Erlensees Bürgermeister Stefan Erb und seine Neuberger Amtskollegin Iris Schröder verfolgen schon seit Längerem die Idee einer Fusion ihrer beiden Kommunen. Jetzt sei es der Zeitpunkt gekommen, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sagten sie Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung. Foto: Bender

Erlensee/Neuberg

Paukenschlag: Erlensee und Neuberg wollen fusionieren

Erlensee/Neuberg. Paukenschlag in Erlensee und Neuberg: Die Kommunen wollen fusionieren. Schon 2021 könnten die beiden Kommunen erstmals einen gemeinsamen Bürgermeister wählen (mit Kommentar).

Von Holger Weber

Die Stadt Erlensee und die Gemeinde Neuberg streben eine Fusion an. Bereits 2021 könnten die beiden Kommunen erstmals einen gemeinsamen Bürgermeister wählen. Das sehen die Pläne vor, die Erlensees Bürgermeister Stefan Erb sowie seine Amtskollegin aus Neuberg, Iris Schröder (beide SPD), jetzt exklusiv in einem Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung dargelegt haben.

Das letzte Wort werden allerdings die Bürger haben, die in dem Einigungsprozess von Anfang bis zum Ende miteinbezogen werden und per Bürgerentscheid über die Zukunft ihrer Kommunen befinden sollen, wie Erb und Schröder betonten.Hochzeit wachsender KommunenNachdem im vergangenen Jahr im Odenwaldkreis eine Fusion von vier Gemeinden zur Kommune Oberzent beschlossen worden war, wäre der Zusammenschluss von Erlensee und Neuberg erst das zweite Mal, dass es in Hessen seit der umfassenden Gebietsreform in den 70er Jahren zu einer Fusion von kommunalen Gebietskörperschaften käme.Und diese stünde unter besonderen Vorzeichen: Denn im Gegensatz zum Odenwaldkreis, wo einwohnerschwache Flächengemeinden verschmolzen sind, würde es im Main-Kinzig-Kreis zu einer Hochzeit von wachsenden und prosperierenden Kommunen kommen.Name fehlt nochMit knapp 20 000 Einwohnern wäre die neue Kommune, für die es noch keinen Namen gibt, annähernd so groß wie etwa Bruchköbel. Der Name müsste im Rahmen eines sogenannten Grenzänderungsvertrags gefunden werden. „Möglich ist auch, dass einer der beiden bisherigen Namen übernommen wird“, so Erb.„Es wäre ein Zusammenschluss auf Augenhöhe, keine Übernahme, sondern eine Ehe, von der wir beide profitieren“, bekräftigten Erb und Schröder. Je größer die Kommune, desto größer seien auch die Chancen, alle freiwilligen Leistungen der zu erhalten und auch auszubauen. Unter anderem im kulturellen Bereich.

Erste Kooperationen laufen schonErlensee und Neuberg kooperieren bereits im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit auf vielen Gebieten. Die Verwaltungen teilen sich ein Standesamt, sie arbeiten bei der Ordnungspolizei zusammen und säubern ihre Abwasser in der selben Kläranlage in Erlensee.

 

Von einer Fusion erhoffen sich die Verwaltungsspitzen jedoch noch weitere und tiefer gehende Synergien, die sich für beide Kommunen bezahlt machten. Betriebsbedingte Kündigungen sollen mit dem Zusammenschluss jedoch nicht einhergehen.Hoffen auf Unterstützung des Landes„Eher werden wir Dinge, die wir bisher noch an Dritte fremdvergeben haben, selbst machen“, so Erb. Zudem würden alle Mitarbeiter gebraucht, um in einer fünfjährigen Übergangszeit die Dinge anzuschieben. Ausscheiden sollten Mitarbeiter nur durch eine natürliche Fluktuation, etwa bei Erreichen des Pensionsalters.Bei ihren Plänen können Erlensee und Neuburg auf die Unterstützung des Landes Hessen hoffen, die fusionswillige Kommunen finanziell und auch beratend unterstützt. Beispielsweise bezahlt das Land aus dem Topf des Kommunalen Schutzschirms einen Teil der Altschulden der fusionierenden Kommunen.Machbarkeitsstudie wird finanziertZudem finanziert Wiesbaden eine Machbarkeitsstudie, die auch in Erlensee und Neuberg erstellt werden soll. „Unser Vorhaben soll durch einen neutralen Gutachter durchleuchtet werden“, so Iris Schröder. Eine solche Studie soll noch bis Ende März von den beiden Parlamenten per Beschluss in Auftrag gegeben werden. Stefan Erb und Iris Schröder haben in Kürze einen Termin beim hessischen Innenminister Peter Beuth, um das weitere Vorgehen zu besprechen.Eine Fusion könnte entweder von den beiden Parlamenten mit einer qualifizierten Mehrheit oder per Bürgerentscheid beschlossen werden. Erb und Schröder wollen der Empfehlung der Landesregierung folgen und für die zweite Option votieren. In Bürgerversammlungen und Workshops sollen die Bürger mit in den Entscheidungsprozess einbezogen werden.Schröder möchte nicht mehr kandidieren„Es ist eine historische Chance für die Bürger, die Geschicke ihrer Heimat mitzubestimmen“, so Erb. Die Fusion zu diesem Zeitpunkt wird durch die personelle Situation in den Rathäusern begünstigt. Die 61-jährige Schröder möchte nach ihrer Amtszeit, die bis 2020 geht, nicht wieder kandidieren. Stefan Erb müsste sich zunächst 2019 in Erlensee und dann 2021 noch einmal in der neuen Kommune zur Wahl stellen.

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