Neuberg

Bürgerversammlung bringt wenig Aufschluss über Machbarkeitsstudie

Neuberg/Erlensee. In einer aufgeheizten Atmosphäre fand am Donnerstagabend im voll besetzten Bürgerhaus in Rüdigheim die erste von zwei Bürgerversammlungen zur Machbarkeitsstudie statt, die in Kürze in Auftrag gegeben werden soll. Die zweite Versammlung folgt am Mittwoch, um 19.30 Uhr, in der Kleinen Erlenhalle in Erlensee. 

Von Holger WeberGanz am Ende der gut zweistündigen Veranstaltung wurde Neubergs Parlamentschef Peter Holzapfel noch einmal eindringlich. „Wir sprechen hier nur über eine Machbarkeitsstudie, durch deren Ergebnisse wir uns Aufschluss über die beste Kooperationsform erhoffen. Es geht hier noch nicht um die Fusion. Wir haben noch nichts entschieden“, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung mit fast flehendem Unterton.

Holzapfel hatte gemerkt, dass an diesem Abend etwas gehörig aus dem Ruder gelaufen war. Dass die Stimmung nicht so war, wie es sich die Verwaltungsspitzen aus Neuberg und Erlensee erhofft hattenDirekte Demokratie: ein „schwieriges Geschäft“Und auch Karl-Christian Schelzke, der geschäftsführende Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, der zusammen mit seinem Kollegen, dem Hanauer Dieter Hog, an der Studie mitarbeiten wird und als Redner geladen war, musste nach gut zwei Stunden Diskussion erschöpft eingestehen, dass direkte Demokratie „ein schwieriges Geschäft“ ist. Und dass die Aufgabe in Neuberg nicht leicht werden wird.

Der Missstimmung lag ein großes Missverständnis zugrunde. Denn während einige Neuberger schon Erkenntnisse über die Kompatibilität beider Kommunen und andere sich zumindest Aufklärung über die Kriterien der anstehenden Machbarkeitsstudie erhofft hatten, betrachteten Schelzke und Hog die Veranstaltung offenbar als eine erste lockere Vorstellungsrunde. Ein Warm-up, ein großes gemeinsames Brainstorming, bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgeht. Und so blieben am Ende viele ratlose Gesichter zurück. „Eigentlich bin ich jetzt nicht viel schlauer als vorher“, brachte es ein Neuberger auf den Punkt.Funktion abhängig davon, wie die Menschen zusammenpassenDabei lohnte es sich allemal, den Ausführungen des erfahrenen Kommunalpolitikers Schelzke Aufmerksamkeit zu schenken. Von Anbeginn machte er deutlich, dass es keine rein wirtschaftliche Entscheidung nach Zahlen sei, ob die beiden Kommunen letztendlich kompatibel und für eine Fusion taugten. Ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, sei die Gebietsreform in den 70er Jahren gewesen, die über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht worden sei.

 

 

Noch heute seien viele der damals zwangsweise zusammengelegten Kommunen nicht zusammengewachsen, zumindest nicht in den Köpfen der Menschen. So hänge eine mögliche Fusion auch wesentlich von der Frage ab, ob die Menschen auch unter Gesichtspunkten der Mentalität zusammenpassen. „Wir sind doch keine Neoliberalen, wir blicken nicht nur auf die schwarze Null.“Andere Nachbarkommunen ohne InteresseUnter den Bürgern meldeten sich vor allem diejenigen zu Wort, die der Zusammenarbeit mit Erlensee skeptisch gegenüberstehen. Das war zu erwarten, vor allem aus der Ecke der neugegründeten Bürgerinitiative Neuberger für Neuberg, deren Gründungsmitglied Olaf Siebeck in Frage stellte, ob eine Machbarkeitsstudie überhaupt ausreiche, da beide Kommunen von verschiedenen Ausgangspunkten starteten und somit auch differenziert betrachtet werden müssten. Auch wurde immer wieder die Frage aufgeworfen, warum die Wahl ausgerechnet auf die Nachbarkommune Erlensee gefallen sei und man nicht an kleinere Nachbarkommunen wie Hammersbach oder Ronneburg herangetreten sei. „Weil diese von Beginn an kein Interesse bekundet haben“, wiederholte Bürgermeisterin Iris Schröder gebetsmühlenhaft.

Und weil Ravolzhausen und Langendiebach sich aus der Historie betrachtet einfach näher seien, fügte Erlensees Bürgermeister Stefan Erb später im kleinen Kreis hinzu. Aber es kam auch die Frage auf, inwieweit eine Fusion bei Problemen, die mit einer immer älter werdenden Gesellschaft in strukturell immer schlechter aufgestellten Ortsteilen zusammenhängen, Abhilfe schaffen kann. Schelzke und Hog werden sich die Frage sicherlich notiert haben.

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