Stets einsatzbereit: Die Voraushelfer der Feuerwehr kümmern sich in den über das Leben entscheidenden Sekunden um Notfälle.  Foto:Rainer Habermann

Neuberg

15 Voraushelfer der Feuerwehr unterstützen Rettungswesen

Neuberg. Die Rettungsfristen für die Feuerwehren und Krankenwagen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder ähnliche Einsatzkräfte in Deutschland betragen zehn Minuten. Obwohl diese Frist eine recht knappe ist, gibt es doch immer wieder Fälle, wo noch schnellere Hilfe erforderlich ist, um Menschenleben zu retten.

Von Rainer Habermann

Deshalb hat die Freiwillige Feuerwehr Neuberg kürzlich – wie auch andere Wehren im Landkreis – eine Soforthelfer-Gruppe ins Leben gerufen. 15 Feuerwehrkameradinnen und Kameraden haben die Ausbildung durchlaufen und stehen ab sofort als Voraushelfer zur Verfügung. Wohlgemerkt: Sie ersetzen natürlich nicht die Rettungskräfte, die nach wie vor so schnell wie es irgend geht zur Einsatzstelle eilen. Aber die Voraushelfer können, da sie jeweils im Ort wohnen, nach Alarmierung sofort mit ihrem eigenen Pkw an den Ort des Geschehens eilen und so – etwa beim „plötzlichen Herztod“ – doch möglicherweise die Sekunden und Minuten gutmachen, die letztlich über Leben oder Tod entscheiden.

So selten ist dieser „plötzliche Herztod“ gar nicht. Man schätzt, dass ihm jährlich rund 150 000 Menschen zum Opfer fallen, wie Gemeindebrandinspektor Uwe Reifenberger anlässlich einer kleinen Feier zur Indienststellung der Voraushelfergruppe kürzlich im Feuerwehrhaus des Ortsteils Ravolzhausen mitteilte. Mit dabei: Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder, die das Projekt sehr begrüßte und auch einen kleinen Obolus der Kommune dabeihatte, die Wehrführer Daniel Alt (Rüdigheim) und Michael Heck (Ravolzhausen), der auch Leiter der Gruppe ist, und der ärztliche Leiter des Gefahrenabwehrzentrums des Main-Kinzig-Kreises, Dr. Wolfgang Lenz.

Treffen finden zweimal monatlich statt

Reifenberger legte Wert auf die Feststellung, dass die Voraushelfergruppe keine geschlossene ist, sondern sich jederzeit auch weitere Mitglieder finden können, die eine etwa halbjährliche Ausbildung, gemeinsam mit dem DRK oder der Johanniter-Unfallhilfe, durchlaufen. Die Gruppe trifft sich zweimal monatlich, um auf Stand zu bleiben.

Natürlich gehört auch eine Ersthelfer-Ausrüstung zur Ausstattung jedes Voraushelfers. In knallroten Rucksäcken ist alles untergebracht, was zu einer ersten Wiederbelebungsmaßnahme oder zur Beatmung notwendig ist, auch Verbandsmaterial gehört zum Kofferinhalt. Natürlich kann die Gruppe keine klinische oder notärztliche Versorgung ersetzen; will sie auch gar nicht. Es geht einfach um die Sekunden, in denen ein Unfallopfer früher erstversorgt werden kann, bevor die eigentlichen Rettungskräfte eintreffen.

Spaß statt Frauenquote

Die Rucksäcke führt jeder Voraushelfer in seinem Pkw mit, beispielsweise Marina Alt (34 Jahre) oder Alexander Birkner (21 J.). Er ist seit dem Jugendalter in der Feuerwehr aktiv, Alt schon etwas länger. „Als das Gespräch aufkam, eine solche Voraushelfergruppe zu gründen, war mein Interesse schon geweckt. Und ich bin dabeigeblieben: Ist ja nichts schlechtes“, meint Birkner. Er wie Alt opfern zusätzlich einen Teil ihrer Freizeit, um nicht nur in der Feuerwehr zu dienen, sondern auch ihren Privat-Pkw quasi zum Einsatzfahrzeug zu machen und sich regelmäßig zu treffen.

„Ich bin nicht wegen der Frauenquote zur Feuerwehr gegangen, sondern mit 25 Jahren als Quereinsteigerin, weil es mir Spaß gemacht hat“, lacht Alt. „Bei einer Übung war ich 'Opferdarstellerin', und da habe ich mir gesagt, als ich von der Voraushelfergruppe hörte: 'warum nicht'. Wir haben in der Feuerwehr schon schmerzliche Momente gehabt, wo auch Angehörige verloren wurden. Und wenn es dann möglich ist, in den ersten Minuten schon vor Ort zu sein, wo die Sauerstoffversorgung vielleicht noch nicht ganz aufgehört hat im Körper: dann ist das doch eine sehr gute Sache.“

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