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Mit offenen Augen durch die Welt

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Den Erfolg der Konzertreihe hat Gerhard Bänsch schwarz auf weiß: In einem Gästebuch haben sich viele Besucher lobend über die Veranstaltung geäußert.
Den Erfolg der Konzertreihe hat Gerhard Bänsch schwarz auf weiß: In einem Gästebuch haben sich viele Besucher lobend über die Veranstaltung geäußert. © Holger Weber

Neuberg – Auch einige Tage nach Abschluss der fünfteiligen Konzertreihe in der Ravolzhäuser Kirche ist die Euphorie bei Gerhard Bänsch noch immer zu spüren. „Es war ein grandioser Erfolg“, zieht er auf seiner Terrasse Bilanz. Bänsch, Sprecher und Kopf des Förderkreises der Ravolzhäuser Kirche, hat die Reihe mit dem Neuberger Pianistenpaar Sergey und Irina Korolev mit seinem Team organisiert und damit seinem Ruf als Strippenzieher mal wieder Nachdruck verliehen.

Ein Macher war er auch schon als Vorsitzender des Fußballklubs in Neuberg, dem er 14 Jahre vorstand.

Man kann nicht sagen, dass Bänsch ein fanatischer Fußballfan wäre. Heutzutage lässt er sich auf dem Platz eigentlich kaum noch sehen und mal abgesehen von Spielen seines FC Bayern, bei dem er seit Jahren Mitglied ist, interessiert ihn auch das Pr ofi-Geschehen nur mäßig. Und auch in Sachen Musik würde er sich nicht als Kenner bezeichnen, wenngleich er gute Konzerte mag. Was treibt ihn also dazu, sich im Sport und in der Kultur in seiner Wahlheimat derart zu engagieren? „Ich will den Neubergern einfach eine Freude machen“, lautet die lapidare, aber auch schlüssige Antwort.

Kosaken auf einem Plakat entdeckt

Für die Events, die in Neuberg möglich sind, muss er nicht einmal groß recherchieren. Es reicht ihm, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Den renommierten Don-Kosaken-Chor unter der Leitung von Serge Jarow hat er auf einem Plakat in Gründau entdeckt, als er dort zufällig mit seiner Frau Dagmar unterwegs war. Dann hat Bänsch zum Telefonhörer gegriffen und beim Management mal locker angefragt, ob die Kosaken sich auch einen Auftritt in der Kirche von Ravolzhausen vorstellen könnten. Mittlerweile haben die Sänger das Neuberger Publikum schon dreimal mit ihren sakralen Klängen erfreut.

Bänsch hat neulich einmal erzählt, bei seinen Ideen führe oftmals der Zufall Regie. Da hat ihn eine Mitstreiterin gleich korrigiert: „Gerhard, eigentlich ist es kein Zufall, sondern die Dinge fallen dir einfach zu.“ Da habe sie eigentlich recht, hat Bänsch dann nach einer kurzen Überlegung geantwortet. Manche Dinge liegen jedoch auch nahe. So zum Beispiel das „Fischessen fier de Kerch“, das der Förderkreis nun bereits zum 24. Male veranstalten will und mit dessen Erlös ein beträchtlicher Teil der Sanierung des Gotteshauses bezahlt wurde. Bänsch war einst hauptberuflich Vertriebschef des Hamburger Feinkost-Unternehmens Beeck, das heute zur Deutschen See gehört. Somit saß er quasi an der Quelle. Das Fischessen ist in der Gemeinde Neuberg derart angesagt, dass man die Köstlichkeiten aus dem Sortiment des norddeutschen Caterers gleich zweimal anbieten muss, weil es keinen Ort mit einem ausreichenden Fassungsvermögen gibt. Gab es anfänglich nur 70 Plätze, so verkaufen die rührigen Förderkreismitglieder nunmehr zweimal 120 Tickets pro Veranstaltung.

Geistiger Vater des Weinfests

Bänsch ist auch geistiger Vater des Neuberger Weinfests, das in diesem Jahr zum zweiten Male stattfand und mit 400 Besuchern im Pfarrgarten in Ravolzhausen wieder ein echter Renner war. „Eigentlich ist die Veranstaltung an diesem grandiosen Ort das schönste Fest in ganz Neuberg“, sagt Bänsch nicht ganz unbescheiden. Beim Weinfest hat er zudem bewiesen, dass er auch hartnäckig sein kann, denn die Idee war ihm bereits vor einigen Jahren gekommen. Die Umsetzung scheiterte jedoch zunächst daran, weil der damalige Pfarrer dazu keine Lust hatte. Dessen Nachfolger Pfarrer Daniel Geiss hatte indes nichts dagegen, seinen Garten einmal im Jahr für ein solches Event zur Verfügung zu stellen. Bänsch selbst hat den Wein beim Händler in Mainz mit einem Anhänger abgeholt, während seine Mitstreiter aus dem Förderkreis im Pfarrgarten Tische, Bänke und Pavillons stellten.

