Gewerkelt, geschraubt und gesägt haben die Kinder und Jugendlichen vom Stamm Funkenflug. Foto: Thomas Seifert

Nidderau/Niederdorfelden

72-Stunden-Aktion: Pfadfinderstämme bewältigen Mammutaufgabe

Nidderau/Niederdorfelden. Für den noch jungen Stamm Funkenflug Niederdorfelden war es eine Premiere, der Stamm Wildwasser Windecken hatte vor zehn Jahren zum erste Mal an der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) teilgenommen.

Von Thomas Seifert

Für beide Stämme war aber das Prozedere vor dem Startschuss am Donnerstag um 17.07 Uhr dasselbe, denn die jeweiligen Bürgermeister verkündeten die Aufgaben, die während der drei Tage dauernden Aktion erledigt werden sollten.

Die Initiatoren des BDKJ hatten sich etwas gedacht, als sie für die diesjährige 72-Stunden-Aktion das Motto „Uns schickt der Himmel“ ausgewählt hatten. Denn der zum ersten Mal bundesweit organisierte Drei-Tage-Einsatz soll ja der Allgemeinheit zugute kommen und die braucht manchmal wirklich himmlische Hilfe, damit Missstände beseitigt oder der Natur etwas Gutes getan wird.

Zum Wohle von Mensch und Insekt

Im Fall von Nidderau verkündete Bürgermeister Gerhard Schultheiß, dass die Brachfläche des kleinen Bauerngartens am Hexenturm in Windecken zu einem „Paradies für Bienen und sonstige Insekten“ umgewandelt, zweitens die kleine Windecker Nidderinsel „Wärtchen“ in Teilen insektenfreundlich aufgewertet und der Nussbaumhain bei Eichen ein Platz zum Ruhen und Genießen nicht nur für Menschen, sondern auch für Insekten werden soll.

Schließlich sollten die Mitglieder des Stamm Wartbaum Windecken diese drei „Hotspots“ mit Infotafeln versehen und sogar einen Wanderweg ausschildern. Wahrlich eine Mammutaufgabe, für die Pfarrer Dr. Ifeanyi Emejulu in einem kurzen Gebet um himmlischen Beistand bat.

Rathauschef Klaus Büttner oblag es, den etwa 60 Mitgliedern des Stamms Funkenflug ihre Aufgabe zu präsentieren. Auch hier war die Vorgabe dreigeteilt, zum einen das Anlegen eines Insektenlehrpfads mit acht Stationen am Radweg zur Hohen Straße mit Blühstreifen, Infotafeln und Insektenhotels, außerdem das Einsäen von Blühflächen in der Ortslage und letztlich die Information der Bewohner über die Aktivitäten der Stammesmitglieder.

Wie in Nidderau setzten sich gleich nach Bekanntgabe der Aufgaben verschiedene Arbeitsgruppen zusammen und schmiedeten Pläne, wie, in welcher Reihenfolge und mit welchen Hilfsmitteln die Vorgaben umgesetzt werden könnten.

Großzügige Unterstützung

Abläufe wurden skizziert, Pläne geschmiedet und Materialien sowie Maschinen und Werkzeug beschafft. Der Stamm Funkenflug hatte im Vorfeld 3000 Euro Spenden gesammelt und konnte damit einen Großteil des benötigten Materials einkaufen.

Ähnlich beim Stamm Wildwasser, dort hatte die Bürgerstiftung drei Bäume gespendet, die auf dem „Wärtchen“ gepflanzt wurden. Auch hier, wie in Niederdorfelden, unterstützten etliche Firmen und Helfer die Pfadis, damit diese in der doch sehr kurzen Zeit die anspruchsvollen Aufgaben erfüllen konnten.

"Gingen weg wie warme Semmeln"

Der Stamm Funkenflug war am Samstag in Sachen Werbung unterwegs und verteilte am kleinen Einkaufszentrum Flyer, die über das Projekt informierten und zur Abschlussveranstaltung mit einem Spaziergang über den neu eingerichteten Insektenlehrpfad einluden.

„Den Flugblätter haben wir Tütchen mit Samen angeheftet, und die gingen weg wie warme Semmeln. Über 200 Flyer haben wir verteilt, jetzt sind wir dabei, weitere Flugblätter mit Tütchen zu produzieren“, berichtete Andrea Scherb. Die Aktivitäten des Stamms Funkenflug begleitete über die 72 Stunden ein befreundeter Kameramann, der mit professionellem Equipment filmte und kurze Videos auf der Homepage veröffentlichte.

Die Gruppenführer des Stamms Wildwasser hatten auf dem „Wärtchen“ das Hauptquartier in einem Zelt eingerichtet, wodurch die Aktivitäten der Pfadfindern von vielen Passanten beobachtet werden konnten.

Fleißige Bienen

„Die jungen Pfadis musste man richtiggehend bremsen, sie waren voll bei der Sache. Die Eltern erzählten uns, dass ihre Kinder dreckig aber glücklich nach Hause gekommen und nach einer Dusche sofort eingeschlafen sind“, erzählte einer der Gruppenleiter. Die Windecker hatten für Sonntag zu einer Wanderung vom Nussbaumhain in Eichen, über den Hexengarten zum „Wärtchen“ eingeladen, wo der Abschluss der 72-Stunden-Aktion stattfand.

Die Verantwortlichen der beiden Stämme zogen ein äußerst positives Fazit der Aktion und betonten unisono, dass die Teilnahme das Zusammengehörigkeitsgefühl der Pfadis gestärkt habe und die Arbeit für die Allgemeinheit in der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen worden sei.

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