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Haben viel Aufbauarbeit vor sich: Daniel Alt (links), Iris Schröder und Uwe Reifenberger.

„Wir werden sie damit nicht allein lassen“

Der Schock sitzt tief: Wie die Gemeinde Neuberg die Mitglieder ihrer Feuerwehr wieder aufrichten will

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Die Neuberger Freiwillige Feuerwehr steht noch immer unter Schock, nachdem ein Kamerad von der Polizei festgenommen wurde. Die Gemeinde Neuberg will die Mitglieder der Feuerwehr aufbauen. 

Ein Mitglied der Neuberger Freiwilligen Feuerwehr wird beim Löschen von der Polizei verhaftet. Man legt ihm Handschellen an und führt ihn ab wie einen Verbrecher. Es ist ein Bild, das vielen Mitgliedern in der Einsatzabteilung nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Ein Bild, das die vielen anderen Eindrücke vom 14-stündigen Brandeinsatz auf dem Luisenhof vom Sonntag überlagert. 

Man habe es geahnt nach den vielen vorsätzlich gelegten Bränden seit Ostern, dass der Brandstifter aus den eigenen Reihen kommen könnte. Es habe dafür eine Reihe von Anhaltspunkten gegeben, sagt Gemeindebrandinspektor Uwe Reifenberger. Doch man habe es eigentlich nicht wirklich glauben wollen. Und dann kam der Zugriff der Polizei, der so inszeniert war, als ob da jemand eine Warnung aussprechen wollte. Eine schockierende Wirkung habe diese Szene auf seine Kameraden gehabt, glaubt Daniel Alt, Reifenbergs Stellvertreter. 

Feuerwehr sei in keiner Krise

Es war so, als gebe es da eine pauschale Anklage gegen alle. Jedenfalls könnte das manch einer so aufgefasst haben. Jetzt gelte es, diesen Eindruck wieder aus den Köpfen der Ehrenamtlichen herauszubekommen. Reifenberger und Alt sitzen am Tag nach dem Einsatz gemeinsam mit Bürgermeisterin Iris Schröder im Bürgerhaus. Dort sind Stuhlreihen für eine Sitzung am Abend gestellt, an der neben den Mitgliedern der Feuerwehr auch ein Vertreter des Kreises teilnehmen wird. Es ist eine Krisensitzung, wenngleich das Wort einen falschen Eindruck vermittelt. 

Die Neuberger Feuerwehr sei in keiner Krise, sie habe beim Brandeinsatz auf dem Luisenhof höchst professionell gehandelt, noch Schlimmeres verhindert, sagt Schröder. Deswegen lautet die Botschaft, die die Verantwortlichen bei der besagten Sitzung aussenden wollen: Ihr alle habt einen super Job gemacht, euch trifft keine Schuld. Reifenberger will den Ehrenamtlichen bei der Sitzung die Kommentare aus dem Netz vorlesen, in denen die Arbeit der Feuerwehr am Tag danach ausdrücklich gelobt wird. 6800 Stunden haben die Ehrenamtlichen allein 2019 in den Dienst der Gesellschaft gestellt, haben Lehrgänge besucht, sich weitergebildet. „Wir hatten es geschafft, vom Image der feiernden Feuerwehr wegzukommen“, sagt Alt. „Und dann passiert so etwas.“ 

Auch die beiden Gemeindebrandinspektoren glauben, dass es eine Weile dauern wird, bis die Mannschaft das alles verdaut. Die Mitglieder sollen Unterstützung bekommen, auch professionelle Hilfe, wenn es Gesprächsbedarf gibt. „Wir werden sie jetzt nicht allein damit lassen“, verspricht Bürgermeisterin Schröder.

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