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Vor den Trümmern ihrer Lagerhalle: Reiterhofbesitzerin Alexandra Götsch will das Gebäude so schnell wie möglich wieder aufbauen. Sie zeigte sich vor allem von der Welle der Hilfsbereitschaft beeindruckt. Neuberg habe sich solidarisch gezeigt.

Neuberg zeigt sich solidarisch

Nach dem Brand auf dem Reiterhof erfährt die Familie große Hilfsbereitschaft

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Knöcheltief steht das Wasser auf dem Betonfußboden. In der Luft liegt noch immer Brandgeruch. Die verbliebenen Reste der Dachträger ragen in den strahlend-blauen Himmel wie halb abgebrannte Streichhölzer. Alexandra Götsch steht vor der Ruine, die einmal die Futterkammer für ihre Pferde war.

„Irgendwie ist das Ganze für mich noch total surreal“, sagt die Besitzerin des Reiterhofs in Neuberg. Am Tag nach dem Großbrand, der nach aktuellem Stand der Ermittlungen vorsätzlich durch einen 18-jährigen Feuerwehrmann gelegt wurde (siehe Kasten), wird der jungen Frau erst bewusst, was da am Sonntag passiert ist. „Gestern“, sagt sie, „hat man eigentlich nur funktioniert, keine Zeit zum Nachdenken gehabt.“ In der Nacht hat sie schlecht geschlafen. Immer wieder ist sie aufgestanden, um nachzusehen, ob das Feuer nicht an irgendeiner Stelle wieder ausgebrochen, ob die Gefahr jetzt auch wirklich gebannt ist. Vor Augen hat sie noch den hellen Schein, der sich im Morgengrauen in Windeseile vergrößerte und in irgendwann die gesamte Halle erfasste. 

Ihr Schwager Markus, der wie jeden Morgen bereits in den Stallungen unterwegs war, um die Pferde zu versorgen, hatte das Feuer zuerst bemerkt und daraufhin die gesamte Familie aus dem Bett geklingelt. Die kriegen wir nie dort raus“, habe ihre Mutter zunächst befürchtet. Und dann haben sie es doch geschafft, ein Tier nach dem anderen in Sicherheit gebracht. So, als hätten sie es vorher trainiert. Dass noch genug Zeit blieb, um die Pferde aus den Boxen zu führen, ist vermutlich den massiven Brandschutzmauern und -türen zu verdanken, die die Flammen aufhielten und verhinderten, dass sie vom Lager auf den Stall übergriffen. „Da hat sich gezeigt, was Brandschutz wert ist“, sagt Götsch. 

Die Stallungen haben trotz der extremen Hitzentwicklung so gut wie nichts abbekommen. 900 Heuballen sind in der Halle verbrannt, 400 hatte die Familie erst zwei Tage vor dem Brand geliefert bekommen. Sie habe eine Vorahnung gehabt, dass so etwas passieren könne. Die Brände, die seit den Osterfeiertagen für Unruhe in der Gemeinde gesorgt hatten, haben auch bei ihr eine gewisse Grundnervosität ausgelöst. „Wir waren in den vergangenen Tagen besonders aufmerksam.“ Auch die Nachbarn seien sensibilisiert gewesen, hätten besonders aufgepasst. 

Nachricht vom Neuberger Brand hat innerhalb der Szene schnell die Runde gemacht

Der Luisenhof, den Götsch mit ihrem Mann betreibt, grenzt direkt an den Sophienhof, die Reitsportanlage ihres Vaters. Zusammen bilden die beiden Anlagen eines der renommiertesten Reitsportzentren der Region. Rund 50 Pferde sind in den gemeinsamen Stallanlagen eingestellt. Der Reiterhof ist ein reiner Familienbetrieb. Neben Alexandra Götsch arbeiten auch ihre beiden Schwestern Katharina und Sophie Madelie sowie deren Ehemänner dort. Und natürlich die Eltern, Fritz und Erika Steinkrauß. In den 60ern hatte Großvater Bruno Steinkrauß die Anlage aufgebaut. Vater Fritz ist in der Reiterszene als Turnierbauer eine Größe. Dreimal im Jahr werden auf der großen Reitanlage Springturniere ausgetragen, auch hochklassige Wettbewerbe. 

Die Nachricht vom Brand in Neuberg hat in der Reiterszene schnell die Runde gemacht und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. „Es ist Wahnsinn, unser Telefon steht kaum noch still“, berichtet Alexandra Götsch. Ein Landwirt aus Bruchköbel hat noch am Sonntagabend eine große Fuhre Heu gebracht, mit der man zunächst einmal über die Woche komme. Mehr könne man ja derzeit ohnehin nicht lagern“, sagt Götsch. Man hört die Dankbarkeit in ihrem Tonfall. Sie sei gerührt von so viel Anteilnahme. Und auch bei Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder schwingt Stolz mit, wenn sie davon berichtet, wie die Neuberger am Sonntag die Rettungskräfte während des langen Einsatzes mit Kuchen versorgten, wie der örtliche Rewe-Händler kistenweise Getränke sowie Leberkäse und Hähnchenschenkel brachte. 

Gemeinde Neuberg will auch helfen

Die Eisdiele lieferte darüber hinaus Erfrischungen, und auch der örtliche Pizzabäcker ließ sich nicht lumpen und lieferte den Helfern eine Stärkung. Alles kostenfrei wohlgemerkt. „In solch einem Augenblick zeigt sich, was es bedeutet, auf einem Dorf zu wohnen“, so Schröder. In den nächsten Tagen wird sich die Familie auf dem Luisenhof erst einmal sortieren, es wird ein Gutachten geben, inwieweit die Stallungen noch weiter zu benutzen sind. Vater Fritz hat bereits mit dem Architekten telefoniert, will klären lassen, ob man eine Halle auf dem gleichen Fundament wieder aufbauen kann. Und dies möglichst vor dem Wintereinbruch, hofft Alexandra Götsch. Glück im Unglück sei, dass nun die Koppelsaison beginne, die Pferde sich also direkt auf der Weide ernähren können. Mit der Versicherung werde man sich schon einig, hofft Götsch. 

Auch die Gemeinde Neuberg will die Familie in dieser Situation nicht alleine lassen. „Wir helfen, wo wir können“, sagt Bürgermeisterin Iris Schröder, die sich gestern noch per Pressemitteilung bei allen Helfern, es waren mehr als 100 aus dem ganzen Kreis, für den herausragenden Einsatz bedankte.

Mehr Infos zum Brand und den Ermittlungen finden Sie hier und hier

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