Auf eine Tasse Tee mit Phil Studebaker: Der CDU-Bürgermeisterkandidat im Gespräch mit HA-Redakteur Jan-Otto Weber auf der Terrasse seines Hauses im Wohngebiet Allee Süd in Windecken.
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Auf eine Tasse Tee mit Phil Studebaker: Der CDU-Bürgermeisterkandidat im Gespräch mit HA-Redakteur Jan-Otto Weber auf der Terrasse seines Hauses im Wohngebiet Allee Süd in Windecken.

Wahlen

Bürgermeisterwahl in Nidderau: Phil Studebaker (CDU) will mit offener Art überzeugen

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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Am 29. November findet die Bürgermeisterwahl in Nidderau statt. Zur Wahl stehen Andreas Bär (SPD) und Phil Studebaker (CDU). Wir stellen die Kandidaten vor. Den Auftakt macht Studebaker.

Nidderau – Phil Studebaker schaut an diesem Vormittag auf der Terrasse seines Hauses noch häufiger als sonst auf sein Smartphone, auf dem alle Kanäle seiner unternehmerischen Tätigkeiten und seiner Wahlkampfaktivitäten zusammenlaufen. Es ist der Tag nach der Präsidentschaftswahl in den USA.

Wurzeln von Studebaker liegen in den USA

Der zweifache Vater verfolgt die Entwicklungen jenseits des Atlantiks besonders aufmerksam. Denn er hat eine besondere Beziehung zu den Staaten. „Mein Vater ist Amerikaner“, erklärt Studebaker, dessen Name deshalb auch mit englischem Slang ausgesprochen wird. „Manche sagen auch ‘Störtebeker’ – wie der Pirat“, lacht der CDU-Bürgermeisterkandidat. „Aber das stört mich nicht weiter.“

In seiner Familie – sowohl in Deutschland als auch in den USA – lägen die Sympathien beim demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. „Für mich persönlich sind beide Kandidaten nicht optimal“, erklärt Studebaker. „Ich hätte mir jüngere Bewerber gewünscht.“

Harter Wahlkampf in den sozialen Medien

So gesehen kann der 41-Jährige mit dem Wettbewerb in Nidderau zufrieden sein, denn sein Kontrahent Andreas Bär ist sogar noch ein wenig jünger als er. Mit Sorge blicken Studebaker und seine Frau Simone, die Lehrerin an der örtlichen Bertha-von-Suttner-Schule ist, jedoch auf den Ton, der zum Teil von Unterstützern beider Lager in den sozialen Medien und hinter vorgehaltener Hand angeschlagen wird.

Eine Insolvenz sei ihm da etwa nachgesagt worden. Und erst vor wenigen Tagen habe das Landgericht Hanau eine einstweilige Verfügung gegen einen Mann erlassen, der wiederholt Anschuldigungen gegen ihn vorgebracht habe. „Jetzt kann ich mich wieder voll auf den Wahlkampf konzentrieren.“

Studebaker kam als Kind nach Deutschland und wächst in Nidderau auf

Geboren ist Phil Studebaker in den USA. Als er zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Deutschland, später dann nach Nidderau, in den Castellring in Heldenbergen. Er besuchte den Kindergarten in Eichen, da in Heldenbergen kein Platz gewesen sei. Daher ist ihm auch der Spielplatz an der Höchster Straße in guter Erinnerung, der ja momentan als Standort für ein Alten- und Pflegezentrum im Fokus einer emotionalen Debatte steht.

