Die Trophäensammlung beweist: Erwin Reul, 42 Jahre Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins H443 Windecken, war neben seiner Funktionärstätigkeit ein äußerst erfolgreicher Züchter. Foto: Seifert

Nidderau

Erwin Reul gibt Vorsitz der Kaninchenzüchter nach 50 Jahren ab

Nidderau. Erwin Reul war 60 Jahre Mitglied im Kaninchenzuchtverein H443 Windecken, davon 50 Jahre im Vorstand und 42 Jahre als Vorsitzender an der Spitze. Bei der Jahreshauptversammlung der Windecker Kaninchenzüchter hat Reul vor Kurzem sein Amt endgültig in jüngere Hände abgegeben.

Von Thomas Seifert

Nachdem außer Erwin Reul – „Ich war der letzte Mohikaner“ – über Jahre hinweg niemand mehr Kaninchen züchten wollte, sind es jetzt wieder vier Mitglieder, die diesem Hobby nachgehen. Seine eigene Zucht hat Reul inzwischen aufgegeben, sein Sohn aber tritt nun in seine Fußstapfen. Auch seine Tochter war in ihrer Kindheit mit Kaninchen zugange und im Verein jahrelang für den Schriftverkehr zuständig. „Aber heute kommt sie nur noch zum Essen“, stellt Reul lachend fest. „Zu Ostern gibt es wieder Rollbraten, da brauche ich eine Stunde, um das Tier komplett auszubeinen. Das hat uns ein Mitglied mit ungarisch-deutscher Herkunft beigebracht“, verrät Reul beim Besuch unserer Zeitung in seinem Windecker Haus.

Der Verein H443 ist quasi eine Art Familienbetrieb der Reuls. Vater Peter Reul hatte im Jahr 1976 seinem Sohn Erwin die Vorstandschaft übertragen, nachdem dieser seit 1968 zunächst als Fellwart und danach als Tätowiermeister Funktionen im Verein innehatte. Aus der Aufforderung in der elterlichen Kellerbar „Ei mach doch!“ sind 42 Jahre geworden, „eine schöne Zeit“ wie Reul rückblickend bilanziert. Höhepunkt sei sicherlich der Bau des Vereinsheims in Eigenarbeit auf einem städtischen Grundstück hinter dem Jugendhaus Blauhaus gewesen, so Reul.Nachdem der Verein seit 1982 seine Ausstellungen zunächst in der Willi-Salzmann-Halle organisiert hatte, habe es plötzlich Beschwerden über angeblichen Geruch gegeben. Der Vorstand unter Erwin Reul setzte sich zusammen und beschloss, in Eigenarbeit ein eigenes Vereinsheim zu bauen.

Erste Ausstellung in eigenen vier WändenGesagt, getan. Im Jahr 1999 konnte nach zwei Jahren Bauzeit die erste Ausstellung in den eigenen vier Vereinswänden stattfinden. Viele sollten folgen, denn die Windecker organisierten neben Lokalschauen auch Vereinsjungtier-, Nidderau-, Kreis-, Landesjugend- und Main-Kinzig-Rammlerschauen.

„Als immer mehr Züchter aufgegeben haben, fand sogar mal eine Meerschweinchenausstellung eines Erbstädter Züchters im Vereinsheim statt. Die war sogar ganz gut besucht“, erinnert sich Reul, der bei fast allen Schauen als Ausstellungsleiter fungierte.

Er habe sich nie viel aus Trophäen gemachtEr selbst war ein sehr erfolgreicher Züchter, seine Trophäensammlung spricht Bände. „Einige Pokale habe ich bereits an Kinder verschenkt, die waren ganz wild auf die Trophäen. Ich habe mir eh nicht so viel aus den Pokalen gemacht, Geld für Futter wäre mir lieber gewesen.“ Da kommt der Pragmatiker durch – Reul ist gelernter Elektromechaniker. Seine ersten Kaninchen hat er vom Vater geschenkt bekommen, ein Pärchen Englische Schecken Schwarz-Weiß. Später wechselte der Züchter zur Rasse Kleinsilber Gelb, Kleinwidder weiß und zu seiner Lieblingsrasse Perlfeh. Er wurde mehrfach Landesmeister. „Aber weiter bin ich nie gegangen, das war finanziell nicht drin.“

Immer großen Zuspruch hatten die Grilltage des Kaninchenzuchtvereins Windecken, sie sind bis heute eine feste Größe im Veranstaltungskalender des Stadtteils. Eine Zeitlang zogen die Züchter in Windecken an Ostern zu den Häusern der Mitglieder mit Kindern. Auf den Köpfen hatten sie Hasenmasken, „die es sogar noch gibt“, und sie zogen einen kleinen Leiterwagen mit Geschenken für den Nachwuchs hinter sich her. „Nachdem wir unsere Runde gemacht hatten, hatten wir immer runde Füße“, erinnert sich Reul, denn die Eltern der Bescherten hielten stets ein hochprozentiges Tröpfchen bereit.

Kaninchen erkrankten tödlich„Vor zwei Jahren haben meine Kaninchen eine tödlich verlaufende Bluterkrankung bekommen. Da habe ich dann aufgehört. Aber mein Sohn führt ja die Tradition weiter und in dem Stall hinter dem Haus haben derzeit noch die neuen Jungzüchter ihre Tiere untergebracht. Allerdings planen sie am Vereinshaus eine Zuchtanlage zu bauen“, berichtet Reul.

Sollte sein Rat gefragt sein, sei er gerne bereit zu helfen. Ansonsten freut sich der Vereinssenior auf die monatlichen Versammlungen, wo man sich im Vereinsheim zum Plausch trifft. „Aus der Vereinsarbeit heraus sind viele Freundschaften entstanden“, so der 79-Jährige, „der Zusammenhalt war immer toll.“

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