„So ist er eben, der Bänsch“, spricht der Macher auch mal gerne mal von sich in der dritten Person. Doch eines vergisst der durchaus selbstbewusste Cheforganisator nie: seine Kollegen aus dem Förderkreis, die ihm bei der Umsetzung seiner Pläne immer zur Seite stehen. Im Anschluss an das letzte der fünf Klavierkonzerte holte er sie allesamt auf die Bühne und stellte die Mitglieder dem Publikum namentlich vor. Bänsch weiß: „Du kannst noch so viele Ideen haben, ohne eine gute Mannschaft geht gar nichts.“

Vor 50 Jahren zum Vereinsbeitritt „erpresst“

Einer in seinem Team ist Claus Diegel, der im Förderkreis unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist: „Bei uns hat jeder seine Aufgabe, aber der Gerhard ist derjenige, der die Visionen mitbringt.“

Für die Talente des gebürtigen Bad Hersfelders hatte offenbar vor nunmehr 50 Jahren auch der Neuberger Klempner Heinz Mai ein Gespür. Denn der sorgte mit einer lupenreinen „Erpressung“ dafür, dass Bänsch, der seinerzeit mit seiner Frau Dagmar frisch aus Berlin nach Neuberg gezogen war, in den örtlichen Fußball-Klub eintrat. Am Tag des Einzugs hatte Bänsch jemanden gesucht, der ihm die Spüle anschließen konnte. Auf Vermittlung seines Nachbarn war nach nicht einmal einer Stunde Heinz Mai vor Ort und machte seine Hilfeleistung von der Bedingung abhängig, dass Bänsch in den Klub eintreten müsse. „Und so kam es, dass ich schon Mitglied beim damaligen FSV Ravolzhausen war, bevor auch nur ein Möbelstück in der Wohnung stand“, erinnert sich Bänsch schmunzelnd. Nur drei Jahre später war er Vorsitzender des Vereins, der heute FSV Neuberg heißt. Nebenbei half Bänsch auch noch bei der Gründung des Neuberger Tennis-Klubs. Vorsitzender des Fußball-Vereins blieb er 14 Jahre lang. In dieser Zeit feierte der Verein sportliche Erfolge, stieg unter anderem von der B-Kreisliga in die Bezirksliga auf. Später organisierte er auch die 100-Jahr-Feier des Vereins, bei der der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch als Schirmherr eine 45-minütige Rede über die Bedeutung des Ehrenamtes hielt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der zweifache Vater sein Amt als Vorsitzender bereits abgegeben, weil Verein, Familie und Beruf nicht mehr unter einen Hut zu bringen waren. Dreimal in der Woche flog der Manager damals von Frankfurt nach Hamburg. Manchmal sei er vom Flughafen gleich auf den Fußballplatz gefahren, erinnert er sich.

Initiator des Bürgerbegehrens

Bänsch gehörte auch zu den drei Initiatoren des erfolgreichen Bürgerbegehrens für einen Bürgerentscheid über die Fusion der Gemeinde Neuberg mit Erlensee. Dabei ging es ihm vor allem darum, die Entscheidung über die politische Zukunft seiner Gemeinde wieder in die Hände der Bürger zurückzugeben, nachdem im Parlament einer Dreierbündnis von CDU, Neuberger Liste sowie den Grünen gegen eine Fortführung der Fusionspläne gestimmt hatte. Nach wie vor glaubt er, dass ein Zusammenschluss mit dem Nachbarn das Beste für Neuberg gewesen wäre. Zu viele politische Fehler, meint er, seien ausschlaggebend für das Scheitern gewesen. Doch ihn selbst hat es nie in die Politik gezogen.

Um Neuberg lebenswerter zu machen, hält er lieber weiter Ausschau nach kulturellen Events, mit denen er seine Mitbürger glücklich machen kann. Das nächste ist für den 4. Dezember in der Kirche geplant: eine alpenländische Weihnacht mit Harfe und Alphörnern. Die Vorbereitungen laufen. (Von Holger Weber-stoppacher)

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