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Machen und nicht motzen: Dr. Ralf Grünke (links) und Christian Maiwald wollen „größere Schritte wagen“ und 2021 mit einer neuen Wählergruppe ins Stadtparlament einziehen, um so auch Einfluss auf die Entscheidungen im Rathaus (Hintergrund) nehmen zu können.

Für die Kommunalwahl 2021

Wählergruppe will mit frischen Ideen für Nidderau antreten

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Nidderau ist im Wahlkampfmodus. Doch während die vor Ort etablierten Parteien derzeit ihr Augenmerk auf die im November anstehende Bürgermeisterwahl richten, haben Dr. Ralf Grünke und Christian Maiwald bereits einen anderen Urnengang im Blick: die Kommunalwahl im Frühjahr 2021.

 „Die Stadt wird solide und vernünftig verwaltet“, findet Grünke. „Aber es fehlt die große Linie.“ Neben der Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung liegt den beiden Männern vor allem der Klima- und Umweltschutz am Herzen. „Wozu haben wir Kinder in die Welt gesetzt, wenn wir sie zerstören?“, fragt Grünke und verweist auf die Fridays-for-Future-Bewegung. 

Deshalb haben er und Maiwald zunächst ein großes Ziel definiert: „Der Bürgermeister wirbt mit dem Titel der sonnenreichsten Stadt Hessens“, sagt Maiwald. „Es gibt zwar einige Solarflächen. Aber daraus muss man mehr machen. Deshalb streben wir an, dass Nidderau in den kommenden zehn Jahren energieautark wird.“ Um ihr Ziel zu erreichen, wollen Grünke und Maiwald eine Wählergruppe gründen, die mit einer eigenen Liste zur Kommunalwahl 2021 antreten soll. Ein erstes Informationstreffen für Interessierte wird am 12. März stattfinden. 

Wählergruppe soll "Zukunftsliste Nidderau" heißen

Der vorläufige Arbeitstitel lautet „Zukunftsliste Nidderau“. „Wir stellen eine Verrohung im gesellschaftlichen Umgang fest“, erklärt Grünke. „Für Extremisten ist deshalb bei uns kein Platz. Wir suchen keine Wutbürger, sondern Mutbürger. Wir suchen Leute, die sich engagieren wollen. Wer heute schon an morgen denkt, ist bei uns willkommen.“ 

Dass sich Maiwald und Grünke zur Verwirklichung ihrer Ziele keiner bereits bestehenden Partei anschließen wollen, hat Gründe. „Durch mein Engagement als Betriebsrat habe ich gelernt, dass man bessere Chancen hat, etwas zu bewirken, wenn man nicht als Hinterbänkler auf bereits etablierten Listen antritt“, erklärt Maiwald, der 1987 mit seiner Familie in die Windecker Altstadt gezogen ist. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Parteien in Nidderau auf Leute wie mich warten, um vorne mitzumachen.“ 

Maiwald und Grünke wollen das politische Spektrum in Nidderau erweitern

Und auch Grünke hat seine Erfahrungen gemacht. Von 2011 bis 2016 saß der promovierte Politikwissenschaftler als parteifreier Stadtverordneter für die Grünen im Nidderauer Parlament. Doch er eckte an. „Wir hatten im Koalitionsvertrag 2011 angestrebt, dass jedes Gebäude – auch die gewerblichen – in Passivhausstandard gebaut werden sollte. 'Geht nicht', hieß es damals, obwohl es andernorts genügend Beispiele gibt.“ Stattdessen sei am Ende auch noch die Zertifizierung der Häuser nach Standard des Darmstädter Passivhaus-Instituts bei Wohngebäuden aufgegeben worden. „Ich werfe den Grünen vor, dass sie da eingeknickt sind.“

 Und so trat Grünke wieder der Ökologisch-Demokratischen Partei bei, die er im Jahr 2004 aus Frust über damalige Wahlergebnisse verlassen hatte. Doch Maiwald und Grünke betonen, dass sie nicht gegen andere Parteien antreten, sondern sich vielmehr als Erweiterung des politischen Spektrums sehen. Mit der Entscheidung, keine ÖDP-Ortsgruppe aus der Taufe zu heben, sondern eine unabhängige Gruppe zu gründen, wollen die beiden Nidderauer möglichst viele Menschen ansprechen, die bisher nicht bei schon bestehenden Parteien andocken konnten. 

Die Gründer wollen in Nidderau Sachpolitik vor Fraktionszwang

Dabei denken sie auch an örtliche Mitglieder anderer Parteien wie der Linken, der FDP oder der Tierschutzpartei. „Ich habe großen Respekt vor allen, die sich politisch engagieren“, sagt Grünke, „doch die politische Landschaft in Nidderau ist überschaubar. Die CDU hat bei der letzten Wahl die Empörer eingebunden. Die SPD hat solide verwaltet. Den Freien Wählern gehen die Leute aus. Die Grünen sind menschlich ok, aber nicht auf Linie der Umweltverbände und zu harmlos“, so die Analyse des Politikwissenschaftlers. Doch für was soll die „Zukunftsliste Nidderau“ stehen, außer mehr Solarmodule zu installieren? „Wir wollen uns bei jeder politischen Entscheidung fragen, was unsere Enkel wohl davon halten würden“, antworten Grünke und Maiwald. In Nidderau lasse es sich gut leben, der ländliche Charakter soll bewahrt, Flächenfraß und maßloses Wachstum verhindert werden. 

Direkte Beteiligung der Menschen an großen Projekten über Bürgerentscheide. Sachpolitik statt Fraktionszwang. Die weitere Agenda soll gemeinsam mit anderen Interessierten erarbeitet werden. Aber wie sollen konkrete Herausforderungen wie der Wohnungsdruck im Rhein-Main-Gebiet oder der Infrastrukturabbau in den Ortskernen und Stadtteilen gelöst werden? „Das Leerstandskataster oder ein Bürgerladen für Eichen sind gute Ideen“, findet Grünke. Zudem gebe es Fördermittel, etwa für den Umbau von Häusern zu kleineren Einheiten. „Aber ich kann nichts aus dem Hut zaubern.“ 

Die neue Wählergruppe trifft sich am 12. März das erste Mal

Und wie steht es nun mit der Bürgermeisterwahl Ende November? „Derzeit haben wir nicht die Absicht, mit einem eigenen Kandidaten anzutreten“, verrät Grünke. „Wir wollen uns aber gern mit den Kandidaten treffen und uns informieren.“ 

Treff für „Zukunftsliste“ Interessierte, die bei der Aufstellung der Wählergruppe „Zukunftsliste Nidderau“ mitwirken wollen, sind zu einem ersten Treffen am Donnerstag, 12. März, um 19.30 Uhr im Restaurant Hessenschmaus in der Willi-Salz.

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