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Dioramen-Bauer stellen Kämpfe aus Dreißigjährigem Krieg nach

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Nidderau. Nächstes Jahr jährt sich der Beginn des Dreißigjährigen Kriegs zum 400. Mal. Zu diesem Anlass soll eine Ausstellung aktualisiert werden, die seit acht Jahren in Hanau während des Lamboyfests gezeigt wird. Deshalb entstehen derzeit in Windecken drei neue Dioramen, an denen Rainer Stephan und Dirk Klitsch arbeiten.

Von Thomas SeiferDer Religionskrieg, der von 1618 bis 1648 in Europa wütete, brachte auch über das heutige Hessen Tod und Verwüstung. Denn während der 30 Jahre Kriegshandlungen zogen unzählige Heere und versprengte Truppen durch die Gegend und hinterließen verbrannte Erde.

Historiker Erhard Bus aus Windecken hatte vor Jahren schon zur Belagerung Hanaus durch kaiserliche Truppen eine Ausstellung konzipiert, bei der Dioramen von Mathäus Steiger historische Szenen veranschaulichten. „Zur 400. Wiederkehr des Kriegsbeginns wollten wir die Ausstellung, die immer während des Lamboyfests in der Alten Marienkirche zu sehen ist, etwas aufpeppen und zeigen, wie vor allem die Bevölkerung des Umlands unter den Kriegshandlungen gelitten hat“, erklärt Bus.Duo überzeugt BusSeit seiner Kindheit kennt der Windecker seinen Nachbarn Rainer Stephan. Der wiederum hat seit vielen Jahren ein Hobby, das nicht nur handwerkliches Geschick und eine künstlerische Ader verlangt, sondern auch historisches Wissen voraussetzt: Stephan baut Dioramen nach historischem Vorbild. Und da man sich in der Szene der Minifiguren kennt, tat sich der Windecker mit Dirk Klitsch zusammen, der demselben Hobby frönt und in Altenstadt wohnt.

Dieses Duo überzeugte Erhard Bus, für die Ausstellung in Hanau drei neue Dioramen zu bauen, die sich mit Ereignissen am Windecker Wartbaum, am Ostheimer Tor in Windecken und in Eichen auseinandersetzen (siehe Infokasten).Verschiedenste Materialien kommen zum EinsatzSeit Wochen sind Stephan und Klitsch damit beschäftigt, diese historischen Ereignisse mit Minifiguren nachzustellen. Den Part des Gebäudebauers hat der Windecker übernommen, der eigens für das in seiner Heimatgemeinde spielende Diorama einen Ordner angelegt hat mit Fotos der heutigen Straßensituation, historische und aktuelle Straßenpläne, Baupläne des Ostheimer Tors und wichtigen Dokumenten zu diesem Vorfall.

Material wie Styropor, Styrodur, Pappe, Balsaholz, Papier aber auch Zinn und Holzstäbchen zum Umrühen von Kaffee verwendet Stephan für den Nachbau der damaligen Szenerie. „Es gibt im Modellbau verschiedene Teil zum Beispiel Platten für Dächer, aber das Straßenpflaster habe ich in eine Styrodorplatte geritzt“, verrät der Dioramen-Bauer.Historisch korrektes Aussehen wichtigNicht minder diffizil ist die Arbeit von Dirk Klitsch, der sich seit dem 16. Lebensjahr mit Zinn- oder Plastikfiguren befasst und sich auf die Herrscherzeit Napoleons mit dem Spanischen Erbfolgekrieg, der Auseinandersetzung mit Österreich und den Russlandfeldzug spezialisiert hat. „Ich bemale die Minifiguren nicht nur, sondern verändere sie auch, damit sie historisch korrekt aussehen“, stellt Klitsch fest. Und so findet sich im halb fertigen Eicher Diorama auch eine Reiterfigur ohne Kopf, die noch nachmodelliert werden muss.

Überhaupt legen Bus, Stephan und Klitsch sehr großen Wert auf Authentizität. So stellte der Historiker bei einem Besuch bei den Dioramen-Bauern fest, dass eine als Pfarrer vorgesehene Figur einen Mönch darstellt. „Da müssen wir also noch nacharbeiten“, so das Fazit von Stephan und Klitsch, denn Ordensbrüder gab es bei den Reformierten nicht.Erste Erfahrungen bei der Ausstellung „200 Jahre Schlacht bei Hanau“ gesammeltGanz ohne Erfahrung in der Umsetzung von lokalen historischen Ereignissen für Dioramen sind Stephan und Klitsch nicht, gemeinsam haben sie Szenerien für eine Ausstellung im Jahr 2013 zu „200 Jahre Schlacht bei Hanau“, die im Schloss Philippsruhe stattfand, gebaut. Nachgestellt wurde der Aufmarsch der Truppen und eine Totenbergung aus der Kinzig.

Wieviel Zeit sie bislang in den Bau der drei Dioramen des Dreißigjährigen Kriegs gesteckt haben, können Stephan und Klitsch nicht beziffern, auch nicht wieviele Stunden noch vergehen werden, bis ihre drei Werke den gestrengen Blicken der Schöpfer und ihres Mentor Bus standhalten. Aber bereits im jetzigen Zustand sei der Hinweis erlaubt: Es lohnt sich allein wegen der Dioramen im nächsten Jahr die Ausstellung in der Hanauer Alten Marienkirche zu besuchen.Die Ausstellung „400 Jahre Beginn des 30-jährigen Kriegs“ in der Alten Marienkirche in Hanau ist während des Lamboyfests vom 8. bis 10. Juni geöffnet. Geplant ist, dass die Dioramen im Jahr 2019 noch einmal in Gelnhausen gezeigt werden.

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