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Mehrere Dutzend Menschen leben nach wie vor in dieser Lagerhalle im Gewerbegebiet Am Lindenbäumchen in Heldenbergen. Einige der Geflüchteten wohnen hier bereits seit vier Jahren. Die Lebensumstände sind menschenunwürdig, bieten keinerlei Privatsphäre. Doch derzeit gibt es noch keine Alternativen zur Unterbringung.

Die Situation in den Flüchtlingsunterkünften

Die Corona-Pandemie verschärft die Situation in Sammelunterkunft für Flüchtlinge

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Die Situation in der Sammelunterkunft für Flüchtlinge an der Liebigstraße in Heldenbergen hat sich durch die Corona-Krise noch einmal verschärft.

Unter den Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung und der Verwaltung besteht ohnehin schon seit langem Konsens, dass die Unterkunft aufgrund der menschenunwürdigen Lebensbedingungen so schnell wie möglich aufgelöst werden soll. In einer Stellungnahme des Fachbereichs 50 von Februar heißt es: „Die Spannungen unter den Bewohnern nehmen immer weiter zu. Das Zusammenleben ohne Privatsphäre ist nicht länger zumutbar.

45 Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft

Zurzeit leben 45 Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft, einige schon seit April 2016.“ Sowohl der Haupt- und Finanz- als auch der Sozialausschuss haben in ihren März-Sitzungen entschieden, einem FWG-Antrag zur schnellstmöglichen Auflösung der Unterkunft zuzustimmen. Dies soll jedoch erst geschehen, wenn die Unterbringung der Bewohner sichergestellt ist. 

Die Verwaltung arbeite mit Nachdruck an einer Lösung, etwa die Beschaffung von Containern. Denn der angestoßene Sozialwohnungsbau in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG am Jugendzentrum Blauhaus in Windecken wird noch dauern, zumal nicht alle Geflüchtete einen Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben. Laut einer Aufstellung der Verwaltung vom Dezember 2019 zahlt die Stadt Nidderau pro Jahr allein für den Sicherheitsdienst in der Sammelunterkunft Liebigstraße rund 143 000 Euro. Die jährlichen Gesamtkosten inklusive Miete, Reinigung, Strom, Wasser und Heizkosten betragen im Jahresmittel 276 000 Euro. 

Krise und schwierige Lebensumstände

Zu den ohnehin schon schwierigen Lebensumständen kommt nun auch noch die Corona-Krise. „Letztendlich müssen wir die wegen der Pandemie erlassenen Allgemeinverfügungen auch auf die Bewohner der Liebigstraße herunterbrechen“, erläutert Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Unterkunft gilt quasi als häusliche Gemeinschaft.“ Die Flüchtlinge leben in der ehemals als Lagerhalle genutzten Immobilie im Gewerbegebiet Am Lindenbäumchen in Bereichen, die nur durch Stellwände provisorisch voneinander getrennt sind. „Wir hatten die Bewohner zuvor schon so gut wie möglich in dem Gebäude verteilt“, erläutert Vogel. 

„Natürlich haben wir sie über die Gefahren durch das Coronavirus informiert und Hygienemaßnahmen wie Anleitungen zum Händewaschen in mehreren Sprachen ausgehängt. Aber das Abstandhalten ist für die Menschen aus diesem Kulturkreis gerade bei Begrüßungsritualen schwierig.“ Für die Einrichtung gilt ein Besuchsverbot, die Sicherheitsleute und die Sozialarbeiter blieben so weit möglich auf Distanz. Wie der Stadtrat gegenüber dem HA weiter erklärte, biete das Land Hessen am Standort Kassel Calden verschiedene Containerwohnanlagen für Kommunen kostenlos an. 

Eine Entscheidung wird getroffen

„Für zwei dieser Anlagen haben wir uns nach vorheriger Besichtigung verbindlich beworben“, so Vogel. Für die Demontage, den Transport sowie die Aufstellung am neuen Standort rechnet er mit Kosten für die Stadt von 60 000 bis 90 000 Euro. Eine Entscheidung, welche Kommune den Zuschlag für die Containeranlagen bekomme, werde vom Landesbetrieb Bau und Immobilien getroffen. Generell sei noch offen, wie und wann die Containeranlagen an die Kommunen übergeben würden. Parallel dazu habe die Stadtverwaltung bei verschiedenen Anbietern Preise für Ankauf und Miete von Containeranlagen eingeholt. Ebenso wie Angebote über die Vorbereitung möglicher Grundstücke und deren Erschließung. 

Als Standort habe sich zum Beispiel ein Grundstück am Sportplatz in Ostheim bewährt, wo während der Flüchtlingsbewegung 2015 schon einmal Container waren. „Das würde den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Ostheimer Feuerwehr entgegen stehen“, so Vogel. „Aber wir müssen abwarten, ob das Fest überhaupt wie geplant stattfinden kann.“ 

Mit dem Vermieter der Liebigstraße sei sicherheitshalber vereinbart worden, den zum 31. Juli auslaufenden Mietvertrag um drei Monate verlängern zu können, um nach Auszug der Bewohner die vertragliche Rückbauverpflichtung zu erfüllen beziehungsweise um die Unterbringung der Bewohner zu gewährleisten, sollten insgesamt zeitliche Verzögerungen erfolgen. In diesem Fall soll nach Beschlussempfehlung der Ausschüsse die Stadtverordnetenversammlung rechtzeitig informiert werden.

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