Norbert Scheffzik ist einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens für einen Bürgerentscheid in Neuberg. Foto: Holger Weber

Neuberg

Fusion: Warum Norbert Scheffzik ab heute Unterschriften sammelt

Neuberg. Alteingesessene Neuberger erkennt man schon an der dreiziffrigen Telefonnummer. Auch Norbert Scheffzik ist unter einer solchen zu erreichen. Er gehört zu den drei Initiatoren des Bürgerbegehrens, das am Samstag mit einem Stand auf dem Parkplatz vor dem Rewemarkt zwischen Ravolzhausen und Rüdigheim beginnt.

Von Holger Weber

Der 78-Jährige ist einer der wenigen Bürger, die kaum eine Versammlung der Gemeindevertreter versäumen. Er sitzt immer an einem der vier Tische, die gleich am Eingang zum Bürgerhaus in Rüdigheim für die Besucher aufgestellt sind. Manchmal ist er auch allein, wenn gar nichts Spannendes auf der Tagesordnung steht. Scheffzik hat dem Gemeindeparlament selbst 13 Jahre als Vorsitzender vorgestanden, war als Abgeordneter der Sozialdemokraten zuvor in vielen Ausschüssen vertreten.

Und als Zuschauer war er auch bei der Versammlung Mitte Januar dieses Jahres dabei, die viele in Neuberg, auch die Gegner einer Fusion mit Erlensee, als wahrhaft historisch betrachten. Am Tag als die Parlamentarier, zumindest die von CDU, Neuberger Liste und Grünen, einen Schlussstrich unter die Fusionsgespräche ziehen wollten, war der Saal des Bürgerhauses so voll, dass nicht alle Besucher einen Sitzplatz bekamen.

Das hat auch Scheffzik, der in vielen Sitzungen mit seinen Kollegen einsame Entscheidungen fällen musste, noch nie so erlebt und gleichermaßen überrascht. Von diesem Augenblick an sei ihm eines klar geworden: „Es kann nicht sein, dass alle diejenigen, die gekommen waren, am Ende nicht über die Zukunft ihrer Heimatgemeinde entscheiden sollen“, sagte er.

Deshalb musste er nach eigenem Bekunden auch keine Sekunde überlegen, ob er sich gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern Gerhard Bänsch und Uwe Reifenberger an die Spitze der Bewegung stellt, die nun einen Bürgerentscheid fordert. „Ich finde, bei einer solch wichtigen Entscheidung müssen die Bürger gefragt werden“. Gefragt, ob er diese Aufgabe übernehmen würde, wurde er von Bürgermeisterin Iris Schröder. „Aber ich hätte es auch getan, wenn mich jemand anderes darum gebeten hätte“, sagt er.

Vor ihm auf dem Küchentisch liegt ein Plakat, das er später an seiner Haustür befestigen will. Den Stapel Listen, auf denen die Bürger nun ihre Zustimmung zum Bürgerentscheid bekunden sollen, liegt gleich daneben. Er wird sie überall verteilen, bei den Nachbarn und auch in den Vereinen, in denen er Mitglied ist. Und das sind nicht wenige in Neuberg. „Ich akzeptiere, wenn jemand keine Fusion möchte, aber ich halte es für eine Bürgerpflicht, an der Abstimmung teilzunehmen“, sagt er.

Scheffzik macht keinen Hehl daraus, dass er einen Zusammenschluss zwischen den beiden Kommunen für vernünftig hält. Seine Erfahrung im Berufsleben, Scheffzik war leitender Angestellter bei der Deutschen Bank, habe ihn gelehrt, dass es manchmal besser ist, dass einer den Job übernimmt, den zuvor zwei gemacht hätten. Eine Fusion erscheine ihm angesichts der personellen und auch finanziellen Herausforderungen, die Neuberg zu schultern habe, sinnvoll. „Besser wir machen es jetzt freiwillig, als dass es uns später aufgezwungen wird.“

Aber um die Fusion gehe es ja jetzt noch nicht, unterbricht er sich selbst. Nunmehr sollen die Bürger erst einmal darüber entscheiden, ob sie selbst entscheiden, ob es eine Fusion geben soll.

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