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„Schreien hilft fast immer“

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Kinder zu mehr Wehfähigkeit verhelfen soll der Kurs, den die TSG Neuberg jetzt zum wiederholten Male anbietet. Anmelden kann man sich dafür noch bis zum 23. September.
Kinder zu mehr Wehfähigkeit verhelfen soll der Kurs, den die TSG Neuberg jetzt zum wiederholten Male anbietet. Anmelden kann man sich dafür noch bis zum 23. September. © dpa

Neuberg – Schreien hilft fast immer“, sagt Nicol Zahn. Sie kennt sich in Sachen sich-zur-Wehr-setzen aus. Zahns Hobby liegt im Kampfsport. Seit annähernd 20 Jahren gibt sie den Kurs „Kinder stark und sicher“ bei der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Neuberg. Darin geht es für Mädchen und Jungen im Grundschulalter nicht allein um Selbstverteidigung mit Händen und Füßen, sondern gleichfalls um das richtige Verhalten in kritischen Situationen.

„Ein paar Elemente aus dem Kampfsport, mit Angriffe auf Körperteile, wo es richtig weh tut“ sind Teil der Kurseinheiten. Den jungen Teilnehmern wird aber auch bewusst gemacht, dass das nur in Notfällen und nicht etwa bei einer Rauferei auf dem Pausenhof erlaubt ist, betont Zahn, die in ihren eigentlichen Beruf Gymnasiallehrerin ist. Da körperlichen Fähigkeiten von Grundschülern gegenüber Erwachsenen jedoch begrenzt sind, kommen Schreiübungen als wirksames Mittel der Abwehr Peiniger und des Nein-Sagens hinzu. Umstehende Passanten müssen es auch mitbekommen, so Zahn. Ein verschämtes Weglaufen verjage keine aufdringliche Person. „Laut und bestimmt zu sein, kann einen Fremden von seinem Tun abhalten.“ Das verlange jedoch Übung, besonders bei zurückhaltenden Mädchen. „Anfangs ist im Schrei-Training oft nur ein Gepiepe zu hören, erst wenn die Hemmungen gefallen sind, wird daraus ein Gebrüll“, sagt Zahn. Die Teilnehmer lernen zudem, wie man für sich und andere in Not geratene Personen Hilfe holt. Es werden heikle Situationen in „realitätsbezogenen Rollenspielen“ geübt und Themen wie Mobbing, Petzen und Erpressen kindgerecht besprochen. Damit es zu keinen Missverständnissen im häuslichen Umfeld kommt, erhalten die Eltern Informationen zu den Übungseinheiten, nicht zuletzt, um ebenso zuhause mit dem Kind und deren Geschwistern über Selbstbehauptung ins Gespräch zu kommen, heißt es.

Training müsste aufgefrischt werden

„Am Ende sind die Kinder mutiger“, steht für Zahn fest. Allerdings ist es mit einem Kurs nicht wie das frühe Radfahrenlernen, das man ein Leben lang nicht vergisst. „Das Training müsste eigentlich einmal im Jahr aufgefrischt werden, weil sich Kinder verändern und reifen“, sagt Zahn. Sie rät daher interessierten Eltern, ihr Kind für eine Kampfsportart zu begeistern, selbst wenn es nur Judo ist. „Allein der Gedanke, dass man sehr wehtun kann, kann in einer Notsituation schon helfen“, sagt Zahn.

Der Kurs ist mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden. Als Zahn 2003 begann, wollte sie etwas Sinnvolles im Erziehungsurlaub tun und boten einen Selbstbehauptungslehrgang an der Neuberger Grundschule an. Die Resonanz sei anfangs enorm gewesen, sodass gleich mehrere Gruppen gebildet worden seien und das Angebot bald von der TSG aufgenommen wurde. „Oft ist der Kurs jedoch so groß, dass ein zweiter aufgemacht werden muss.“ Denn mehr als 20 Kinder pro Kurs sollen es wegen der optimalen Lernbedingungen nicht sein. Das Angebot gilt vorrangig für Erst- bis Viertklässler, weil die zumeist eigenständig zur Schule gehen, sagt Zahn. Das sei Kita-Kinder nicht der Fall, daher müssen die bis zur Einschulung warten. Berichte in den Medien über sexuelle Übergriffe auf Minderjährige etwa in Kirche, Verein oder im Verwandtenkreis haben laut Zahn nicht für hochschnellende Anmeldezahlen gesorgt – zumindest nicht in Neuberg. „Die Leute haben offenbar mehrheitlich schon noch Vertrauen in ihr Umfeld“, sagt die Kursleiterin.

INFOS ZUM KURS

Der Kurs beginnt am Freitag, 23. September, 17 Uhr, in der Turnhalle der Erich-Simdorn-Schule, Neuberg. Er umfasst acht Übungseinheiten je 60 Minuten. Die Teilnahme ist für Vereinsmitglieder kostenlos. Nichtmitglieder zahlen 15 Euro. Anmeldungen unter z 06184 4361 oder E-Mail an nicol-zahn@t-online.de. (Von Detlef Sundermann)

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