aniel Geiss am Eingang des altehrwürdigen Pfarrhauses. In Neuberg fühlt sich der Pfarrer nach einem Jahr sichtlich wohl. Er freut sich vor allem über das enorme Engagement der Gemeinde. Foto: Diegel

Neuberg

Pfarrer Geiss in Neuberg angekommen

Neubuerg. Pfarrer Daniel Geiss hat jetzt sein „Einjähriges“ in Neuberg gefeiert. Das ist für unsere Zeitung nun ein Grund nachzufragen, ob und wie er denn inzwischen auch tatsächlich in Neuberg „angekommen“ ist.

Von Claus Diegel

Beim neugewählten Bürgermeister, einem Minister und sogar beim Bundeskanzler, dem neuen Fußball-Trainer oder Wirtschaftsmanager wird zum ersten Mal nach 100 Tagen eine Bilanz der jeweiligen Amtszeit gezogen. Diese Marke hat Daniel Geiss als neuer Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Neuberg schon lange hinter sich gelassen. Allerdings sind die Amtszeiten von Pfarrern auch an einer längfristigen Verweildauer ausgerichtet.Das Wort „ankommen“ hat für Daniel Geiss eine vielfältige Bedeutung. Das erste „Ankommen“, das des Möbelwagens an seinem neuen Wohnort, dem Pfarrhaus in Ravolzhausen, hat er lange abgehakt. Er hat sich mit seiner Frau hier wohnlich eingerichtet und fühlt sich sehr wohl in dem altehrwürdigen Gebäude mit dem schönen großen Garten. Nicht nur sein neues Heim ist denkmalgeschützt. „Im Pfarrgarten stehen zwei von drei Neuberger Naturdenkmalen“, ist er stolz auf die zwei uralten Bäume in seinem Garten.„Ankommen“ heißt für ihn aber auch: in seiner Gemeinde, bei den Bürgern ankommen, Gespräche führen, Menschen treffen. „Ich habe das erste Jahr genutzt zum Zuhören, Wahrnehmen, Anknüpfungspunkte finden, zu sehen und würdigen, was hier gewachsen ist“ lässt Daniel Geiss wissen. Er hat dabei ein riesiges Engagement in der Gemeinde für die beiden Kirchen in Ravolzhausen und Rüdigheim ausgemacht, die dank vielfacher ideeller und finanzieller Unterstützung unlängst restauriert wurden und sich in einem hervorragenden baulichen Zustand befinden. Auch die Restaurierung der historischen Orgeln in beiden Kirchen, die er zu Beginn seiner Tätigkeit in Neuberg noch im Endspurt mit begleiten durfte, ist abgeschlossen, und so ist die Evangelische Kirchengemeinde Neuberg „von der Kirchenausstattung in einer komfortablen Lage, um die uns viele umliegende Gemeinden beneiden. Es ist eine Freude, dass alles wieder komplett ist.“

Unerhaltung der Bauten schwierigDas heißt aber nicht, dass überall eitel Sonnenschein herrscht. Beispielhaft sei nur die zunehmend schwierigere Unterhaltung der beiden Gemeindehäuser genannt, eine große Herausforderung und Hypothek für die Zukunft.Es war eine „Win-Win-Situation“ im Herbst 2016 für Neuberg und für Daniel Geiss. Durch Wegzug des bisherigen Pfarrers Simon Frömming wurde die vakante Stelle in Neuberg ausgeschrieben, ein Glücksfall für den bis dahin mit Planstelle im Schlüchterner Stadtteil Gundhelm tätigen Pfarrer. Seine Frau Eva arbeitet als Lehrerin in der Albert-Einstein-Schule in Maintal und konnte auf das tägliche Pendeln über die A 66 gerne verzichten. Die Veränderung versprach für beide aber auch „eine bessere Teilhabe am Leben des Anderen. Das ist uns sehr wichtig“. Die Nähe zur Metropole Frankfurt und zu Hanau war für das Ehepaar, das gerne die Hanauer Märchenfestspiele besucht, zusätzliche Motivation. Und so kam es, dass die Pfarrstelle der „vakanzmüden“ Neuberger im Februar 2017 in Rekordzeit wiederbesetzt werden konnte.„Ich bin gerne Pfarrer, und ich bin gerne hier in Neuberg Pfarrer“. Neben der Konfirmandenarbeit, die ihm sehr am Herzen liegt und die auch im Hinblick auf die neu entstehenden „Kooperationsräume“ ab dem neuen Jahrgang zusammen mit Marköbel stattfindet, waren für ihn im ersten Jahr die monatlichen ökumenischen Gottesdienste mit den katholischen Schwestern und Brüdern in der Neuberger Senioren-Dependance prägend. An den Gottesdiensten nehmen neben den Bewohnern der Senioreneinrichtung sehr gerne auch die älteren Bürger aus den beiden Ortsteilenteil. Aber auch die Familiengottesdienste für Groß und Klein mit Einbeziehung der Kinder findet er wichtig und richtig. Gerade in diesem Bereich sieht er mit Blick auf die politische Gemeinde noch Bedarf zum Beispiel für die Stelle eines Gemeindepädagogen, wenngleich er „die bisherige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen insbesondere in den Vereinen ebenso schätzt“.Die Neuberger mögen ihren neuen Pfarrer, und er fühlt sich auch sehr wohl in seiner neuen Gemeinde. Er schätzt vor allem die Gastfreundschaft, die er bisher hier erlebt hat. Seine große Leidenschaft gehört dem Singen: „Singen ist Freude“. Im Beruf des Pfarrers liegen aber naturgemäß Freude und Trauer dicht zusammen, „das Eine bedingt das Andere, das ist der Lauf der Welt“. Sein Ziel ist es, „Menschen zu gewinnen. Dafür ist Kirche da“. Und er beruhigt alle Neuberger, die im Hinblick auf die vielen Vakanzen in der Vergangenheit Bedenken vor einer kurzen Verweildauer auch bei ihrem neuen Pfarrer haben: „Ich stehe doch erst in der Mitte meines beruflichen Lebens. Aus heutiger Sicht bin ich Pfarrer noch bis 2037. Da besteht kein Grund zur Besorgnis.“Wer seinen neuen Pfarrer noch intensiver kennenlernen will, für den besteht Mitte März eine ganz besondere Gelegenheit: Vom 11. bis 17. März findet in der Kommende Rüdigheim im Rahmen der Themenwoche „Pro Christ Live“ jeden Abend ab 19.30 Uhr eine Veranstaltung mit Vorträgen, Texten aus der Bibel, Musik und Gebeten und natürlich auch Gesprächen mit Pfarrer Geiss statt. Dazu sei jeder herzlich eingeladen – wer ihn kennt, und wer ihn gerne kennenlernen möchte.

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