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Aktuell herrschen fast perfekte Bedingungen für den Blick durchs Teleskop für die Astronomie-Freunde des Nidderauer Vereins GUFORC rund um den zweiten Vorsitzenden Berthold Schneider.

Freier Blick bis zu den Sternen

Astronomie-Verein GUFORC profitiert von klarem Himmel und sauberer Luft

  • vonThomas Seifert
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Sternenklare Nächte haben den Astronomen im April beste Bedingungen zur Stern- und Planetenbeobachtung gebracht. Kaum Flugverkehr, daher kaum Schadstoffausstoß und zudem noch weniger Autoverkehr, der ebenfalls nicht unwesentlich zur Luftbelastung beiträgt, bescherten klare Luft.

„Solche Bedingungen hatten wir schon einmal vor zehn Jahren. Nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island Mitte April 2010 wurde in vielen Ländern Nord- und Westeuropas der Flugverkehr komplett eingestellt“, erinnert sich Berthold Schneider, zweiter Vorsitzender des Vereins GUFORC (Verein zur Förderung von Astronomie, Raumfahrt und Grenzwissenschaften) und Mitglied in der Arbeitsgruppe Sternenfreunde Nidderau. „Wir waren damals auf der Heimreise von einem Sternenbeobachtungstrip nach Marokko und saßen fast eine Woche in Madrid fest“, berichtet der Vorsitzende. 

„Zurück in Nidderau fanden wir fast ideale Bedingung zur Sternenbeobachtung und -fotografie auf unserem Vereinsgelände zwischen Heldenbergen und Eichen vor“, erinnert sich Schneider. War es damals ein Vulkan, der den Flugverkehr zum Erliegen brachte, ist es zehn Jahre später ein Virus, das kaum noch Flüge zulässt. Der Effekt ist allerdings derselbe, die Luft ist klarer, die Sicht in den Weltraum besser, selbst im Großraum Frankfurt, wo viele Lichtquellen stören können.

Geduld wurde durch Flieger oft auf die Probe gestellt

„Durch die Trockenheit und Wärme im April wurde aber auch viel Staub von den trockenen Äckern in die Luft gebracht, deshalb musste man immer erst die nächtliche Abkühlung abwarten, um gute Ergebnisse zu bekommen. Und der Pollenflug trübte auch ein wenig die Freude“, stellt Schneider fest. Allerdings könne man bei den guten Bedingungen eine Vielzahl von Himmelskörpern wie Sterne, Planeten, Nebel und Galaxien besonders gut betrachten und fotografieren. Jedoch wurde diese temporäre Eintrübung durch die Tatsache wettgemacht, dass die Astrofotografen auch bei Langzeitbelichtungen bis zu 20 Minuten keine störenden Flugzeuge auf den Bildern entdeckten. 

Diese Aufnahme zeigt die M63-Sonnenblumen-Galaxie im Sternbild „Jagdhunde“.

„Da wurde die Geduld manchmal schon auf eine harte Probe gestellt, wenn wieder ein Flieger eine Spur quer durch die Aufnahme gezogen hatte“, so Berthold Schneider. Auch die immer größere Zahl an künstlichen Himmelskörpern, die die Erde umkreisen, macht manche Aufnahmen schwieriger. „Wenn die Umlaufbahn passt, kann man ja mit dem bloßen Auge die internationale Weltraumstation ISS sehen. Und in den vergangenen Tagen kam noch „eine Kette von 30 bis 40 Satelliten des Projekts Starlink des Tesla-Eigentümers Elon Musk hinzu, die deutlich auszumachen waren“, berichtet Schneider außerdem. Starlink soll Teil eines weltumspannenden Internets werden, dazu sollen insgesamt allein von der Firma von Elon Musk noch eine Vielzahl von Satelliten in eine Umlaufbahn geschossen werden. 

Jährliche Astronomietag kann nicht stattfinden

Andere Firmen wollen nachziehen, so dass Experten von einer Zahl von 50 000 künstlichen Himmelskörpern sprechen, die in den nächsten Jahren in den Orbit um die Erde gebracht werden sollen. Da der persönliche Austausch von Aufnahmen, Erfahrungen und Tipps derzeit nicht möglich ist, verkehren die Mitglieder viel über soziale Medien, so Schneider. „Aber der persönliche Kontakt, bei dem man viel besser direkt kommunizieren kann, fehlt auch uns. Denn gerade Tipps zur Bildbearbeitung lassen sich am Objekt viel besser zeigen als umständlich beschreiben“, beklagt der Sternenfotograf. 

Schade sei auch, dass Veranstaltungen der GUFORC wie der jährliche Astronomietag, an dem Bürgern das Hobby der Sternenbeobachter nahe gebracht wird, nicht stattfinden kann. „Wir hatten das Thema ‚Venus, Mond und die sieben Schwestern‘ geplant. Aber das kommt auch wieder und wir erfreuen uns derzeit an den guten Bedingungen“, blickt Berthold Schneider optimistisch in die Zukunft.

Der Verein GUFORC 

Im März gründeten Donald Green und Berthold Schneider eine Interessengemeinschaft. Im Jahr 2000 übernahm der seit Oktober eingetragene Verein GUFORC ein ehemaliges Versuchsgelände für Land- und Forstwirtschaft mit Gebäude zwischen Heldenbergen und Eichen als Vereinsheim. Inzwischen gibt es verschiedene Arbeitsgruppen. „Ziel des Vereins ist, die Allgemeinbildung in der Bevölkerung zu den Themen Astronomie, Raumfahrt und Grenzwissenschaften anzuheben und dadurch die Popularität und den Nachwuchs in diesen Bereichen zu fördern“, heißt es in der Satzung. 

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