Wer ist für den Brand auf dem Luisenhof verantwortlich? Auch diese Frage wird vor dem Jugendschöffengericht behandelt. (Archivbild)
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Wer ist für den Brand auf dem Luisenhof verantwortlich? Auch diese Frage wird vor dem Jugendschöffengericht behandelt. (Archivbild)

Neuberg

Brandserie von Neuberg: Feuerwehrmann als Brandstifter vor Gericht

  • Holger Weber-Stoppacher
    VonHolger Weber-Stoppacher
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Ein 20-jähriger Feuerwehrmann steht vor Gericht. Er soll für die Neuberger Brandserie verantwortlich gewesen sein.

Neuberg – „Kommt es eigentlich häufig vor, dass Brände in Ihrer Gemeinde von Feuerwehrmännern gemeldet werden?“, fragt der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts, Richter Markus Filbert. „Nein, eher selten“, antwortet der Wehrführer der Feuerwehr in Rüdigheim, der am dritten Verhandlungstag im Prozess um die Brandserie in Neuberg in den Zeugenstand berufen worden ist.

Der 20-jährige Angeklagte, dem vorgeworfen wird, für mindestens vier von 13 Bränden in der Gemeinde Neuberg verantwortlich zu sein, hatte in der Zeit vom 8. bis zum 26. April zwei Feuer selbst gemeldet: einen Mülltonnenbrand am 13. April sowie einen Waldbrand am 16. April.

Die Gemütslage ist in Neuberg nach der Brandserie nervös und unruhig

Die Schilderungen des Wehrführers vermitteln einen guten Eindruck von der Gemütslage, in der sich die Brandbekämpfer befunden haben während der besagten drei Wochen im April 2020. Angespannt, nervös und unruhig sei man gewesen. Am Abend vor dem Schlafengehen sei er zu Hause immer noch einmal alle Fenster abgegangen, um sich zu vergewissern, dass es nirgendwo brennt. Auch habe man bereits Pläne für den Fall entworfen, dass Gebäude, die man für besonders gefährdet hielt, schnell erreicht und geschützt werden konnten. Für eine große Feldscheune gab es bereits Absprachen mit den Kollegen aus Hammersbach, die im Falle eines Feuers mit der Bereitstellung von ausreichend Löschwasser unterstützen sollten.

Den Angeklagten beschreibt der Wehrführer als eher ruhig, fast introvertiert, aber engagiert und hilfsbereit. „Wenn man ihn gebraucht hat, war er da.“ Er kenne den Angeklagten bereits aus dessen Zeit in der Jugendfeuerwehr. Als Wehrführer schaue man bei den Jugendlichen immer mal wieder vorbei und lasse sich blicken.

Er habe auch von dessen Problemen bei der Suche nach einer für ihn geeigneten Ausbildung gewusst. In der Regel unterstütze man sich in allen Belangen bei der Feuerwehr. „Wir sind da wie eine Familie, man steht sich eben bei und versucht Probleme der Einzelnen gemeinsam zu lösen.“

Neuberger Brandserie: Der angeklagte Feuerwehrmann stritt die Taten zunächst ab

Der Wehrführer berichtete im Zeugenstand auch von einem Gespräch, das nach der Hausdurchsuchung der Polizei im Elternhaus des Angeklagten am 23. April und dem Großbrand auf dem Luisenhof am 26. April stattgefunden habe. Auf seine Frage hin, ob er mit den Feuern irgendetwas zu tun habe, habe der Angeklagte mit „nein“ geantwortet. Daraufhin habe er von sich aus erzählt, dass die Polizei in seinem Auto Grillanzünder gefunden habe. „"Wozu hast Du das Zeug im Auto?", habe ich daraufhin gefragt.“ Darauf habe der Angeklagte dann keine Antwort gegeben, berichtet der Wehrführer.

Der nächste Verhandlungstag Anfang Dezember könnte bereits der letzte sein. Obwohl noch Zeugen befragt werden sollen, bat Richter Markus Filbert Strafverteidiger Christian Freydank sowie Staasanwältin Jana Gladeck, die Abschlussvorträge schon einmal vorzubereiten. (Von Holger Weber)

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