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Anklage lautet auf Totschlag: Sicherungsverfahren für Markus G.

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Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 7. November 2016 an der Königsberger Straße in Erbstadt. Nachbarn hatten die lautstarke Auseinandersetzung mitbekommen. Archivfoto: J. Weber
Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 7. November 2016 an der Königsberger Straße in Erbstadt. Nachbarn hatten die lautstarke Auseinandersetzung mitbekommen. Archivfoto: J. Weber

Nidderau/Hanau. Ein Helm, den der Vater getragen hat und mit dessen Kinnriemen ihn sein Sohn frühmorgens erdrosselt haben soll: markante Vorzeichen eines Prozesses, der gestern vor dem Hanauer Landgericht begonnen hat. Möglicherweise wird er nicht sehr lange dauern.

Von Rainer HabermannStaatsanwalt Dr. Alexander Voigt verlas die kurze Anklageschrift gegen Markus G. aus Nidderau-Erbstadt, dann durften alle auch schon wieder nach Hause gehen.

Alle bis auf den heute 44-jährigen Beschuldigten, natürlich. Der musste wieder zurück in die psychiatrische Klinik im oberhessischen Haina, in die er sich bereits kurz nach der Tatnacht freiwillig hatte einweisen lassen.Sicherungsverfahren für Markus G.Zwischenzeitlich hatte dann jedoch auch die Staatsanwaltschaft Hanau aufgrund ihrer Ermittlungen Untersuchungshaft beantragt, in Form der Unterbringung dort, weil sie von einer „Gefährdung der Allgemeinheit“ durch Markus G. ausgehen musste.

Der Vorsitzende Richter der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts, Dr. Peter Graßmück, sprach bei der Eröffnung bereits von einem Sicherungsverfahren. Und Staatsanwalt Voigt als Ankläger stellte fest: „Markus G. hat getötet, ohne ein Mörder zu sein.“ Also geht es um Totschlag und um die Frage einer möglichen Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit.„Du Sau, ich bring dich um!“In der Königsberger Straße in Erbstadt, wo Vater und Sohn zusammen lebten, geschah die Tat am 7. November 2016. Um 3.30 Uhr in der Früh habe der Beschuldigte seinen 75 Jahre alten Vater in dessen Haus mit dem Kinnriemen eines Helms, den dieser – angeblich zum Schutz vor seinem eigenen Sohn – getragen haben soll, erdrosselt. Er soll dabei laut Anklage auch gesagt haben: „Du Sau, ich bring dich um!“ Das Opfer verstarb noch am Tatort.

Markus G. hört sich die Beschuldigungen ruhig an, er sitzt in einem grünen Anorak auf der Anklagebank. Neben ihm sein Rechtsanwalt, der Hanauer Strafverteidiger Ulrich Will. Ursprünglich sollte Rechtsanwalt Dr. Andreas Karow den Erbstädter verteidigen. Der habe aber „wohl keine Lust mehr“.Kommunikationsstörungen zwischen Verteidiger und AnwaltMehr mag Grasmück zum Verteidigerwechsel nicht sagen, es habe aber wohl Kommunikationsstörungen gegeben, zwischen dem Angeklagten und seinem Anwalt. Auf seine Frage, wie es denn mit dem Kontakt zwischen Will und seinem Mandanten stehe, meint Will, er habe zwar eine „Mitteilung aus Haina“ erhalten, dass der Angeklagte „ihn nicht mehr sehen möchte“. Doch seit gestern Morgen sei „der Kontakt wieder gut“. Markus G. befolgt dann Wills Rat, sich zunächst nicht zur Anklage zu äußern.

Um 9 Uhr hatte der Prozesstag begonnen, um 9.10 Uhr ist er zu Ende. Danach aber will Markus G. anscheinend doch etwas sagen. Es klingt so ähnlich wie: „Als ich ihn (den Vater) zuletzt gesehen habe, hat er keinen Helm aufgehabt.“ Was er damit wohl meint? Das wird vielleicht die Beweisaufnahme ergeben. Der Prozess wird am Donnerstag, 11. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt.

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