwartungen wurden dann bestätigt, als ich zu Hause ankam.“

Nachbarn stehen in T-Shirts und Hausschuhen auf der Straße und werden mit Tee und Decken versorgt, während rund 130 Feuerwehrleute mit Drehleiter und weiteren Einsatzwagen versuchen, die Flammen in den Griff zu bekommen und ein Übergreifen auf die benachbarten Gebäude zu verhindern. „Man kann kaum in Worte fassen, was in so einem Moment los ist“, sagt Denise Jost, die von den Erinnerungen an diesen Abend auch vier Wochen später sichtlich verstört ist. Und ihr Sohn erklärt: „Es ging alles so schnell. Man handelt nur noch intuitiv.“

"Die ersten Nächte waren ziemlich hart"Denise Jost ist zunächst bei ihrem Lebenspartner untergekommen und hat durch einen Zufall auch bereits eine neue Wohnung in Erbstadt gefunden, die sie gerade renoviert. Yannik Jost wohnt bei einem Freund. „Die ersten Nächte waren ziemlich hart“, schildert er. „Ich habe zwar versucht, nicht zu weinen und mich nicht gehen zu lassen, aber das Gefühl hat mich erdrückt. Im Moment treibe ich viel Sport, um mich abzulenken. Außerdem rede ich viel mit Freunden. Ich bin für ihre Unterstützung sehr dankbar, um wieder aus diesem Loch zu kommen.“

Inzwischen haben alle acht Mieter der sechs betroffenen Wohnungen eine Bleibe gefunden. Zudem ist in Nidderau eine wahre Hilfewelle angelaufen. „Eine solche Hilfsbereitschaft habe ich in meinen 20 Jahren als Bürgermeister noch nicht erlebt“, berichtet Gerhard Schultheiß, der am Donnerstag mit Erbstadts Pfarrerin Stephanie Stracke sowie Vereinsvertretern und Bürgern zusammengekommen ist, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Gut 6000 Euro sind bisher eingegangen, die Schultheiß und Stracke treuhänderisch auf einem Konto verwalten und gleichmäßig auf die Betroffenen verteilen wollen.

Hilfe aus der ganzen UmgebungEiner der Helfer ist der Erbstädter Klaus Heß. „Wir haben spontan eine Facebook-Gruppe gegründet und zu Spenden aufgerufen“, berichtet er. Viele der Anwesenden haben so von der Aktion erfahren. Etwa die Nidderau Borussen, die 500 Euro gespendet haben. Oder die Aascher Schnooke, die von ihren Sitzungen eine prall gefüllte Spendendose mitgebracht haben und selbst noch 111,11 Euro drauflegen. Markus Dillmann hat für 1111 Euro ein Eintracht-Trikot mit Originalunterschriften der Spieler ersteigert.

Die Kollekte des Erbstädter Faschingsgottesdienstes erbrachte 800 Euro. Bianca Burghardt von der Ostheimer Sonnenapotheke gibt 300 Euro. „Mein Sohn hat von seinem Taschengeld auch zehn Euro beigetragen.“ Und noch während des Treffens im Rathaus trifft die Nachricht ein, dass auch der Nidderauer Lions-Club 1000 Euro spendet.„Es sind noch einige Spendendosen in Gaststätten und Geschäften in Umlauf“, erklärt Heß, der gemeinsam mit den anderen Helfern auf weitere Unterstützung hofft.

Denise Jost sitzt kopfschüttelnd am Tisch, mit Tränen der Rührung in den Augen. „Wir spenden selbst regelmäßig an eine wohltätige Organisation. Obwohl wir nie daran gedacht hätten, wissen wir jetzt wie es ist, selbst betroffen zu sein. Wir können nur allen ein riesiges Dankeschön sagen. Es ist wirklich überwältigend.“

Wer helfen möchte, kann seine Spende auf das „Hilfekonto Brand Erbstadt“ bei der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen überweisen.IBAN: DE21 5066 1639 0100 0840 00

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