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Abruptes Ende einer intensiven und unbeschwerten Zeit in Washington: Am 18. März reiste Emma Grünke – hier ein Bild aus der Vor-Corona-Epoche vor dem US-Capitol – zurück nach Deutschland.

Corona-Panedemie

Emma Grünke und Christine Leinert mussten früher als geplant aus den USA zurückkehren

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Es trifft nicht nur Urlauber, sondern auch ehrenamtliche Mitarbeiter sozialer Einrichtungen, Praktikanten und Freiwilligendienstleistende. Viele müssen ihre Aufenthalte im Ausland abbrechen und nach Deutschland zurückkehren. 

Früher als geplant sind auch zwei junge Frauen der Gemeinde Hanau der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nach Hause geflogen und finden sich hier in der Quarantäne – und im Ausnahmezustand – wieder. Vom abendlichen Anruf des Missionspräsidiums am 11. März sei sie letztlich doch überrascht worden, sagte Christine Leinert. „Ich hatte die Hoffnung, meine Mission wie vorgesehen beenden zu können.“ Doch bereits drei Tage später saß die 20-Jährige im Flugzeug nach Frankfurt. 

Auch für Emma Grünke schienen zwei Monate genügend Zeit, ihre Mission in den USA abschließen zu können. Doch auch sie kam mit einem der letzten planmäßigen Flüge vom Reagan National Airport über Dallas nach Frankfurt am 18. März zurück zu ihrer Familie nach Nidderau. 

Erlebnisse als gute Basis, um mit der Situation klarzukommen

Beide Frauen begaben sich zunächst in eine zweiwöchige Quarantäne. Die beiden Missionarinnen hatten zum Zeitpunkt des Gesprächs mit unserer Zeitung via Skype ihr familiäres Umfeld noch nicht verlassen; sie kämpften noch ein wenig mit dem Jetlag, waren aber gesund und wohlauf. Die Zeitumstellung sei gerade das geringste Problem, vielmehr Reflexion und Anpassungsleistung erfordere, dass sie sich hier in einer absoluten Ausnahmesituation befänden. 

Erstaunlicherweise aber sind gerade die Erfahrungen in USA für die beiden gläubigen Christinnen eine gute Basis, mit der aktuellen Krisensituation gut zurechtzukommen. Emma Grünke und Christine Leinert hatten sich im Frühjahr 2018 dazu entschlossen, freiwillig für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage als Missionarinnen im Kirchendienst das Evangelium zu verkünden. „Für mich war es wichtig, mich selbst im Glauben zu stärken, die Schriften zu lesen“, sagte Abiturientin Leinert zu ihrer Motivation. Grünke meinte: „Die mentale Vorbereitung war mich ganz entscheidend. Ich musste meine Kenntnisse aufbauen und mich zu meinem Glauben so in Beziehung setzen, dass ich in Welt gehen konnte.“ 

„Mission Call“ führte nach Washington D. C. 

Die beiden jungen Frauen aus der Gemeinde Hanau haben sich ganz unabhängig voneinander um eine Mission beworben, die sie für 18 Monate in eine andere Kirchengemeinde führen würde. Wohin genau, darüber entscheidet das Präsidium im US-Bundesstaat Utah. Drei bis fünf Wochen etwa mussten sich die Bewerberinnen gedulden, bis das Ziel der Mission feststand; dann lag ein dicker A4-Briefumschlag mit den erforderlichen Unterlagen im Briefkasten. 

Das ist der aufregendste Moment überhaupt – Familie und Freunde wollten wissen, wohin die Reise gehen würde, freuten sich mit den jungen Missionarinnen. Der „Mission Call“ führte die beiden Frauen der Hanauer Gemeinde unabhängig, aber fast zeitgleich, nach Washington D. C., in die Hauptstadt der USA. Der Kontakt zur Familie beschränkte sich auf einen wöchentlichen Anruf, der Fokus lag ganz eindeutig auf der Mission. 

Kontakt mit den Menschen als Highlight

Erlebten gemeinsam ihre Missionszeit in der Hauptstadt der USA: Emma Grünke (links) und Christine Leinert.

Im Oktober 2018 begann diese für Leinert mit einem dreiwöchigen Aufenthalt gemeinsam mit anderen Christen aus aller Welt in der Missionsschule in Provo. Grünke war fünf Wochen dort, um eine Zusatzausbildung in einem Besucherzentrum zu absolvieren. Dann ging es für beide schließlich nach Washington. Dort waren die jungen Frauen in Wohnungen untergebracht und teilten sich ein Zimmer mit einer weiteren Missionarin. Beide bilden ein Team, das nach einem strukturierten Tagesablauf im Dienst der Mission zusammenarbeitet. „Alle sechs Wochen gab es die Möglichkeit eines Wechsels.“

 Da seien sie oft überrascht worden, aber es wäre letztlich immer die passende Partnerin für eine bestimmte Zeit gewesen. Morgens um 6.30 Uhr klingelte der Wecker und nach dem Frühsport ging es an das Studium der Schriften, es wurden Termine vereinbart oder andere Aktivitäten geplant. Die schönsten Erlebnisse waren tatsächlich, wenn Menschen Einladungen zum Gespräch oder zum Gottesdienst angenommen haben, so die beiden Rückkehrerinnen. 

Kontakt zu den Mentoren via Videoübertragung

„Wir konnten so vielen Menschen helfen. Christus konnte helfen, dass sich der Glaube verändert hat.“ Während ihrer Mission in Washington haben „Sister Grünke“ und „Sister Leinert“ mit sehr vielen Menschen gesprochen, unter anderem auch mit Obdachlosen nahe am Weißen Haus gebetet und die tiefe Erfahrung mit nach Hause genommen, dass Gottes Liebe trägt und hält. 

In Nidderau beziehungsweise in Alzenau sitzen die beiden jungen Frauen nun wie in einer Warteschleife. Die „Klostererfahrung auf Zeit“, die sie in den USA gemacht haben, hilft ihnen dabei, die Situation gelassen und zuversichtlich hinzunehmen. Sie können in der Anpassungsphase ihre Erfahrungen verarbeiten, können per Videoübertragung Kontakt zu ihren Mentoren halten. Bleiben wird den Missionarinnen eine intensive Beziehung zu Land und Kultur, eine enge Verbundenheit zu Menschen weltweit. 

Ralf Grünke vertritt die Gemeinde am Runden Tisch der Religionen in Hanau

„So nach und nach kann ich ein Gefühl dafür entwickeln, die Dinge so zu sehen, wie sie sind“, sagte Emma Grünke. Gerne würde sie mit ihren Freunde direkten Kontakt haben und ihre Ausbildung als Erzieherin beginnen. Die Zukunftspläne von Christine Leinert sind noch nicht so präzise, sie würde gerne ein naturwissenschaftliches Studium in Angriff nehmen.

Die Missionsarbeit der Kirche der Heiligen der letzten Tage findet zurzeit nur per Video statt, erklärt Ralf Grünke, Emmas Vater. Er vertritt seine Gemeinde am Runden Tisch der Religionen in Hanau und hat im vergangenen August das erste Hanauer Fest der Religionen mitorganisiert.

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