Fünf Geflüchtete aus Afghanistan machen derzeit eine Ausbildung als Berufskraftfahrer. Beim Gespräch dabei: Sharon Schaad von der Firma Expresslogistik Maintaler, Fachdienstleiter Holger Nix und Flüchtlingsbetreuer Alexander Frei (Dritte, Vierter und Fünfter von links). Foto: Seifert

Nidderau/Bruchköbel

Brummifahrer sind gesucht: Flüchtlinge beginnen Ausbildung

Nidderau/Bruchköbel. Seit einigen Wochen haben fünf junge Männer aus Afghanistan eine neue Zukunftsperspektive: Sie machen eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer bei Firmen in Nidderau und in Bruchköbel. „Ein Gewinn für beiden Seiten“, betonte Flüchtlingsbetreuer Alexander Frei gegenüber dem HA.

Von Thomas Seifert

Holger Nix, Fachdienstleiter Kinder- und Jugendförderung/Flüchtlingsbetreuung stimmte dieser Einschätzung vorbehaltlos zu. „Nach der ersten Phase mit der Unterbringung, Versorgung und dem Angebot von Deutschkursen kommt jetzt die viel schwierigere Aufgabe auf uns zu, die Geflüchteten in Arbeitsverhältnisse oder in Ausbildungsverhältnisse zu vermitteln und ihnen dann bei der Suche nach eigenen Wohnungen unter die Arme zu greifen.“

Nix kann zumindest in Ansätzen verstehen, wenn vor allem junge Männer jede Arbeit annehmen und Geld verdienen wollen. „Das ist aber zu kurz gedacht“, stimmte Alexander Frei bei, „denn als Hilfsarbeiter haben die Geflüchteten keinerlei Zukunftsaussichten, sind bei nachlassender Konjunktur die Ersten, die dann auf der Straße stehen“. Allerdings, weiß auch Nix, ist die Spannbreite der Bildungsvoraussetzungen bei den Flüchtlingen groß, reicht von Analphabeten über Facharbeiter bis zu Akademikern, das erleichtere die Aufgabe nicht.

Die städtischen Flüchtlingsbetreuer jedenfalls haben in der mit derzeit 62 Menschen belegten Gemeinschaftsunterkunft im Gewerbegebiet „Am Lindenbäumchen“ in Heldenbergen diese Aufgabe in die Hand genommen und mit den an einem Ausbildungsplatz interessierten Gespräche über berufliche Vorkenntnisse geführt. So ergab sich, dass drei der fünf Afghanen bereits vor ihrer Flucht vor drei Jahren als Fahrer von Minibussen oder als Chauffeure erste Erfahrungen in diesem Berufsfeld gemacht hatten.

„Wir haben den jungen Männern auch klipp und klar gesagt, dass ohne ausreichende Sprachkenntnisse die Vermittlungschancen nicht gut stehen“, betonte Frei. Alle fünf Geflüchteten im Alter zwischen Anfang und Mitte 20 habe deshalb auch die von der örtlichen Flüchtlingshilfe angebotenen Deutschkurse besucht und besuchen sie weiterhin, denn Kommunikation sei das A uns O bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Dem kann Sharon Schaad, Personalverantwortliche bei der Bruchköbeler Niederlassung der Firma Expresslogistik Maintaler, nur zustimmen: „Ohne ausreichende Deutschkenntnisse können unsere Ausbilder den jungen Männern nicht das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um später die Prüfung am Ende der Ausbildung erfolgreich abschließen zu können. Dasselbe gilt für den Besuch der Berufsschule in Wetzlar, wo die Azubis Blockunterricht erhalten“. Ihre beiden „Schützlinge“ jedenfalls beherrschen die deutsche Sprache ausreichend gut, auch die Kommunikation mit Kollegen klappe.

Vorbehalte gegen die Beschäftigung habe es in der allein 150 Köpfe in Bruchköbel zählenden Belegschaft nicht gegeben, „bei uns arbeiten Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern, wir schauen auf die Person, nicht auf die Nation“, betonte Sharon Schaad.

Auch die drei zukünftigen Berufskraftfahrer, die in Nidderau bei einer Firma, die nicht genannt werden will, eine Ausbildung absolvieren, berichten von Arbeitgeber und Kollegen nur Gutes. Man habe sie freundlich und zuvorkommend aufgenommen, es würden keine Unterschiede gemacht, sie fühlten sich angekommen. „Für die Chance, eine zukunftssicheren Beruf zu erlernen, sind wir sehr dankbar. Vor allem Alexander Frei hat sich sehr engagiert, um uns diese Ausbildungsplätze zu ermitteln“, sprach Najeebullah Wahidi seinen Kollegen Hakim Khadime, Ali Semani, Hosin Khawari und Ahad Nasseri aus dem Herzen.

Doch noch liegt ein langer Weg vor den fünf Afghanen, denn die Ausbildung dauert drei Jahre. Zunächst heißt es als Beifahrer die Betriebsabläufe kennenzulernen, dann müssen die Führerscheine B, C und CE gemacht werden, technische Fertigkeiten und die Fähigkeit, den Lkw zu warten und kleinere Reparaturen erledigen zu können, müssen erlernt werden. Dazu kommt die Kenntnis der umfangreichen Vorschriften zur Beförderung von Gütern, zum Beispiel auch von Gefahrengütern.

Doch alle fünf jungen Männer sind zuversichtlich – und werden von Frei und Nix darin bestärkt – dass sie am Ende ihrer Ausbildung den begehrten Nachweis in Händen halten, der sie als Berufskraftfahrer ausweist. „Da wir weiterhin expandieren, übernehmen wir in der Regel alle unsere Auszubildenden“, fügte Sharon Schaad hinzu.

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