Eine Zäsur seiner Kindheit bildete eine spät entdeckte Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Der Grundschüler musste einen Spreizgips tragen und musste nach der Zeit im Rollstuhl das Laufen mühsam wieder Erlernen. „Ich habe also damals schon Erfahrungen mit Homeschooling gemacht“, blickt Studebaker mit Humor auf diese Zeit. „Es ist lange her, aber die Lage der Schüler zu Zeiten von Corona kann ich ein wenig nachempfinden.“

Als Flugbegleiter viele Länder kennengelernt

Dem Besuch der Bertha-von-Suttner-Schule folgte das Abitur an den Kaufmännischen Schulen in Hanau und eine Ausbildung zum Flugbegleiter. „Für mich war klar, dass ich vor meinem Studium etwas von der Welt sehen will und fremde Kulturen kennenlernen möchte. Der Beruf machte mir möglich, was man sich als 20-Jähriger sonst nicht leisten kann“, so Studebaker pragmatisch.

Tatsächlich habe er auf seinen Auslandsflügen regelmäßig mehrere Tage Aufenthalt an den Zielorten gehabt. Der erste Flug führte gleich nach Bangkok. Andere Traumziele wie die Malediven oder Dubai folgten. Beeindruckt hat ihn in diesen zwei Jahren vor allem der hohe Technisierungsgrad in Asien. „Das Internet war damals schon weiter als bei uns in Deutschland“, erinnert sich Studebaker, der heute noch auf seinen Inlandsreisen vielerorts in Funklöchern steckt. Und auch wenn er die deutschen DIN-Vorschriften und die Arbeitssicherheit schätzt, wünscht er sich doch manchmal mehr von den unbürokratischen Arbeitsprozessen, wie man sie in Asien findet.

Beruflicher als Promoter erfolgreich

Als „unbürokratisch“ könnte man auch Studebakers Einstieg ins Berufsleben bezeichnen. Zumindest hatte er ihn nicht von langer Hand geplant. „Ich war während meines Stipendiums der Siemens AG mit dem Abschluss des Internationalen Volkswirtschaftsstudiums in Paderborn als Promoter tätig, unter anderem für den Kamera-Hersteller Canon. Es lief so gut, dass ich bald mit meiner ersten eigenen GbR als Regionalbetreuer für Canon tätig wurde.“

Die Aufträge verschiedener Unternehmen häuften sich. „Irgendwann kam das Pharmaunternehmen Bayer auf mich zu. Also gründete ich mit einem Partner 2007 eine neue GbR. Unser Team stellte Produkte bei Fachmessen vor, organisierte Präsentationsreisen in verschiedenen Städten, konzipierte Werbestände für Läden. 2014 folgte die Umwandlung in eine GmbH, um besser abgesichert zu sein.“

Bürgermeisterkandidat hat Unternehmen in Nidderau gegründet

Heute ist Studebaker einer von zwei Geschäftsführern dieser Marketing- und Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Darmstadt, wo er sechs festangestellte Mitarbeiter beschäftigt. Das Netzwerk, innerhalb dem Studebaker Aufträge umsetzt, umfasst jedoch mehrere Partner und Gesellschaften, um Synergien zu nutzen.

„Vielschichtigkeit ist auch mit Blick auf die Stadtverwaltung ein wichtiger Punkt, den ich einbringen kann.“ Zudem hat er 2016 in Nidderau mit einem Partner ein Unternehmen für Sport und Sporternährung gegründet.

Studebaker gefällt die Ehrlichkeit der Nidderauer

Falls er Bürgermeister werden sollte, würde er seine Tätigkeit als Geschäftsführer selbstverständlich ruhen lassen und nur noch als Gesellschafter fungieren, versichert Studebaker, der als „Nidderauer Bub“ ein offenes Wort und die Mentalität seiner Mitbürger schätzt.

„Die Nidderauer sprechen alles direkt an“, findet Studebaker, „sie tragen das Herz auf der Zunge. Deshalb freue ich mich auch immer darüber, wenn ich mit den Leuten ins Gespräch komme. Schon häufig konnte ich dabei mit Vorurteilen aufräumen und mein Gegenüber mit meiner offenen Art überzeugen.“

Das Porträt zu Andreas Bär (SPD) finden Sie hier.

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