So könnte das Eicher Feuerwehrhaus aussehen: Eine Abordnung der Stadt Nidderau und der Eicher Feuerwehr hatte sich das Gerätehaus im Niddataler Stadtteil Kaichen im Jahr 2012 angeschaut. Der Bau fand damals allgemeine Zustimmung. Nun greift die Verwaltung wieder auf dieses Modell zurück. Foto: J. Weber

Nidderau

Eichen: Wegzug von Unternehmen ermöglicht Feuerwehr-Neuplanung

Nidderau. Bei der mit Spannung erwarteten Bürgerinformationsveranstaltung zu drei Großprojekten der Eicher Ortsentwicklung hat die Verwaltung am Dienstagabend in der Kultur- und Sporthalle Heldenbergen vor allem im Bezug auf den Bau des neuen Feuerwehrhauses überraschende Neuigkeiten vorgestellt.

Von Jan-Otto Weber

Durch die Aufgabe der letzten noch verbliebenen Gewerbeimmobilie der Schönecker Firma Jung und Schmitt auf dem ehemaligen Dillmann-Areal am Wiesengrund in Eichen, wird neben dem Bau eines Feuerwehrhauses auch eine weitere Wohnbebauung ermöglicht.

Zunächst eröffnete Stadtverordnetenvorsteher Gunther Reibert (SPD) die Versammlung jedoch mit einer erschütternden Nachricht: Die mit der Planung des Projektes betraute Nidderauer Architektin Miriam Semmerau ist am Montagabend völlig unerwartet verstorben. Reibert rief deshalb zu einer Schweigeminute auf.

Wie genau es nun mit der Umsetzung des Projektes weitergeht, konnte Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) vor dem Hintergrund dieser tragischen Umstände nicht erläutern. Die Stadtverordneten sollen aber nach Erörterung in den Ausschüssen in einer Zusatzsitzung am 13. Dezember grundsätzlich darüber entscheiden, ob die neue Planung verfolgt wird.

Demnach soll das Feuerwehrhaus nicht mehr in die noch bestehende Dillmann-Halle von 850 Quadratmetern Grundfläche integriert werden. Stattdessen würde auf Vorschlag der Verwaltung die Halle abgerissen und ein Neubau mit etwa 486 Quadratmetern Grundfläche zur Straße am Wiesengrund hin errichtet.

„Das Feuerwehrhaus entspräche immer noch der DIN und wäre größer als in Erbstadt oder Ostheim“, so Schultheiß. „Es orientiert sich am neuen Gerätehaus in Kaichen, das wir bereits vor einigen Jahren mit der damaligen Wehrführung und dem Vorsitzenden Thomas Maxheim besichtigen konnten.“

Möglich wird die jetzige Neuplanung vor allem durch den Abriss eines Trafo-Häuschens, das für die Stromversorgung der benachbarten Betriebshalle von Jung und Schmitt bisher unerlässlich war und eine Baulast für die Stadt darstellte.

Michael Frese, Geschäftsführer des Kilianstädter Unternehmens, sagte dazu am Dienstagabend: „Wir haben die Lagerhalle im Jahr 2012 von Dillmann erworben und waren dort nun die letzte verbliebene Gewerbeinsel. Allerdings haben wir jetzt die Möglichkeit, im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord ein neues Außenlager zu errichten, weshalb wir die Fläche am Wiesengrund räumen.“ Und Schultheiß ergänzte: „Dadurch unterliegen wir in Sachen Trafo-Station und Stromleitungen nun keinen Zwängen mehr und können komplett neu denken.“

Geplant ist, über einen städtebaulichen Vertrag mit Jung und Schmitt die durch die Verlegung des Feuerwehrhauses zusätzlich gewonnene städtische Fläche, die insgesamt 1125 Quadratmeter beträgt, gemeinsam mit der Fläche von Jung und Schmitt von 5946 Quadratmetern für Wohnbebauung zu vermarkten. Der gutachterlich ermittelte Marktwert des Grundstückes betrage 215 Euro pro Quadratmeter, so Schultheiß. Wobei er betonte, dass der tatsächliche Verkaufspreis wesentlich von den Vorstellungen von Jung und Schmitt abhängen werde.

Auch die Zuschüsse und das Investitionsdarlehen des Landes seien weiterhin gesichert, so Schultheiß. Allerdings seien die ursprünglich angesetzten Kosten von 1,3 Millionen Euro aus dem Jahr 2015 durch jährliche Kostensteigerungen im Baugewerbe von etwa sechs Prozent nicht mehr zu halten. „Das Büro Semmerau hat zuletzt mit 1,6 bis 1,9 Millionen Euro kalkuliert.“

Die Vertreter der Eicher Feuerwehr äußerten sich auf Nachfrage unserer Zeitung am Mittwoch zunächst zurückhaltend zur neuen Entwicklung. „Wir müssen uns erst einmal die Pläne genau anschauen“, sagte der Vorsitzende Thomas Maxheim. „Was wir damals in Kaichen gesehen haben, war in der Art und Weise in Ordnung.“ Für ihn sei entscheidend, wie jetzt der Zeitplan aussehe, schließlich werde über das neue Feuerwehrhaus schon seit 2010 diskutiert. „Dass man nun noch einmal neu nachdenkt, ist ok. Was mir nicht gefällt ist, dass das alles so still und heimlich über die Bühne gegangen ist.“

Auch Wehrführer Jens Racky, gegen den derzeit vonseiten der Stadt ein Ausschlussverfahren aus der Feuerwehr läuft (wir berichteten), hätte sich vorab Informationen gewünscht. „Der Konflikt mit der Stadt ist ja auch durch das Feuerwehrhaus eskaliert“, meint er. „Informationen hätten da Wind aus den Segeln nehmen können.“

Bürgermeister Schultheiß verwies am Dienstagabend nach der Sitzung auf Nachfrage darauf, dass Jung und Schmitt die endgültige Entscheidung zur Aufgabe des Standorts erst kurzfristig getroffen habe. Die eigenmächtige Neuplanung in der Sache begründete er mit seinem Antragsrecht nach der Hessischen Gemeindeordnung.

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