Fotografische Schätze aus dem Bestand von Wilfried Kaemper: Den alten Gasthof "Zum Adler" in Ravolzhausen gab es schon im vorvergangenen Jahrhundert. Dieses historische Foto stammt aus dem Jahr 1894 (links). Nahversorgung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Rüdigheim: Das Geschäft vom "Zeller Jean", dem damals einzigen Lebensmittelladen des Dorfes. An den Schildern im Schaufenster ist zu erkennen, dass die Aufnahme im Jahr 1940 entstand. Fotos: Privat

Neuberg

Wilfried Kaemper liefert Material für "Neuberger Kalender 2020"

Neuberg. Es gibt ihn auch wieder für das Jahr 2020, den „Neuberger Kalender“, aber kaum einer hat es mitbekommen. Während die erste Ausgabe für das Jahr 2019 noch der Renner war, verläuft der Absatz für die aktuelle Version recht schleppend.

Von Claus DiegelEin Grund: Aus steuerrechtlichen Gründen darf er nicht mehr über die Gemeinde Neuberg vertrieben werden. Der Kalender ist deshalb ausschließlich beim ortsansässigen Rewe-Markt erhältlich, der sich an den Produktionskosten beteiligt hat und auch auf dem Titelblatt Werbung macht.

Das diesjährige Exemplar braucht deshalb aber keineswegs den Vergleich zur Vorjahresversion zu scheuen, im Gegenteil: die 14 zum Teil historischen Fotografien in schwarz-weiß und in Farbe stellen eine Zeitreise mit Ansichten aus dem ganzen letzten Jahrhundert dar, die manch älteren Ravolzhäuser oder Rüdigheimer in längst vergessene Kinder- oder Jugendtage zurückversetzt.

Digitale und analoge Aufnahmen

Das Bildmaterial dazu stammt einmal mehr aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Wilfried Kaemper, der sich schon seit vielen Jahren der Bewahrung von altem und aktuellem Fotomaterial aus den beiden Neuberger Ortsteilen verschrieben hat. Die Sammlung des 71-jährigen ehemaligen Angestellten der Gemeinde Neuberg besteht aus zigtausenden digitalen und analogen Aufnahmen, zum Teil im Computer als Bilddateien gespeichert, aber auch vielfach auf Dias oder klassischen Papierfotos in zahlreichen Schränken festgehalten.

Mit Fug und Recht kann man seine Sammlung als das „fotografische Gedächtnis Neubergs“ bezeichnen. Er hat damit schon mehrfach in Ausstellungen und öffentlichen Diavorträgen die Neuberger an diesen Schätzen teilhaben lassen.

Im Moment bereitet ihm aber die schiere Menge und der rasante technische Wandel Sorgen: „Das ganze alte Material zu digitalisieren ist fast unmöglich, zudem ändert sich das Equipment schneller als man nachkommen kann. Es wäre schön, wenn es Menschen gäbe, die ebensolche Freude daran haben und mithelfen könnten, die ganzen alten Fotos und Dias per Scanner zu digitalisieren und damit für die Nachwelt zu erhalten. Vielleicht gibt es ja da draußen jemanden, der sich für so etwas interessiert“, würde er sich über Unterstützung bei seiner Arbeit freuen.

Eine exzellente Auswahl

Einer, der ihn schon bei der Sichtung des Materials für die Erstausgabe des Neuberger Kalenders im letzten Jahr geholfen hat, ist Willi Geisel. Und auch beim diesjährigen Kalender haben die beiden wieder eine exzellente Auswahl getroffen und interessante Fotos zusammengestellt, so etwa von der unvergessenen Dorfkneipe Mehrer („Mehrer Käth“), der noch kopfsteingepflasterten Ravolzhäuser Straße und der alten Schule in Rüdigheim oder vom Badevergnügen am Ravolzhäuser Weiher in der Nachkriegszeit.

Das einzig aktuelle Foto ziert aber das Titelblatt: Wer wird dem Wetterhahn auf der Rüdigheimer Kirche jemals so nahe gekommen sein wie der Fotograf dieser Aufnahme. Der Kalender kann immer noch beim Neuberger Rewe-Markt angesehen und zum Preis von 8 Euro käuflich erworben werden.

Nur sich selbst fotografieren lassen wollte Wilfried Kaemper bei unserem Besuch in seinem kleinen Reich nicht. Er sehe nicht sich selbst im Vordergrund, sondern mache das Ganze aus Freude an der Sache – „nicht, um mich damit profilieren zu wollen“, betont er.

Alte Aufnahmen sichten

Neben Willi Geisel trifft er sich regelmäßig mit Freunden in seinem „Archiv“ im Keller seines Elternhauses in Rüdigheim, um bei einem Glas Äppler alte Aufnahmen zu sichten, zu sortieren und zu katalogisieren und dabei manchmal auch selbst in Erinnerungen zu schwelgen.

Aber es sind so viele Aufnahmen aus dem vergangenen und sogar dem vorvergangenen Jahrhundert: „So lange kann ich gar nicht mehr leben“, ist sich Wilfried Kaemper der Mammutaufgabe bewusst.

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