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Freiwillige Feuerwehr Rüdigheim hat neues Löschgruppenfahrzeug

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Auf dem Dach des Löschgruppenfahrzeugs findet neben einem ausfahrbaren Scheinwerfer auch eine Leiter Platz. Foto: Kalle
Auf dem Dach des Löschgruppenfahrzeugs findet neben einem ausfahrbaren Scheinwerfer auch eine Leiter Platz. Foto: Kalle

Neuberg. 33 Jahre hatte das alte Löschgruppenfahrzeug LF 8/8 der Freiwilligen Feuerwehr Rüdigheim auf dem Buckel, bevor es vor Kurzem endlich in den Ruhestand gehen durfte und von dem neuen LF 10 ersetzt wurde.

Von Elfi Hofmann

Wie das ausgediente Fahrzeug darauf reagiert hat, ist nicht überliefert. Die Mitglieder der Feuerwehr allerdings, die sind richtig begeistert von ihrem neuen Löschfahrzeug. Schon von Weitem strahlt mich das Rot des Fahrzeugs an. Das liegt zum einen an der Sonne, die sich nach Tagen voller Regen wieder mal blicken lässt. Vor allem aber deshalb, weil das Gefährt erst ein paar Wochen im Einsatz ist.

Mindestens 25 Jahre müsse ein Fahrzeug bei der Feuerwehr halten, erklärt mir Daniel Alt. Der Wehrführer von Rüdigheim bekommt, genau wie seine Kameraden, leuchtende Augen, wenn er von dem neuen Löschfahrzeug erzählt. „Endlich haben wir eine Servolenkung!“ Was mittlerweile in allen Autos Usus ist, war für die Floriansjünger lange Zeit ein unerfüllter Traum. Mehrere Tonnen mussten sie durch die engen Neuberger Straßen bewegen und dabei am besten keines der geparkten Autos touchieren.

250 Pferdestärken „Wir müssen innerhalb von zehn Minuten nach dem Alarm am Geschehen sein, das war ziemlich schwer einzuhalten“, erklärt Alt. Manchmal seien sie am Berg mit ihren 80 PS auch mal von einem Rennrad überholt worden. Doch diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Über stolze 250 Pferdestärken verfügt das neue Fahrzeug, neun Personen finden darin Platz. Ich übrigens auch, denn wir fahren gemeinsam einmal durch den Ort. Ganz schön hoch sitzt man bei der Feuerwehr.

Das liegt daran, dass der Fahrerraum, der noch richtig neu riecht, wie bei einem Lkw gebaut ist. Auf dem Sitz hinter mir hängt eine orange-gelbe Feuerwehrweste, hinten dran sitzen sich die Feuerwehrleute gegenüber und können, wenn notwendig, direkt Atemmaske und Sauerstoffflasche anlegen. „Die Schaltung wird vom Computer übernommen“, erklärt mir der Fahrer, dem es sichtlich Spaß macht, durch Neuberg zu kurven. Zwölf Gänge hat das Gefährt, dessen Leistung man überraschenderweise kaum hört. Das über sieben Meter lange Fahrzeug schnurrt einfach gemächlich vor sich hin.

4,5 TonnenBis die Feuerwehr dem neuen Löschfahrzeug ihr Eigen nennen konnte, ging allerdings einige Zeit ins Land. „Zuerst wurde ein Bedarfs- und Entwicklungsplan von der Gemeinde aufgestellt und dann ein Schlüssel gebildet“, erklärt mir der für beide Neuberger Ortsteile zuständige Brandinspektor Roland Fromm. Der Antrag der Feuerwehr ging dann vor über vier Jahren an die Gemeinde. Nach einigen weiteren Schritten fertigte Neuberg im September 2015 eine Ausschreibung an, die dann im Dezember des gleichen Jahres in einer Bestellung mündete.

Nach Besichtigungen und verschiedenen Anpassungen konnte das Fahrzeug am 13. Juni abgeholt und Anfang Juli in Dienst gestellt werden. „Die Gemeinde hat das Konzept und die technischen Dinge komplett bei uns gelassen, nur bei finanziellen Fragen haben wir sie natürlich mit einbezogen“, so Fromm. Aus einem Feuerwehrauto rauszukommen, ist übrigens nicht so einfach, wie man denkt. Dass man „immer rückwärts rausklettern“ soll, höre ich zu spät und quäle mich natürlich vorwärts aus dem Gefährt, das nicht nur genug Platz für neun Menschen, sondern auch für Utensilien unterschiedlichster Art bietet. Neben den obligatorischen Schläuchen – und davon gibt es in wirklich jeder freien Ecke welche – verfügt das Fahrzeug auch über eine Zange, mit der man bis zu 4,5 Tonnen heben kann.

Wall-EFür kleinere Brände gibt es Feuerlöscher. Und natürlich darf auch die obligatorische Feuerwehraxt nicht fehlen. Mein persönliches Highlight ist allerdings der ausfahrbare Dachscheinwerfer, der aussieht wie Wall-E aus dem gleichnamigen Disney-Film und mindestens genauso hell leuchtet. Ein Eigenleben wie im Film entwickelt er allerdings wohl nur bei einer Störung, ansonsten wird er mit einem Joystick gesteuert. Trotz der immer besser werdenden Technik braucht die Feuerwehr aber nach wie vor vor allem Manneskraft, um Brände bekämpfen zu können.

Und weil auch der Nachwuchs geschult werden muss, gibt es jeden Mittwoch eine Übung, bei der eine Notsituation simuliert und das neue Löschfahrzeug gleich auf seine Tauglichkeit geprüft wird. Schnell und überlegt geht es dabei zu, die in einer Scheune versteckte Person wird ruck-zuck gefunden, nachdem die notwendigen Maßnahmen wie Lagebesprechung, Schlauch ausrollen und Leiter aufstellen, die übrigens bei Wall-E auf dem Dach lagert, abgehandelt wurden. „Die Zeit stimmt auch“, ist Wehrführer Alt überzeugt vom Nachwuchs und dem neuen Auto, das den Neubergern beim Sommerfest der Feuerwehr am 18. und 19. August vorgestellt wird, denn so ein Löschfahrzeug wird nicht für die Feuerwehr angeschafft, sondern für die Bürger.

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