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Evi Diegel im Urlaubshoch über Ischia: Die Nidderauerin machte diese Aufnahme von sich selbst mit ihrem Handy.

Corona setzt Urlaub ein plötzliches Ende

Evi Diegel aus Eichen an Virus erkrankt – Vorsitzende der Nidder-Bühne noch in Quarantäne 

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Nicht nur, dass die 70-jährige Evi Diegel ihren Urlaub abbrechen musste. Seit ihrer Rückkehr sitzt sie in Quarantäne, da sie sich mit dem Corona-Virus infiziert hat. 

Es ist eine Tragikomödie, wie sie sich nicht einmal Evi Diegel besser hätte ausdenken können. Und das will etwas heißen, schließlich leitet die 70-Jährige das Theaterensemble Nidder-Bühne, seit dieses vor 35 Jahren gegründet wurde, und führt auch selbst Regie. Doch wenn ihr vor vier Wochen jemand gesagt hätte, dass sie wegen des Coronavirus' ihren Italien-Urlaub abbrechen muss und sogar selbst an Covid-19 erkrankt, hätte sie denjenigen für verrückt erklärt. 

Glücklicherweise ist die Krankheit milde verlaufen. „Bis ich wieder vor die Tür darf, herrscht wahrscheinlich allgemeines Ausgehverbot“, bringt Diegel ihre Situation humorvoll auf den Punkt. Dabei hatte die examinierte Altenpflegerin im Ruhestand ihre Reise auf die Insel Ischia im Golf von Neapel nach bestem Wissen und Gewissen am 1. März angetreten. „Ich hatte mich noch kurz zuvor beim Auswärtigen Amt und meinem Reiseveranstalter über die Lage informiert“, berichtet Diegel. „Ich hatte eine wunderschöne erste Woche. Dort im Süden von Italien war zu der Zeit noch nicht viel von Corona zu merken.“ 

Keine besonderen Anweisungen am Flughafen

Das sollte sich bald ändern. Zwar seien sonntags, am 8. März, noch Gäste aus Deutschland angereist, berichtet Diegel. Doch schon zwei Tage später macht beim Frühstück das Gerücht die Runde, das Hotel werde noch am selben Tag geräumt. Tatsächlich bestätigt die Reiseleitung die Information kurze Zeit später. Schon um 11.30 Uhr werden Diegel und die anderen Gäste in Kleinbussen zur Fähre gebracht. „Auf der Fähre sollten wir dann Abstand voneinander halten“, erklärt Diegel, die die Anweisungen ernst nimmt, grundsätzlich jedoch gelassen bleibt. 

Selbst als sie die Information erhält, dass sie nicht nach Frankfurt, sondern nach Düsseldorf geflogen wird, während andere Reisende vor dem Rückflug sogar noch eine Nacht auf dem italienischen Festland verbringen müssen. Irritiert reagiert Diegel erst, als sie abends irgendwann nach 21 Uhr in Düsseldorf landet. „Ich hatte damit gerechnet, dass sie uns wie schon am Flughafen in Italien mit Desinfektionsmittel überschütten“, schildert die 70-Jährige. „Doch es hat sich niemand für uns interessiert. Keine Sicherheitshinweise, keine Inaugenscheinnahme, nichts.“ 

Diegel war schockiert über Ergebnis 

Also tut Diegel selbst, was sie kann: Abstand halten, nichts und niemanden unnötig berühren, Hände waschen und desinfizieren. Da es schon spät ist, nimmt sie sich in einem Hotel am Flughafen ein Zimmer, wie vom Reiseveranstalter offeriert. Für die Fahrt nach Frankfurt am Mittwoch, 11. März, wählt sie mit Bedacht einen wenig ausgelasteten Zug am späten Vormittag. Eine Freundin holt sie am Hauptbahnhof in Hanau ab und bringt sie in ihre Wohnung nach Eichen. Dort wählt Diegel sogleich die Servicenummer 116–117, um ihren Fall zu schildern. „Eigentlich war für die Folgewoche eine OP geplant“, erklärt Diegel. „Ich wollte wissen, woran ich bin. Nach einer halben Stunde in der Warteschleife wurde mir gesagt, dass ich mich am nächsten Tag im Krankenhaus in Gelnhausen melden sollte.“ 

