Neuberg

Fusion Neuberg/Erlensee: Bürgerbegehren auf gutem Weg

Neuberg. „Die Stimmung an unserem Stand vor dem Rewe-Markt war einfach großartig heute Morgen. Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden.“ Das sagte Gerhard Bänsch, zusammen mit Norbert Scheffzik und Uwe Reifenberger Mitinitiator des Bürgerbegehrens.

Von Rainer Habermann

Das Thema ist derzeit Hauptgesprächsstoff in beiden Ortsteilen der Gemeinde Neuberg ist: Ob nämlich ein Bürgerentscheid über eine mögliche Fusion mit der Nachbarkommune Erlensee anhand der viel diskutierten Machbarkeitsstudie durch‧geführt werden soll oder nicht.

Am Samstag lagen Unterschriftenlisten vor dem Markt aus, in die sich alle wahlberechtigten Neuberger eintragen und sich für einen solchen Bürgerentscheid aussprechen konnten. Zehn Prozent aller Wahlberechtigten müssen es am Ende sein, also rund 430, wie die Initiatoren und Bürgermeisterin Iris Schröder (SPD) bestätigen. Diese Zahl wurde offenbar nicht ganz erreicht, obwohl der Stand während des Vormittags dicht umlagert war von Unterschriftswilligen.

„Wir sind sehr nah dran, aber wir wollen noch keine genaue Zahl bekannt geben, weil wir davon ausgehen, die erforderliche Mindestzahl weit übertreffen zu können“, hält Bänsch sich noch etwas bedeckt hinsichtlich einer genauen Größe. Am kommenden Samstag, 23. Februar, soll deshalb der Stand von 8 bis 11 Uhr erneut vor dem Rewe-Markt am Kreisverkehr zwischen Ravolzhausen und Rüdigheim aufgebaut werden.

„Außerdem“, so die Initiatoren weiter, „haben viele Leute Blanko-Listen mitgenommen, um in ihrem Bekanntenkreis noch Unterschriften zu sammeln.“ Das ist ebenso zulässig wie wohl das Bürgerbegehren insgesamt. Wobei wir auch am Samstag festgestellt haben, dass viele Menschen den Unterschied zwischen einem Bürgerbegehren und einem Bürgerentscheid gar nicht kennen.

Was die Stimmung am Stand der Befürworter eines Bürgerentscheids angeht, so muss man sagen: Bänsch hat nicht übertrieben. Und so gut wie alle waren sich einig: Bei so einer wichtigen (Zukunfts-)Entscheidung wie über eine Fusion – oder eben keine – zwischen Neuberg und Erlensee sollten alle Bürger gefragt werden. Unabhängig davon, ob Politiker zustimmen oder nicht. Das war zumindest am Samstag deutlich aus den unterschiedlichsten Meinungen in der Sache (Fusion) herauszuhören.

Basisdemokratie wie in der Schweiz, mit ihren vielen Volksentscheiden? Auch hier kann man sicher geteilter Meinung sein. Denn die ehrenamtlichen Entscheidungsträger im Gemeindeparlament, die ja durchaus demokratisch legitimiert sind und mit ihrer Mehrheit aus CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Neuberger Liste (NL) faktisch gegen einen ja im ganzen Prozedere eigentlich vorgesehenen Bürgerentscheid stimmten (wir berichteten mehrfach), haben ihre Argumente.

Zwei „Stimmen zur Stimmung“: von einem recht jungen Paar, 22 und 29 Jahre alt, und einer Seniorin, Jahrgang 1930. „Wir haben unterschrieben, weil wir selbst entscheiden wollen, was in Zukunft mit uns passiert“, sagen Lea Krauskopf (22) und Oliver Riehl (29), beide aus Ravolzhausen. „Wir sind hier aufgewachsen, aber wir fühlen uns noch nicht so wirklich gut informiert.“ Dass das Gemeindeparlament den Fusionsgedanken eine Absage erteilt hatte, wussten beide nicht.

Auch die weit über 80-jährige Ingeborg Mayer hat die Listen unterschrieben. „Ich persönlich bin auf dem Dorf geboren, groß geworden und liebe es“, sagt sie. „Ich habe den Eindruck, dass es außer vielleicht einer kleinen finanziellen Erleichterung nichts bringt, zu fusionieren. Ich möchte, genau genommen, dass es so bleibt, wie es ist. Obwohl mein Mann auch Politiker war, finde ich, ein Bürgerentscheid ist uns schließlich zugesagt worden. Nur zwischenzeitlich hatten wir das Gefühl, dass ja doch über unsere Köpfe hinweg entschieden werden soll. Deshalb habe ich unterschrieben.“

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