Über ein Dutzend Unfälle mit rund 30 Verletzten ereigneten sich allein in diesem Jahr auf der Ortsumgehung Nidderau, Abzweig Karben. Nach einem tödlichen Unfall im September 2016 starb am Mittwoch an dieser Stelle ein 65-jähriger Motorradfahrer. Foto: Jan-Otto Weber

Nidderau

B45: Lösung für Unfallschwerpunkt wird nun erwartet

Nidderau. Es ist eine Nachricht gewesen, die viele Menschen in Nidderau und Umgebung betroffen macht. „Ein 65-jähriger Kradfahrer ist am Mittwochmorgen auf der Bundesstraße 45 tödlich verunglückt“, lautete die Polizeimeldung.

Von Jan-Otto WeberDieses Ereignis ist umso tragischer, da sich sowohl die Stadtverwaltung als auch die Lokalpolitik seit Jahren für verkehrssichernde Maßnahmen auf der Ortsumgehung einsetzen. An der Stelle, wo die Kreisstraße 246 von Karben kommend auf die B45 stößt, hat es allein in diesem Jahr bereits über ein Dutzend Mal gekracht. Die traurige Bilanz waren bislang gut 30 Verletzte. Im September 2016 hatte es sogar schon einmal ein Todesopfer an der Stelle gegeben. Nun gibt es ein zweites.

Trotz Tempolimits von 70 Kilometern pro Stunde und einer durch Leitschwellen op-tisch abgetrennten Abbiege-spur, die den Verkehrsteilnehmern helfen soll, den Verkehrsfluss besser einzuordnen, kommt es beim Linksabbiegen von Hanau kommend in Richtung Karben immer wieder zu Unfällen.

Im Frühjahr hatte sich die Unfallkommission des Main-Kinzig-Kreises mit dem Thema befasst und der Stadt Nidderau die Aufstellung von übergroßen Warnschildern und eines fest installierten Blitzers empfohlen. Denn die regelmäßig durchgeführten Geschwindigkeitskontrollen mit Hilfe eines Blitzer-Anhängers der Polizei hätten ergeben, dass in der dortigen 70er-Zone häufig zu schnell gefahren werde. Umgesetzt wurden die Empfehlungen bisher noch nicht.

Blitzer seien falsche Maßnahmen

„Wir halten einen Blitzer für die falsche Maßnahme“, erklärte Bürgermeister Gerhard Schultheiß am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es kommt zu Unfällen, obwohl jetzt schon häufig an der Stelle geblitzt wird. Die Unfälle werden von den Linksabbiegern Richtung Karben verursacht. Ein Blitzer wird diese Abbiegefehler nicht beeinflussen. Es handelt sich um ein Wahrnehmungsproblem.“

Die Stadt plädiert deshalb für eine Ampelanlage oder einen Kreisel. Im Gegensatz zu einem Blitzer, der die Stadt rund 250 000 Euro kosten würde, wäre für solche Maßnahmen der Straßenbaulastträger zuständig, erklärte Schultheiß.

„Wir hatten noch am Vortag des Unfalls Polizeipräsident Roland Ullmann und Rainer Kraus, den Leiter der Polizeistation Hanau Land, im Rathaus zu Gast. Gemeinsam haben wir einen Ausblick auf die Sitzung der Unfallkommission am 7. November vorgenommen“, berichtete der Bürgermeister.

Die Stadt Nidderau habe diesmal keine Einladung zur Sitzung des Gremiums erhalten, erklärte Schultheiß. „Das ist alles sehr seltsam. Wir erwarten nun endlich eine ordentliche Lösung vom Verkehrslastträger Bund und Hessen Mobil und fordern, dass die Verkehrsbehörde des Main-Kinzig-Kreises den Ernst der Lage endlich anerkennt.“

Lokalpolitik stärkt Rücken

Die Lokalpolitik stärkt der Verwaltung in diesem Fall geschlossen den Rücken. Bereits im September 2018 verabschiedete die Nidderauer Stadtverordnetenversammlung einstimmig einen Antrag von SPD und Grünen, der die Einrichtung einer Ampel an dieser Stelle forderte. Dieser Beschluss wurde nach weiteren Verkehrsunfällen in diesem Jahr erneut durch einen Antrag der FWG in der Stadtverordnetenversammlung am 26. September einstimmig bekräftigt. Der Magistrat wurde damit beauftragt, erneut umgehend Kontakt mit Hessen Mobil aufzunehmen und sofortige und wirksame Maßnahmen zur Entschärfung des Unfallschwerpunkts einzufordern.

Nach dem tödlichen Unfall am Mittwoch meldeten sich die Fraktionen am gestrigen Freitag abermals zu Wort. „Viele besorgte Bürgerinnen und Bürger fragen sich völlig zu Recht 'Warum musste ein weiterer Mensch an dieser Kreuzung sterben?'“, so die gemeinsame Mitteilung. „Die Nidderauer Stadtpolitik handelt in dieser Frage bewusst mit einer Stimme und überparteilich, da das Leben und die Gesundheit der Menschen über parteipolitischem Streit stehen müssen. Bei diesem Thema gibt es für SPD, CDU, Grüne und FWG nur eine klare und vor allem einheitliche Meinung: Der tödliche Unfall hätte verhindert werden müssen, dies darf unter keinen Umständen noch einmal geschehen.“

Nachdem der Landtagsabgeordnete Christoph Degen vor zwei Wochen die Landesregierung nach geplanten Maßnahmen zur Reduzierung der Unfallzahlen auf der Umgehungsstraße gefragt habe, sei nun auf Initiative der Nidderauer CDU der Landtagsabgeordnete Max Schad im Namen aller Nidderauer Parteien aufgefordert worden, beim zuständigen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen darauf hinzuwirken, dass endlich wirksame Lösungen zur Behebung des Unfallschwerpunktes gefunden und umgesetzt werden.

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