Eine Infotafel am Eingang des Waldes gibt eine erste Orientierung und weist auf den besonderen Ort hin. Foto: Thomas Seifert

Nidderau

Bestattungswald in Nidderau ist Erfolgsgeschichte

Nidderau. Bei Regina Wilke klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist eine Mitarbeiterin einer Pietät, die einen Bestattungsplatz an einem der Bäume im neuen, zweiten Areal des Bestattungswalds zwischen Eichen und Ostheim ordert.

Von Thomas Seifert

„Seit der Bestattungswald im Mai 2015 eröffnet worden ist, haben wir alle 725 Urnenplätze an den 61 Bäumen im ersten Abschnitt verkauft“, berichtet die Friedhofsverwalterin der Stadt. Auch an den 47 Bäumen im neuen 1,5 Hektar großen Waldstück haben bereits erste Urnenbestattungen stattgefunden.

Wilke ist seit der Eröffnung des Bestattungswalds bei der Stadt beschäftigt und managt die Friedhöfe in den fünf Stadtteilen. Der Bestattungswald sei eine Erfolgsgeschichte, sagt sie. Gut die Hälfte der Urnenplätze wurden von Auswärtigen gekauft. „Wir hatten sogar schon Käufer von der Nordseeküste“, berichtet die Verwaltungsmitarbeiterin.

Ruheplatz schon zu Lebzeiten aussuchen

„Das Besondere am Bestattungswald ist, dass man sich schon zu Lebzeiten seinen künftigen Ruheplatz aussuchen kann. Da gibt es mitunter auch skurrile Gespräche, wenn sich Partner nicht gleich auf den Baum einigen können, an dem ihre Urne einmal begraben werden soll“, erzählt Wilke vor Ort.

Bis zum heutigen Tag haben über 450 Beisetzungen im Bestattungswald stattgefunden, die ersten auch bereits im zweiten Abschnitt. Um diesen zu erschließen, wendete die Stadt rund 50 000 Euro für den Wegebau und Verkehrssicherungsmaßnahmen auf. Ein 200 Meter langer Rundweg mit einer Breite von 1,50 Meter, der in naturnaher Ausführung gebaut worden ist, schlängelt sich durch das Waldstück und trifft in der Nähe der Andachtsstätte auf den Hauptweg von Abschnitt eins. „Noch ist der Untergrund sehr weich, doch er wird schnell auch für Rollstuhlfahrer gut zu bewältigen sein. Denn das Gelände ist fast eben“, verspricht Wilke.

Zweiter Abschnitt ist in Planung

Ein weiterer ebenfalls rund 1,5 Hektar großer Bereich wird noch als Reserve vorgehalten. „Wenn man bedenkt, dass die ersten über 725 Grabungsstätten innerhalb von nicht einmal vier Jahren verkauft worden sind und die Liegezeit 25 Jahre beträgt, dann kann man sich leicht ausrechnen, wann auch der zweite Abschnitt ausverkauft sein wird“, so Wilke.

Vor Freigabe des zweiten Abschnitts wurden mit dem Revierförster die späteren Bestattungsbäume festgelegt. „Da gibt es bei den Käufern ganz unterschiedliche Präferenzen. Manche wollen Begräbnisstätten direkt am Weg, andere eher weit entfernt, direkt an der Grenze des Areals. Und einer hat gleich einen ganzen Baum gekauft, das kostet dann schon mal über 10 000 Euro“, berichtet die Fachfrau.

Üblicherweise können an jedem der ausgesuchten Bäume zwölf Urnen bestattet werden. Lediglich kleine Namensschilder mit den Lebensdaten werden an die Baumstämme genagelt, die alle, bis auf kleine Schmuckgravuren, gleich aussehen.

Erlaubt sind nur Urnen, die biologisch abbaubar sind

Für einen Platz berechnet die Stadt Nidderau den Käufern 884 Euro, hinzu kommen weitere 229 Euro für die Bestattung und 15 Euro für das Namensschild. Auch anonyme Bestattungen sind möglich. Erlaubt sind nur Urnen, die biologisch abbaubar sind. Außerdem ist jeder Schmuck am Bestattungsplatz oder an den Bäumen verboten, auch Anpflanzungen sind nicht erlaubt.

„Der Bauhof kontrolliert zwar das Gelände, aber ich gehe immer wieder über das Areal und sammele Dinge wie Kreuze, Kerzen, Schleifen Herzen, Plastikblumen, Plastikeier oder Plastikvögel ein und bewahre sie sechs Monate auf, damit Angehörige ihre Sachen abholen können. Es gibt eine Benutzungsordnung, an die sich alle Hinterbliebenen einfach halten müssen, denn der Sinn eines Bestattungswald ist ja, dass das Gelände so naturnah wie möglich bleibt“, betont Wilke.

Interesse an Baumbestattungen ist sehr groß

Neben dem Bauhof schaut auch der Förster regelmäßig nach den Bäumen, denn der Stadt obliegt die Verkehrssicherungspflicht „und da wäre ein herabstürzender Ast oder gar ein umgestürzter Baum eine Katastrophe“, berichtet Wilke. Zumal der Bestattungswald nahe der Kreisstraße und an einem Parkplatz liegt, der auch von Joggern stark frequentiert wird. Stellen die Fachleute Mängel fest, dann treten die Baumkletterer in Aktion – und deren Dienste sind nicht ganz billig. Denn der Bauhof kann auf dem Areal nicht mit Hubsteigern oder ähnlichem Gerät arbeiten. seien zum Glück noch nie Schäden auf dem Gelände festgestellt worden, so Wilke.

Da das Interesse an Baumbestattungen ungebrochen ist, gibt es inzwischen auf vier der fünf Stadtteilfriedhöfe diese besondere Beerdingungsmöglichkeit, einzig Windecken macht da eine Ausnahme. Da auf den Friedhöfen oft noch junge Bäume extra gepflanzt wurden, hat man in Ostheim zum Beispiel Eichenstelen vor die Bäume gestellt, an denen die Namensschilder angebracht werden können. Nicht gut angenommen wird dagegen eine Urnenwand auf dem Friedhof in Eichen, nur fünf Plätze sind dort bislang besetzt.

Weitere Informationen: Interessenten für einen Urnengrabplatz im Bestattungswald Nidderau können sich an die für alle Friedhöfe zuständige Verwaltungsmitarbeiterin Regina Wilke (Telefon 0 61 87/299–173, Fax 0 61 87/299–101 oder E-Mail regina.wilke@nidderau.de) wenden.

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