Mit seinem selbstreinigenden Waschbeckenstopfen „Abfluss-Fee“ hat der Sanitärmeister Karl-Heinz Bilz aus Ostheim bei der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ den Durchbruch geschafft. Mittlerweile hat er auch Varianten für die Dusche und ganz aktuell für die Küchenspüle entwickelt. Foto: J. Weber

Nidderau

Erfinder Karl-Heinz Bilz aus Ostheim hat alle Hände voll zu tun

Nidderau. Erfinder aus Leidenschaft: Seit seinem Erfolg bei der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ im August 2016 (wir berichteten) kann sich Erfinder Karl-Heinz Bilz vor Bestellungen und Anfragen kaum noch retten.

Von Jan-Otto Weber

Am Dienstagabend ist er wieder mal im Fernsehen, diesmal im zweiten Teil der HR-Reihe „Ideen made in Hessen – Gründer und Erfinder auf Erfolgskurs“ (21 Uhr). Derweil tüftelt Bilz an neuen Projekten – etwa einem Erfinderladen.

Karl-Heinz Bilz ist im Stress. Wir treffen ihn auf der Straße vor seinem Haus in Ost‧heim, wo er gerade aus seinem Transporter steigt. Geschlafen hat er kaum, denn er kommt gerade von einer Messe in Essen, wo er ein Plagiat aufgedeckt hat. „Die haben da eine Dichtmanschette zur Absicherung wasserführender Armaturen auf Baustellen als neuesten Stand der Technik vorgestellt“, erklärt Bilz. „Diese Manschette habe ich schon vor zehn Jahren an den Markt gebracht.“

Großes InteresseSo ärgerlich solche Dinge zwar sind: Den Stolz darauf, dass seine Produkte derart gefragt sind, kann Sanitärmeister Bilz nicht verhehlen. Einen neuen Schub hat die Bilz Ideen GmbH, die der 61-Jährige mittlerweile mit seiner Frau Sonja gegründet hat, durch die zweiteilige TV-Sendung „Ideen made in Hessen“ bekommen.

„Nach der Ausstrahlung des ersten Teils am letzten Dienstag habe ich am Mittwoch drei Stunden lang mit Händlern und Baumärkten telefoniert, die die 'Abfluss-Fee' wollen. Allein am ersten Tag nach der Sendung hatte ich 50 neue Bestellungen.“

Erfolgreiche ZusammenarbeitAus der Idee für den selbstreinigenden Waschbeckenstopfen, die ihm im August 2016 im Fernsehen den Durchbruch gebracht hat, ist mittlerweile eine ganze Serie geworden. Den Prototyp für sein jüngstes Kind, den Stopfen für die Küchenspüle, hat Bilz zufällig im Auto. „Unten dran ist ein Korb, der bis zu ein Kilo Essenreste aufnehmen kann. Ein Spülstein zersetzt das ganze und neutralisiert Gerüche und Keime. Die Reinigung eines Abflusssiebs und der Siphon unter der Spüle entfallen.“

1000 Euro hat allein die Herstellung des Prototyps bei einer metallverarbeitenden Firma gekostet. Bei der Großproduktion und Vermarktung hilft Ralf Dümmel, mit dem Bilz seit seinem Deal bei der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ erfolgreich zusammenarbeitet.

Blick über den eigenen TellerrandDoch Bilz verfolgt nicht nur seine eigenen Projekte. „Neulich war ich in Cochem. Dort gibt es einen Erfinder, der einen Fußball mit farbigen Markierungen entwickelt hat, mit dem man verschiedene Schusstechniken trainieren kann. Dem habe ich ein bisschen Geld geliehen, damit er weitermachen kann.“

Denn niemand weiß so gut wie Bilz, welchen langen Atem und wie viel Geld es braucht, um eine Idee bis zum Produkt und an den Markt zu bringen. Schließlich hat er selbst Dutzende Patente angemeldet und ist jahrelang von Tür zu Tür durch Deutschland getingelt, um seine Erfindungen an den Mann zu bringen. Deshalb engagiert sich Bilz beim Deutschen Erfinderverband als Leiter der Sektion Frankfurt, wo er beim monatlichen Stammtisch andere Tüftler bei der Anmeldung von Patenten unterstützt. Zudem sucht Bilz gerade nach einem leerstehenden Geschäft, um einen Erfinderladen ins Leben zu rufen.

Laden gesucht„In Berlin gibt es so was schon“, erläutert der Ostheimer. Im Internet (www.erfinderladen-berlin.de) heißt es dazu: „Der Laden soll eine Quelle der Inspiration, eine Galerie zukünftiger Dinge und ein Ladengeschäft sein. Anstoß war, dass viele Erfinder bei Einkäufern großer Handelshäuser abblitzen, weil sie die Produktionskapazitäten nicht liefern oder einfach zu unbekannt sind. Der Testmarkt baut hier eine Brücke, um die ersten 100 bis 1000 Stück unter die Menschen zu bringen.“

Bei so vielen Projekten und Anfragen bleibt Bilz momentan kaum noch Zeit für eigene Erfindungen. „Meine Werkstatt sieht aus wie Harry“, gibt der 61-Jährige offen zu. „Dort liegen halbfertige Modelle und Werkzeuge rum, die darauf warten, dass ich weitermache.“

Etwas FreiraumDurch die Übergabe seines Handwerksbetriebs an seine Söhne hat sich Bilz bereits ein wenig Freiraum geschaffen. „Ich bin froh, dass ich mich jetzt nicht mehr mit schweren Heizkörpern auf der Baustelle rumplagen muss.“ Und eine Bürokraft hat er auch gerade eingestellt, die ihn neben seiner Frau bei der Abwicklung von Bestellungen unterstützt.

An vorzeitigen Ruhestand denkt Bilz jedenfalls nicht. „Wie es auf meinem Auto steht: Ich bin Erfinder aus Leidenschaft.“

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