Also stellt sich Diegel am Donnerstagmorgen „im strömenden Regen“ in die Warteschlange an dem zur Teststelle umfunktionierten Flachbau. Sie erhält Mundschutz und Händedesinfektion. „Kommen Sie rein und fassen Sie nichts an“, so das Kommando, als Diegel an der Reihe ist. Nach dem Test erhält sie ein Infoblatt mit Verhaltensregeln und wird wieder nach Hause geschickt. „Als ich dann am Samstag gegen 16 Uhr einen Anruf von einer Ärztin bekam, dass der Test positiv sei, hat es mich erst mal aus den Socken gehauen“, sagt Diegel. „Ich hatte zwar schon länger gehüstelt, weil ich vor meinem Urlaub erkältet war, aber damit hatte ich nicht gerechnet.“ 

Viele Telefonate mit Freunden und Verwandten

Als Kontaktperson der vergangenen zwei Wochen kann sie nur ihre Freundin nennen, die sie am Bahnhof abgeholt hatte. „Sonst habe ich in den Hotels und am Flughafen ja niemanden gekannt“, erklärt Diegel. „Meine Freundin ist seitdem auch in Quarantäne, hat sich aber offenbar nicht angesteckt.“ Auch bei Evi Diegel bleiben die Krankheitssymptome vergleichsweise harmlos. Die Notfallnummer, die sie erhalten hat, muss sie nicht anrufen. „Ich hatte keinen Appetit und war sehr müde. Ich habe die Krankheit quasi verschlafen.“ Freundinnen gehen für sie einkaufen und stellen ihr die Sachen vor die Wohnungstür. Diegel holt die Einkäufe erst rein, wenn sie absolut sicher ist, dass sich kein Nachbar im Hausflur aufhält. Sie meidet sogar die Terrasse. Ein Neffe, der Arzt ist, lässt es sich nicht nehmen, sie per Ferndiagnostik zu überwachen. 

Diegel telefoniert viel mit Freunden und Verwandten. Langweilig wird ihr nicht, schließlich sind auch noch die kommenden Theateraufführungen der Nidder-Bühne vorzubereiten. Am meisten leidet sie darunter, Schulden wegen der unbeglichenen Einkäufe zu haben. „Ich bedanke mich bei allen Freunden und meiner Familie für ihre Hilfsbereitschaft und ihre tolle Unterstützung“, sagt Diegel. „Und besonders bei denen, bei denen ich jetzt finanziell in der Schuld stehe. Ich mache es wieder gut!“ Wann und wo sich Evi Diegel angesteckt hat – ob noch vor dem Urlaub in Deutschland oder in Italien – lässt sich nicht mehr nachvollziehen. 

Anfeindungen aus dem Umfeld

Am Donnerstag sind seit dem Test am Klinikum Gelnhausen jedenfalls zwei Wochen vergangen. Dann will Diegel telefonieren. Sie hofft, bald einen Untersuchungstermin zu erhalten, der sie für gesund erklärt. „Ich habe mir felsenfest vorgenommen, mir den Negativ-Bescheid schriftlich für die Hosentasche geben zu lassen.“ Denn leider habe sie feststellen müssen, dass es „jede Menge dummer Menschen“ gebe. 

„Einige haben auf die Nachricht meiner Infektion reagiert, als hätte ich die Pest“, sagt Diegel. „Sogar meine Freundin, die mich vom Bahnhof abgeholt hatte, wurde angefeindet, wie sie denn so was machen könne. Aber Freunde sind nun mal Freunde.“ Ihr erster Gang, wenn sie aus der Quarantäne entlassen ist? „Ich fahre zum Geldautomaten, um meine Schulden zu begleichen“, sagt sie, „denn Schulden zu haben, das hasse ich. Und dann werde ich einkaufen“, fügt sie amüsiert hinzu. „Klopapier und Nudeln habe ich aber noch.“

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