Holger Weber kommentiert die geplante Fusion von Erlensee und Neuberg.

Erlensee/Neuberg

Kommentar zur Fusion: Direkter geht Demokratie kaum

Erlensee/Neuberg. Die Nachricht kam wie aus heiterem Himmel. Tatsächlich aber ist der Entschluss, mit einer Fusion den großen Wurf zu wagen, schon lange bei Stefan Erb und Iris Schröder gereift. Ein Kommentar von Holger Weber.

Man kennt sich, man mag sich. Man hat in vielen Gesprächen unter Einbeziehung aller Daten und Fakten abgewogen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Neuberg und Erlensee gut zueinander passen. Mehr noch: dass sich die beiden Nachbarn im Angebot ergänzen und die individuellen Defizite des einen durch die Stärken des anderen wettmachen können.Den Schritt zu gehen und zwei Kommunen im prosperierenden westlichen Main-Kinzig-Kreis zusammenzuführen verlangt dennoch großen Mut. Denn sowohl Erb als auch Schröder haben persönlich viel zu verlieren. Zwar ist die 61-jährige Neuberger Bürgermeisterin von ihrem Ruhestand nicht mehr allzu weit entfernt.Doch riskiert sie, dass man ihr beim Scheitern der Ehe mit Erlensee in ihrer Wohnortgemeinde ein Leben lang vorwirft, sie habe ihre Heimat an den großen Nachbarn verramscht. Erb wiederum muss sich gleich zweimal bei kurz hintereinanderfolgenden Bürgermeisterwahlen behaupten, um seine Position zu behalten.Wenn sich die beiden Verwaltungschefs nicht sicher wären, dass ihre Mission am Ende ein glückliches Ende haben wird, dann wären sie ein solches Wagnis wohl nicht eingegangen. Das stimmt zuversichtlich.Die Entwicklungen von Erlensee und Neuberg werden in den kommenden Jahren sehr genau beobachtet werden. Läuft's gut, könnten die Kommunen zum Vorbild werden. Läuft's schlecht werden sie als Beispiel dafür dienen, wie man es nicht machen sollte.Doch Letzteres wird nicht passieren, wenn alle Parteien positiv die Herausforderung annehmen und sich an die Arbeit begeben. Die Bürger in Erlensee und Neuberg haben jetzt in der Tat die wohl einmalige historische Chance, ihre Heimat ein Stück mitzugestalten.Alle, die immer über die da oben schimpfen, die ohnehin machen was sie wollen, dürfen sich jetzt selbst am Gestalten versuchen. Die Bürger entscheiden über ihre Heimatorte. Direktere Demokratie gibt es nicht. Und auch keinen besseren Grund für alle Politikverdrossenen endlich wieder aus ihrer Schmollecke zu kommen.

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