Wirtin Marijana Kocunic schließt nach 19 Jahren als Pächterin am 27. Dezember das Restaurant "Dalmacija" im Bürgerhaus Erbstadt und kehrt in ihre Heimat Kroatien zurück. Foto: Thomas Seifert

Nidderau

Erbstädter Bürgerhaus-Pächterin schließt Restaurant "Dalmacija"

Nidderau. Der 4. Januar 2001 war ein besonderes Datum für Marijana Kocunic, denn sie feierte an diesen Tag Geburtstag und eröffnete gleichzeitig das Restaurant „Dalmacija“ im Bürgerhaus Erbstadt. Am 27. Dezember geht nun eine Ära zu Ende, die Wirtin wird an diesem Freitag das letzte Mal für ihre Gäste kochen.

Von Thomas SeifertGeboren wurde Marijana Kocunic in Split in Kroatien. Während des Bürgerkriegs auf dem Balkan, bei dem auch Freunde ums Leben kamen und ein Onkel verletzt wurde, kam sie 1997 mit Anfang 20 nach Deutschland. In Höchst an der Nidder arbeitete die gelernte Friseurin in der Gastronomie und entschloss sich durch Vermittlung einer Bekannten bei der SKG Erbstadt, das leer stehende Restaurant im Bürgerhaus zu übernehmen.

„Ich habe lange gezögert, denn für eine Anfängerin war das schon eine große Nummer. Und das Restaurant hatte fast eineinhalb Jahre leer gestanden. Doch dann habe ich den Schritt gewagt, mein ganzes Geld in das 'Dalmacija' investiert und mich in die Küche gestellt“, blickt die Kroatin zurück. Dass sie sich eine schwere Aufgabe aufgebürdet hatte, merkte die Neu-Wirtin bald, denn durch den langen Leerstand musste sie sich als Fremde erst einen Namen in Erbstadt machen und versuchen, Stammkundschaft an das Restaurant zu binden.

Harte erste Jahre

„Die ersten Jahre waren hart. Es gab Tage, da reichten die Einnahmen gerade einmal aus, um meine Bedienung zu bezahlen – und das nach vielen Stunden Arbeit“, musste Marijana Kocunic mehr als eine Durststrecke durchstehen. Ein Privatleben gab es so gut wie nicht, was zur Folge hatte, dass ihre in Deutschland geschlossene Ehe scheiterte. Das Jahr 2009 bedeutete dann aber einen Wendepunkt zum Guten, denn mithilfe von Gast und Freund Gerhard Behrens, ehemals Technischer Direktor der BfG-Bank, krempelte die „Dalmacija“-Wirtin die Speisekarte um. Fortan standen vor allem Grillgerichte und die bis heute legendären Steaks auf der Karte. „Marijana bereitet das Fleisch ausschließlich auf dem Grill zu, da kommt nichts in den Herd zum Garen“, weiß der Feinschmecker.

Diese Neuausrichtung war dann der endgültige Schlüssel zum Erfolg, neben vielen Stammkunden buchten auch Firmen und Vereine die Räume für Feiern und Veranstaltungen. Ein Höhepunkt des gastronomischen Jahres für Wirtin und Stammgäste ist zum Beispiel die Zubereitung des kroatischen Nationalgerichts Peka. Aber auch die Sommerabende im von Kocunic liebevoll eingerichteten Biergarten am Bürgerhaus seien bei den Gästen äußerst beliebt gewesen, betonte Behrens, der hinzufügte, dass in die Einrichtung und Ausstattung des Gastraums und die Küche des „Dalmacija“ nicht nur viel Herzblut, sondern auch jede Menge Arbeit und Geld investiert worden sei.

„Es gab aber immer wieder Zeiten, da zweifelte ich daran, ob ich weitermachen sollte. Ich bin von Hause aus ein sozial eingestellter Mensch und freue mich für andere, die auch Erfolg haben. Aber es gab auch Neider, die mir das Leben manchmal schwer gemacht und meine gastronomischen Ideen einfach übernommen haben“, findet Kocunic durchaus kritische Töne. Setzt aber gleich hinzu, dass sie keine schmutzige Wäsche waschen will, sondern nur darauf hinweisen, dass nicht immer alles so glatt lief, wie es vielleicht nach außen hin ausgesehen hatte.

Anstrengend, aber schön

Insgesamt aber sei es eine anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit gewesen, die nun aus gesundheitlichen Gründen – der Rücken spielt nicht mehr mit – und wegen der erwähnten Widrigkeiten unwiderruflich zu Ende gehe.

„Ich möchte mich bei all meinen Gästen, den Stammgästen, Vereinen, Firmen und Bürgermeister Gerhard Schultheiß für ihre Treue und Unterstützung bedanken. Ohne diese Menschen hätte ich schon vor einiger Zeit das Handtuch geworfen“, betont die „Dalmacija“-Wirtin im Gespräch. Sie geht jetzt in ihre Heimat zurück nach Split, wo ein Bruder eine Landwirtschaft betreibt und ihre Eltern – der Vater produziert gefragten geräucherten Schinken – gleich nebenan wohnen. Zu ihrer beruflichen Zukunft wollte Kocunic nur so viel verraten, dass sie – falls es die Gesundheit erlaubt – dem Gastgewerbe wohl in irgend einer Art und Weise treu bleiben will.

Eigentlich hatte die Wirtin aus ihrem Bekanntenkreis bereits Nachfolger aus Wetzlar für das „Dalmacija“ gefunden. Doch Betreiber und Koch hatten offensichtlich Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des Restaurants und so platzte dieser Plan. Bürgermeister Gerhard Schultheiß teilte auf Anfrage des HA jedoch mit, dass der Magistrat mit einem neuen Pächter einen Vertrag ausgehandelt habe, der bereits unterschrieben ist. Geplant ist von den neuen Betreibern aus Schöneck gleich nach Jahreswechsel das Restaurant im Bürgerhaus Erbstadt wieder zu öffnen, so der Rathauschef.

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