HA-Mitarbeiter Jan-Otto Weber. Archivfoto: HA

Nidderau/Schöneck/Niederdorfelden

Ausbau der Niddertalbahn: Bankrotterklärung von RMV und Bahn

Das Geeiere beim Thema Niddertalbahn ist kaum noch zu ertragen. Der Blick auf die verstopften Straßen zeigt Tag für Tag, dass längst gehandelt werden müsste, um den Verkehrskollaps im Rhein-Main-Gebiet noch zu verhindern.

Von Jan-Otto Weber

Und die Pendlerströme wachsen mit jedem neuen Baugebiet, dass mit dem Segen der „Regionalplaner“ in Niederdorfelden, Nidderau, Schöneck und anderswo entsteht. Einen Masterplan gibt es aber offenbar nicht.Unabhängig vom Kosten-Nutzen-Faktor für den Ausbau der Niddertalbahn, der nach Aussage der RMV-Studie ja ausdrücklich erfüllt wird, hat die Region keine andere Wahl, als mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Dazu braucht man keine Studien.

Lange Beratungen und Entscheidungen

Umso fassungsloser blicken Pendler auf die schmerzlich langen Beratungen und Entscheidungsgänge, die nun bereits über Jahre andauern. Bereits zur ersten Niddertalbahnkonferenz vor vier Jahren wurde die Elektrifizierung der Strecke als Lösung aller Probleme proklamiert. Vier Jahre später ist man keinen Schritt weiter. Im Gegenteil: Plötzlich – nachdem die längst überfällige Studie endlich vorliegt (wenn auch immer noch nicht in der Schlussfassung) – stellen die Verantwortlichen bei RMV, Bahn und Ministerium fest, dass die Zeit knapp wird, um den elektrischen Ausbau bis zur Vergabe des neuen Verkehrsvertrags im Jahr 2027 noch zu schaffen!

Selbst die sogenannten kurzfristigen Maßnahmen, die von den Anrainerkommunen ebenfalls bereits seit Jahren gefordert werden, seien angeblich nicht umsetzbar: Bahnsteige zu kurz, zu wenig Doppelstockzüge, nicht finanzierbar.

Dass die Bahn als bundeseigenes Unternehmen solche Investitionen scheut, wo sich die Bundespolitiker vor der Europawahl in Sachen Klimaschutz und der CO2-Debatte überschlagen, ist ein Armutszeugnis. Dass aber auch RMV-Geschäftsführer André Kavai, der als ehemaliger Kreisdezernent seit Jahren um die Probleme vor Ort bestens Bescheid weiß, nichts Besseres einfällt, als festzustellen, dass die Infrastruktur Grenzen setzt, ist eine Bankrotterklärung.

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