Sie hoffen auf eine Lösung: Verwaltungsmitarbeiterin Corinna Wagner, Ärztin Ursula Ronner-Gockert und Bürgermeister Gerhard Schultheiß (von links). Der Pfaffenhof in Erbstadt könnte der neue Sitz der Arztpraxis werden. Vorgesehen sind die Räume im Erdgeschoss, die momentan von der Musikschule genutzt werden. Fotos: Jan-Otto Weber

Nidderau

Ärztin Ronner-Gockert muss Praxis räumen - Nachfolger gesucht

Nidderau. Es ist eine vertrackte Situation, in der sich Ursula Ronner-Gockert befindet. Seit 26 Jahren führt die Allgemeinmedizinerin ihre Hausarztpraxis an der Hauptstraße 47a in Erbstadt. Doch der Gebäudekomplex wurde verkauft, und der neue Eigentümer hat den Mietvertrag für die Praxis gekündigt.

Von Jan-Otto Weber

„Ich muss bis zum 31. Dezember raus“, erklärt Ronner-Gockert beim Gespräch im Nidderauer Rathaus. Doch die Zukunft der Erbstädter Hausarztpraxis hängt nicht allein von den Räumen ab. Dafür haben Ronner-Gockert und die Stadtverwaltung bereits eine Lösung gefunden. „Wir würden Räume im Erdgeschoss im Pfaffenhof zur Verfügung stellen, die bisher von der Musikschule genutzt werden“, erklärt Bürgermeister Gerhard Schultheiß. „Für die Musikschule gibt es im Ort ebenfalls eine Lösung, das haben wir bis zu Ende gedacht.“

Für Ronner-Gockert, die im September 66 Jahre alt wird, macht ein Umzug allein jedoch keinen Sinn mehr. „Vor zehn Jahren hätte, ich sicher gesagt, das mach ich. Aber jetzt?“

Langfristige Perspektive der Praxis wichtig

Der Ärztin ist es wichtig, dass es eine langfristige Perspektive für die Praxis im kleinsten Nidderauer Stadtteil mit 1300 Einwohnern gibt. Dabei kann sie sich verschiedene Modelle vorstellen. „Ich könnte für einen fließenden Übergang noch einige Zeit mitarbeiten, zum Beispiel als Angestellte oder freiberuflich. Auch eine Kooperation mit einer anderen Praxis ist denkbar, mit Erbstadt als Stützpunkt, wo mehrmals wöchentlich Sprechstunden angeboten werden.“

Dass weiterhin ein wohnortnahes medizinisches Angebot besteht, das für die Patienten auch fußläufig erreichbar ist, ist der Ärztin wichtig. Ein Ärztehaus, wie es etwa für den Fall der Ausweisung des Mischgebiets in Eichen in Rede steht, wäre für sie keine adäquate Lösung.

Auf ihrer Suche nach einem Nachfolger habe sie bereits mehrfach im Ärzteblatt inseriert und sich auch an die Praxisbörse der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gewendet. Zudem hat sie ihr bekannte Klinikärzte angesprochen.

Interessenten aus anderem Planungsbezirk

„Auch im Nidderauer Kollegenkreis, in dem wir uns zum Beispiel in Urlaubszeiten gegenseitig vertreten, hat derzeit niemand Interesse an einer Kooperation“, erklärt die Erbstädterin. Immerhin habe es einen Interessenten aus einem anderen Planungsbezirk der Kassenärztlichen Vereinigung für eine überörtliche Gemeinschaftspraxis gegeben. Doch die KV verweigerte die Genehmigung, da der Nidderauer Arztsitz sonst dem anderen Planungsbezirk zugefallen wäre. Derzeit laufen außerdem noch Gespräche mit einem weiteren Interessenten. Dennoch wollen Ronner-Gockert und auch Bürgermeister Schultheiß weiter die Werbetrommel rühren.

„Die Praxis im Pfaffenhof wäre barrierefrei erreichbar. Es gibt Parkplätze im Hof, Breitbandanschluss und eine günstige Miete“, lockt der Rathauschef. „Zudem fördert der Main-Kinzig-Kreis über ein eigenes Programm die Niederlassung von Hausärzten oder die Gründung von Gemeinschaftspraxen.“

Ronner-Gockert würde sogar auf eine Ablöse für ihre „mittelgroße Praxis“ mit Patienten aus allen Stadtteilen und Nachbargemeinden verzichten. Doch die Zeit wird knapp.

Überversorgung laut KV

„Wir hatten am Mittwoch Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung hier im Rathaus“, berichtet Schultheiß. „Die KV sieht Nidderau mit Haus- und Fachärzten überversorgt, auch wenn das subjektive Empfinden der Leute ein anderes ist.“

Bürger berichten etwa davon, dass sie in Praxen nicht mehr aufgenommen würden, oder wünschten sich mehr Fachärzte am Ort. „Aber die KV betrachtet da den Main-Kinzig-Kreis insgesamt“, erklärt Schultheiß. „Sollte sich bis Ende Dezember kein Nachfolger für die Praxis von Frau Ronner-Gockert finden, läuft Nidderau Gefahr, diesen Arztsitz zu verlieren.“

Wer sich für die Übernahme der Praxis von Ursula Ronner-Gockert oder eine Kooperation mit der Allgemeinmedizinerin interessiert, kann sich unter der Telefonnummer 0 61 87/2 77 52 melden.

Eltern haben ab 1. September die Möglichkeit, Pflichttermine für die Früherkennungsuntersuchung ihrer Kinder (U1 bis U9) unter der Rufnummer 116-117 über den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung zu organisieren, falls sie keinen Kinderarzt finden. Der Bereitschaftsdienst steht außerdem allen Bürgern für nicht lebensbedrohliche Erkrankungen an Wochenenden, Feiertagen und nachts zur Verfügung.

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